Aktuelles

23.11.2017
Lünendonk: Falsches Spiel mit falschen Zahlen?

Seit dem 24. August 2017 ist die Lünendonk®-Studie 2017: "Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland" zum Preise von 2.200 € (+ USt) verfügbar. - Für 82 Seiten Text und ca. 150 Seiten Tabellarien ein stolzer Preis!

Auf der Lünendonk-Website verspricht man:

  • "Die Studie analysiert, wie sich die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland im Geschäftsjahr 2016 entwickelt haben, welche Restriktionen sie zurzeit und in Zukunft zu bewältigen haben sowie welche Entwicklungen sie prognostizieren. Neben den aktuellen Marktdaten werden auch Werte aus den Vorgängerstudien herangezogen, um Trends nachzeichnen zu können. Damit sorgt Lünendonk mit der bewährten sachlichen Analyse für Transparenz und Orientierung im Markt für Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften."

wpwatch hatte in der Vergangenheit mehrfach auf die Verwendung ungeprüften und widersprüchlichen Zahlenmaterials für diese Studien hingewiesen. Seitens Lünendonk gab es keinerlei Reaktion!

Insbesondere die widersprüchlichen Zahlen von Rödl & Partner und die damit verbundene irreführende Besetzung von Rang 6 im Feld der "Großen" des 13-Mrd. €-Marktes zeugen nicht von qualifizierter Recherche und Analyse!

Zwei Beispiele zeigen die Schwächen dieser "Studie" deutlich auf:

  • Seite 18: Wohl vor dem Hintergrund der wpwatch-Kritik versucht Lünendonk oberflächlich zu relativieren, indem von "Verschiebungen" am WP-Markt gesprochen wird!? Hier hätte es doch nur eines Abgleichs mit dem Unternehmensregister und anderen Veröffentlichungen bedurft um festzustellen, dass die von Rödl eingereichten Zahlen nicht stimmen können!
  • Seite 75/76: Auf zwei Seiten wird ein "Studienfazit" gezogen. Das zweiseitige Fazit ist durchzogen mit zahlreichen Rechtschreibfehlern sowie weiteren schweren sprachlichen sowie sprachlich-inhaltlichen Fehlern. Gewählte Plattitüden und Banalitäten ("WP Gesellschaften dürfen Kerngeschäft nicht vernachlässigen"; "Schere zwischen großen und kleinen Gesellschaften geht auseinander") werden als wichtige Studienerkenntnisse präsentiert!?

Nach intensivem Studium der Studie kommt man relativ schnell zu einem ernüchternden Ergebnis:

Die "Studie" gleicht geradezu einem Offenbarungseid in Bezug auf Qualität und Aussagekraft der dort ausgeführten Erkenntnisse! Allein die Verwendung ungeprüften Zahlenmaterials der im Ranking miteinander buhlenden Marktteilnehmer lässt doch an der Seriosität und Qualität dieser Studie zweifeln.

16.11.2017
Geldstrafe und Berufsverbot gegen KPMG

Die US-Börsenaufsicht SEC hat ein Verfahren gegen KPMG gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe des Honorars (USD Mio. 4,7) plus Zinsen (USD Mio. 0,6) plus einer Strafzahlung in Höhe von USD Mio. 1,0 eingestellt (US-SEC, Order Aug. 15, 2017 - 34-81396).

Das Verfahren gegen den verantwortlichen Wirtschaftsprüfer wurde gegen Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 25.000 USD und einem zweijährigen Berufsverbot eingestellt.

Der Grund:

Bei der Prüfung der Saldenvorträge der in den USA börsennotierten Gesellschaft für das Wirtschaftsjahr 2010/2011 hätte den Abschlussprüfern eine enorme Überbewertung des Anlagevermögens auffallen müssen. Die Gesellschaft hatte Öl- und Gasfelder in Alaska aus einer Insolvenzmasse gekauft und daraus durch Überbewertung einen Buchgewinn von USD Mio. 480 "gezaubert".

KPMG hätte diese Überbewertung auffallen müssen. Denn erster Prüfungsschritt, so die Börsenaufsicht, ist die Prüfung der Saldenvorträge. Außerdem hätten die Abschlussprüfer misstrauisch werden müssen, dass der Umfang des versicherten Anlagevermögens vom dem in der Buchhaltung erfassten Anlagevermögen deutlich nach unten abwich.

Aus Anhörungen der Börsenaufsicht ergab sich außerdem:

Für diese berufsüblichen Prüfungsfeststellungen blieb dem Prüfungsteam keine Zeit, weil es  unterbesetzt und nicht umfassend informiert worden war. Außerdem hatte der zuständige Prüfungsleiter dem Prüfungsteam eine mangelhafte Planung vorgegeben.

Und die Moral aus der Geschicht:

Zu wenig Personal rechtfertigt keinerlei "Abkürzung" der Prüfungshandlungen!

14.11.2017
Der VW-Sonderprüfer

Seit Donnerstag letzter Woche ist es amtlich: Der VW-Abgasskandal wird im Rahmen einer Sonderprüfung nochmals aufgerollt.

Bereits auf der Hauptversammlung in 2016 forderten Aktionärsschützer, dass ein unabhängiger Prüfer die VW-Abgasaffäre aufklären solle. Nun hat aber das Oberlandesgericht Celle der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) recht gegeben. Das Urteil ist rechtskräftig.

Zum Sonderprüfer wurde der Düsseldorfer Kollege WP/StB Rüdiger Reinke von der Kanzlei Baker Tilly bestellt.

Sein Auftrag: Er soll prüfen, ob Vorstand und Aufsichtsrat von VW ihre Pflichten verletzt und dem Unternehmen einen Schaden zugefügt haben. Insbesondere solle der Prüfer untersuchen, wann der Vorstand erstmals Kenntnis von der Abgasproblematik hatte oder hätte haben müssen.

Zuvor war die DSW mit ihrem Anliegen mehrfach abgeblitzt. Im Frühjahr 2016 wurde die Schutzvereinigung auf der Hauptversammlung von den Großaktionären überstimmt. Später wies auch das LG Hannover den Antrag auf einen Sonderprüfer ab. Eine weitere Aufklärungsarbeit sei nicht notwendig, lautete die Begründung des Gerichts sinngemäß. Schließlich habe Volkswagen bereits die US-Kanzlei Jones Day mit internen Untersuchungen beauftragt.

Doch dieses ursprüngliche Urteil ist aus Sicht des OLG mittlerweile hinfällig. Und dafür trägt Volkswagen selbst die Verantwortung. Die Ermittlungsergebnisse der Kanzlei Jones Day hält der VW-Konzern nämlich bis heute unter Verschluss.

Sprich: Die Resultate der Untersuchung sind momentan für niemanden mehr zugänglich, nicht einmal für die Staatsanwälte. Das OLG Celle argumentiert deshalb, die Aktionäre hätten ein berechtigtes Interesse an einer weiteren Untersuchung durch einen unabhängigen Sonderprüfer.

Das OLG Celle sieht einen qualifizierten Verdacht, dass die VW-Vorstände deutlich früher als bislang eingeräumt Kenntnis von der Angelegenheit haben mussten.

Eine Frage hab ich noch:

Wer untersucht eigentlich einmal, ab wann PwC vom Abgasskandal Kenntnisse hatte oder hätte haben müssen? Konnte man zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch uneingeschränkt testieren? War die von Winterkorn und Pötsch unterzeichnete Vollständigkeitserklärung wissentlich falsch?

Vergessen Sie's! - Gegen PwC wird in Deutschland nie ermittelt! Dafür sorgt schon Dr. Gelhausen als Vorsitzender der Vorstandsabteilung Berufsaufsicht (VoBA) der WPK!

28.09.2017
Kommen die Schlecker-WPs ungeschoren davon?

Wie wpwatch berichtete, wurden die Verfahren gegen die beiden EY-Wirtschaftsprüfer

  • WP/StB Prof. Dr. Klaus R. Müller, Lindau, und
  • WP/StB Lothar Arnold, Ravensburg,

im zur Zeit noch laufenden Strafprozess gegen den Ex-Drogerie-König Anton Schlecker und seine beiden Kinder wegen Bilanzbetrug abgetrennt. EY hatte seinerzeit die mutmaßlich falschen Schlecker-Bilanzen jeweils uneingeschränkt testiert.

Kurz nach Prozessauftakt wurden die Verfahren gegen die beiden EY-Kollegen durch geringe Geldauflagen in Höhe von 25.000 € bzw. 20.000 € eingestellt. Damit ist für beide Kollegen der strafrechtliche Teil beim LG Stuttgart erledigt. EY wird berufsgerichtlich nicht zu belangen sein, da nach deutschen Berufsrecht Verfahren immer nur gegen die "verantwortlichen Wirtschaftsprüfer" selbst angestrengt werden können.

Allerdings muss die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) nun nach Sichtung der Prozessunterlagen des LG Stuttgart prüfen, ob nicht noch berufsrechtlich gegen die beiden Kollegen vorzugehen ist. Die WPK wird hier von der APAS (frühere APAK) als höchste Fachaufsicht des Berufsstandes überwacht.

Die Chancen stehen für beide Kollegen sicherlich gut, dass die WPK nicht auch noch tätig wird. Die "Vorstandsabteilung Berufsaufsicht (VOBA)" ist unter Vorsitz des Vizepräsidenten der WPK, Dr. Hans-Friederich Gelhausen (PwC).

Prof. Dr. Klaus R. Müller hat übrigens seit Jahren einen Lehrauftrag an der Uni Ulm am Lehrstuhl von Prof. Dr. Kai-Uwe Marten, der seinerzeit Mitglied bzw. zuletzt auch Vorsitzender der APAK gewesen ist.

Also - beste Aussichten für die beiden EY-Kollegen, gegen diese geringen Geldauflagen aus dem Schlamassel absolut ungeschoren heraus zu kommen.

Alles klar?

21.09.2017
Mega-Klage gegen KPMG geplant

KPMG Europe soll für ein fehlerhaftes Sanierungskonzept einer Tochter-Firma haften!

Im Rechtsstreit zur Pleite der P+S-Werften Stralsund und Wolgast plant Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann jetzt offenbar eine Mega-Klage gegen die Mutter der früheren P+S-Beraterfirma KPMG.

Da Ende des Jahres Verjährungsfristen enden, muss erwogen werden, ob auch gegen KPMG Europe LLP mit Sitz in London vorgegangen wird. Nach einem internen Bericht Brinkmanns an P+S-Gläubiger wird ein Betrag von 300 Millionen Euro an "Sicherheit" verlangt.

Der "Schachzug" Brinkmanns basiert auf folgender Überlegung:

KMPG Europe habe bis vor Jahren Verlustübernahme-Verträge mit den nationalen KPMG-Töchtern gehabt, dem Vernehmen nach eine Garantie "für alles". Der "KPMG-Konzern" habe nicht auf die Ende 2017 drohende Verjährung von Ansprüchen verzichtet.

Die Pleite der P+S Werften 2012 hat allein das Land Mecklenburg-Vorpommern als Hauptgläubiger rund 270 Millionen Euro gekostet. Dem Insolvenzverwalter liegen bislang Ansprüche von über einer Milliarde Euro vor: etwa von Banken oder Zulieferern. Den größten Brocken mit 514 Millionen Euro will Brinkmann an Schadenersatz von der KMPG zurückholen, unter anderem wegen eines "fehlerhaften Sanierungskonzeptes".

Nach einem Verhandlungstermin beim LG Hamburg im März 2017 (wpwatch berichtete darüber) haben die Streitparteien jeweils nur mündliche Stellungnahmen abgegeben, so LG-Sprecher Kai Wantzen. Auf telefonische Anfrage von wpwatch wurde mitgeteilt, dass bisher keine festen Verhandlungstermine geplant seien.

20.09.2017
8 KPMG Manager gefeuert! - Das reicht nicht!

Wie gestern berichtet, ist  KPMG wegen Verbindungen zu der korrupten Unternehmerfamilie Gupta in Südafrika heftig unter Druck geraten. Nun hat man bei KPMG die Reißleine gezogen:

  • Acht Führungskräfte wurden gefeuert, darunter der bisherige Südafrika-Chef Trevor Hoole.
  • Gegen einen weiteren Partner läuft ein Disziplinarverfahren.
  • Darüber hinaus gestand KPMG Fehler in einer weiteren politisch höchst brisanten Untersuchung ein. - Solche Eingeständnisse haben Seltenheitswert in der WP-Branche.

KPMG ist wegen Geschäftsbeziehungen zu der umstrittenen Unternehmerfamilie Gupta jüngst immer stärker unter Druck geraten. Angesehene Wirtschaftsvertreter, Zivilorganisationen und die Opposition hatten Südafrikas Privatwirtschaft aufgefordert, alle ihre Verträge mit KPMG zu kündigen.  Die mit Staatspräsident Zuma befreundeten Guptas stehen im Verdacht, den Staat um Milliarden geplündert zu haben und direkten Einfluss auf die Besetzung staatlicher Ämter ausgeübt zu haben.

KPMG bot - um die Sache schnell aus den Medien zu bekommen - an, 1,5 Mio. Euro zu spenden. Darüber hinaus werde man weitere 2,6 Mio. Euro an Bildungs- oder Anti-Korruptionsorganisationen spenden.

Die neu berufene KPMG-Südafrika-Chefin Nhlamu Dlomu sagte:

  • „Dies ist eine "schmerzvolle Zeit" und unser Unternehmen hat die eigenen Qualitätsstandards nicht erfüllt“, 
  • „Ich möchte mich bei den Bürgern, unseren Mitarbeitern und Kunden dafür entschuldigen“.

Na, schau mal - geht doch!

Der von KPMG angerichtete Reputationsschaden für den gesamten Berufsstand bleibt jedoch!

Südafrikas ehemaliger Finanzminister Pravin Gordhan kündigte rechtliche Schritte gegen KPMG an.

wpwatch wird weiter berichten.

19.09.2017
KPMG im Korruptionssumpf

Südafrika wird momentan von dem größten Korruptionsskandal seit dem Ende der Apartheid erschüttert. Auch KPMG ist ins Visier von Öffentlichkeit und Strafverfolgungsbehörden geraten. Der Reputationsschaden ist bereits enorm und der aktuelle Hashtag lautet jetzt: "#KPMGMustFall".

KPMG ist in den Strudel der Korruptionsaffären um Staatspräsident Jacob Zuma und die mit ihm befreundete indische Unternehmerfamilie Gupta geraten. "Save South Africa", eine Protestbewegung von Bürgern und bekannten Wirtschaftsvertretern, rief in dieser Woche die Privatwirtschaft dazu auf, alle Verträge mit KPMG zu kündigen!

Seit Monaten tauchen immer neue Details über höchst fragwürdige Transaktionen der Familie Gupta auf. Ihnen wird vorgeworfen, den Staat um Milliarden geplündert zu haben.

Für KPMG wurde unter anderem eine Gupta-Hochzeit zum Verhängnis. Ehemalige KPMG-Partner hatten eine Einladung zu dieser Hochzeit freudig angenommen. Schon das brachte ihnen viel Kritik ein, denn Wirtschaftsprüfer sollten zur "Unabhängigkeit" verpflichtet sein. Darüber hinaus wurde die Hochzeit auch noch vom Staat mit umgerechnet 2 Mio. Euro finanziert. Eigentlich war das Geld für einen Agrarbetrieb der Guptas in der verarmten Provinz Free State vorgesehen.

KPMG war seinerzeit für die Prüfung der involvierten 36 Gupta-Gesellschaften und ihrer verbundenen Unternehmen zuständig und hatte im Rahmen der Abschlussprüfungen nichts festgestellt.

Fazit:

Dies ist wohl wieder ein Lehrstück für die Öffentlichkeit, was die Big4 unter "Unabhängigkeit" verstehen und wie sie die Berufsgrundsätze leben. - Es geht offensichtlich nur um den schnöden "Mammon"! Die Berufsethik bleibt hierbei halt auf der Strecke!

30.08.2017
Wie geht es weiter im Falle KPMG ./. P+S-Werften?

KPMG wird vor dem Landgericht Hamburg vom Insolvenzverwalter der P+S-Werften auf Schadensersatz in Höhe von 514 Mio. Euro verklagt.

Über die Hintergründe des mutmaßlich grottenfalschen Gutachtens des KPMG-Chefgutachters Dr. Michael Axhausen hatte wpwatch bereits seit 2015 immer wieder berichtet.

Im showdown beim LG Hamburg (Az. 326 O 7/16) im März 2017 gab die Vorsitzende Richterin zu verstehen, dass auch das Gericht der Auffassung sei, dass das seinerzeitige KPMG-Sanierungsgutachten (IDW S 6) falsch sei, wenn auch der Schadensersatzanspruch des Insolvenzverwalters "nicht in voller Höhe" gerechtfertigt sei.

Weitere Gerichtstermine sollte es ab September 2017 geben, da das Gericht offensichtlich noch weitere Gutachter beauftragt hat.

Das LG Hamburg teilte auf telefonische Anfrage mit, dass die weiteren Verhandlungstermine "noch nicht bekannt" seien.

wpwatch wird weiter hierüber berichten.

Interessant wird insbesondere der Umgang der Presse mit solch spektakulären und medienwirksamen Haftpflichtfällen der Big4 sein. KPMG wird alles versuchen, dass über solche "Fehlleistungen" des Berufsstandes nicht berichtet wird.

22.08.2017
PwC in Großbritannien unverändert auf Platz 1

Am 14.07.2017 berichtete wpwatch über eine millionenschwere Geldstrafe, die die britische Berufsaufsicht (FRC; auch "audit watchdog" genannt) gegen PwC verhängt hatte.

Grund: "Fehlverhalten bei einer durchgeführten Jahresabschlussprüfung".

Mit 5 Mio. Pfund war das die höchste Geldstrafe, die die britische Berufsaufsicht jemals gegen eine WP-Gesellschaft verhängt hatte. Das war damit im britischen Bußgeld-Ranking Platz 1 für PwC.

Damit nicht genug:

Letzte Woche gab die "audit watchdog" bekannt, dass gegen PwC eine weitere Geldstrafe in Höhe von 5,1 Mio. Pfund ebenfalls wegen "Fehlverhalten bei einer Prüfung" verhängt wurde. Der zuständige Seniorpartner von PwC wurde zusätzlich zu einer Geldstrafe in Höhe von 500.000 Pfund verurteilt.

Damit hat PwC binnen weniger Wochen Rang 1 im Bußgeld-Ranking erfolgreich verteidigt!

Immer noch nicht genug:

Aus einer Sonderuntersuchung der Berufsaufsicht wegen "erheblicher Prüfungsfehler" bei dem britischen Telekommunikationsriesen BT hat PwC eine weitere "Millionenstrafe" zu erwarten.

Ich wiederhole mich:

  • Im Gegensatz zur deutschen Berufsaufsicht (WPK und APAS) wird in GB und den USA im Umgang mit den Big4 nicht lange gefackelt.
  • Ein Knaller: Nach Aussagen der FRC werden bei einem Drittel der Abschlussprüfungen, die in GB von den Big4 durchgeführt werden, "erhebliche Fehler" gemacht!?!?

Gegenstrategie von PwC:

Man mutiert seit Jahren durch massive Zukäufe von Beratungsunternehmen und Agenturen zu einem "Alleskönner im Beratungsgeschäft", also "Strategie-, Management- und Regierungsberater" (service firm)! Prüfungsgeschäft ist bei PwC zunehmend unlukrativ und nur noch "Türöffnergeschäft" zu wesentlich lukrativeren  Beratungsaufträgen. - Macht mehr Spaß, bringt mehr "Kohle" und funktioniert ohne Berufsaufsicht und Haftung!

Na, dann mal weiter so!

09.08.2017
Deutsche Bank: Immer wieder neue Strafzahlungen!

Die Deutsche Bank hat sich zur Zahlung von 77 Mio. USD bereit erklärt, um Privatklagen wegen der Manipulation der Interbanken-Zinssätze Libor und Tibor beizulegen.

Die Einigung muss noch von einem Richter gebilligt werden. Andere Großbanken wie Citigroup und HSBC haben sich bereits auf ähnliche Vereinbarungen aufgrund der Zinsmanipulationen mit dem Gericht eingelassen.

Hedgefonds und andere Investoren hatten die Großbanken beschuldigt, während der Finanzkrise von 2006 bis mindestens 2010 den Libor-Zins künstlich niedrig gehalten zu haben, um ihre Gewinne nach oben zu treiben.

Vom Libor hängen weltweit direkt und indirekt Transaktionen an den Finanzmärkten im Wert von 450 Billionen USD ab. Er wird auf Basis der Meldungen von Banken berechnet, was ihn für Absprachen anfällig macht.

Die Behörden haben bisher wegen der Manipulationen Strafen von rund neun Milliarden USD verhängt. Allein die Deutsche Bank zahlte vor knapp zwei Jahren bereits 2,5 Milliarden USD.

Dies zum Kapitel Vergangenheitsbewältigung der Finanzmarktkrise oder wie schnell man von der Vergangenheit eingeholt werden kann.

Eine Frage hab ich noch:

Können Wirtschaftsprüfer überhaupt weltweit agierende Investmentbanken ("Zockerbuden") so prüfen, dass sie mit "hinreichender Sicherheit" zu einer abschließenden Prüfungsfeststellung (uneingeschränktes Testat) kommen können?

Die uneingeschränkten Bestätigungsvermerke bei der Deutsche Bank in Zeiten der Finanzmarktkrise stammen übrigens von dem Ex-KPMG-Skandalprüfer Ralf Bose, der zwischenzeitlich nicht nur Vorsitzender der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS), sondern auch zum Vorsitzenden des Ausschusses der Europäischen Aufsichtsstellen für Abschlussprüfer gewählt wurde. Nach § 66a WPO ist die APAS unter EX-KPMG-Partner Bose auch noch die oberste Fachaufsicht über die WPK.

Da hat man offensichtlich den Bock zum Gärtner gemacht!