Aktuelles

26.01.2018
Toll Collect-Skandal - die Fortsetzung

Über den milliardenschweren skandalösen Streit des Bundesverkehrsministeriums mit dem Betreiberkonsortium Toll Collect (45% Daimler, 45% Telekom & 10% Cofiroute) wegen des verspäteten Starts des LKW-Mautsystems in Deutschland wurde bei wpwatch bereits häufiger berichtet.

Das bereits seit über 6 Jahren laufende private Schiedsverfahren ist ein Treppenwitz:

  • "Star-Anwälte" von Freshfields & Co. haben bereits über 200 Mio. € (!!!) Honorare kassiert, Daimler und Telekom wollen keinesfalls Schadensersatz leisten und das Verfahren wird zielgerichtet (und honorarträchtig!) in die Länge gezogen.

Jetzt kommt die spannende Frage:

  • Wer soll das Lkw-Mautsystem ab August 2018 betreiben, denn der Betreibervertrag endet zu diesem Zeitpunkt?

Das Verkehrsministerium sucht einen Nachfolger für das derzeitige Konsortium - und will auch eine radikale Lösung für dieses unsägliche Schiedsverfahren. Jetzt hat man offensichtlich beschlossen, dass der Mautbetreiber Toll Collect zerschlagen werden soll.

Zuvor sollen aber die milliardenschweren Risiken aus dem langjährigen Rechtsstreit ausgelagert werden - ähnlich einer Bad Bank. Durch die Herauslösung der Risiken soll erreicht werden, dass der künftigen Mautbetreiber mit dem Rechtsstreit nichts mehr zu tun hat.

Hintergrund: Das Konsortium schaffte es erst mit fast eineinhalb Jahren Verspätung, das System im Januar 2005 in Betrieb zu nehmen. Die Bundesregierung verklagte Toll Collect auf mindestens sieben Milliarden Euro Schadensersatz wegen entgangener Mauteinnahmen. Die Betreibergesellschafter revanchierten sich mit einer Gegenklage wegen unzulässig einbehaltener Vergütungen.

Das Bundesverkehrsministerium bestätigte zwischenzeitlich, dass ein europaweites Ausschreibungsverfahren zur Vergabe der Toll-Collect-Geschäftsanteile laufe.

Und jetzt Klartext:

Dieses skandalöse Schiedsverfahren zeigt wieder einmal, wie selbst "kapitalmarktorientierte" Top-Vorzeigeadressen des deutschen Finanzkapitalismus (Daimler & Telekom) mit ihren elitären Anwalts-Gockeln den Staat und die Gesellschaft erpressen und vorführen.

Irgendwie kommen in mir Assoziationen zum VW-Abgasskandal auf, wo Millionen deutscher Autofahrer gezielt betrogen werden, die Politik untätig bleibt und die Lobbyisten hinter dem Vorhang applaudieren.

Lächerlich!!!

25.01.2018
KPMG treibt ein falsches Spiel!

wpwatch berichtete bereits im April und August 2017 über das falsche Spiel von KPMG mit der amerikanischen Berufsaufsicht (PCAOB). Erst jetzt kommt der Skandal in den deutschen Medien an: das HANDELSBLATT berichtete gestern ausführlich.

  • Welcher WP-Examenskandidat träumte nicht schon einmal davon, die Klausurthemen schon vorab zu kennen?

Diesen Wunsch nach Vorabinformationen verwirklichte sich KPMG in den USA:

KPMG erhielt aus Kreisen der PCAOB vor Durchführung von Qualitätskontrollprüfungen vorab jeweils die geheime Liste, aus der sich die Stichprobe der Mandate ergab, die sich die Berufsaufsicht genauer zur Beurteilung der "Prüfungsqualität" anschauen wollte.

KPMG hat in Amerika seit Jahren eine denkbar schlechte Reputation. Von den "Big4" fand  die Aufsichtsbehörde hier in den vergangenen Jahren immer die meisten Mängel! Mit den illegal erworbenen Vorab-Informationen wollte sich KPMG vor der Kontrollkommission mustergültig präsentieren und Super-Noten von der PCAOB bekommen.

Dumm nur, dass sich ein früherer Mitarbeiter der PCAOB gegenüber den Aufsichtsbehörden offenbarte und alles zu Protokoll gab. Die KPMG-Mitarbeiter wurden alle gefeuert, incl. des obersten US-Prüfers von KPMG, Scott Marcello.

Die Insiderinformationen nutzten sechs zum Teil hochrangige Mitarbeiter von KPMG, von denen einige zuvor bei der PCAOB gearbeitet hatten. Jetzt werden sie allesamt in New York von dem US-Justizministerium und der Börsenaufsicht SEC angeklagt.

Man darf gespannt sein, wie die amerikanische Justiz mit solch kriminellem Berufsverständnis abrechnen wird!? - Ein Desaster für KPMG!!!

Übrigens ein Hohn: Der oberste Berufsaufseher für § 319a-Prüfer deutschland- und europaweit ist der KPMG-Skandalprüfer Ralf Bose; Leiter der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS). Er beaufsichtigt auch die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) und kontrolliert insbesondere, ob diese uns auch im Rahmen des peer review streng genug kontrollieren lässt!

Eine Farce: Wann wird die Politik endlich wach und durchschaut dieses perfide und anrüchige "Spiel"!?

Es ist momentan nicht der einzige Rückschlag für KPMG in Amerika:

  • Vor wenigen Tagen überraschte General Electric mit einer Nachricht die Märkte, auf sieben Jahre ganze 15 Milliarden Dollar für Pflegeversicherungen aufbringen zu müssen, da man erst jetzt die hohen Fehlbeträge festgestellt habe. Dies löste unmittelbar einen Kurssturz der GE-Aktie aus und lässt unangenehme Fragen an die jahrelangen Abschlussprüfer von KPMG erwarten.
  • Auch bei dem Skandal um fingierte Konten bei der Bank Wells Fargo machte Abschlussprüfer KPMG keine gute Figur. Von 2011 bis 2015 eröffneten Vertriebsleute von Wells Fargo ganze zwei Millionen Konten im Namen von Kunden, die davon nichts wussten.

Und jetzt die Anklage gegen die KPMG-Mitarbeiter.

24.01.2018
Die nervige Selbstdarstellung der Big4

Es ist an Lächerlichkeit und Aufdringlichkeit kaum zu überbieten:

Die nervige mediale Aufdringlichkeit der Big4 durch tägliche Nachrichten, Gutachten, Expertisen, Voraussagen et..

Jeder noch so lächerlichen Meldung ist zu entnehmen: Wir wissen bereits alles, sind für alles zuständig und fluten nach Belieben ungefragt und ohne Mandat die Medien, so dass uns mittlerweile jeder als "Alleswisser & Alleskönner" wahrnimmt.

Hier noch einige Beispiele der letzten Tage:

  • KPMG 19.01.2018: Was die Kader von Bayern, Real und Juventus kosten!
  • PwC 20.01.2018: Warum Chemie-Aktien jetzt ins Depot gehören.
  • Zum 21. Mal hat die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte ihre jährliche Studie "Football Money League" veröffentlicht.
  • Deloitte 23.01.2018: Leitenden Führungskräften und Behördenleitern aus der ganzen Welt fehlt Zuversicht in die Bereitschaft ihrer Organisationen, die Gelegenheiten der vierten industriellen Revolution (Industry 4.0) zu beeinflussen und zu nutzen.

Da stockt Ihnen ja wohl der Atem! Es ist doch wohl wichtig, dass die Big4 (und nur die Big4!) uns das einmal sagen! - Oder?

Die Berufsaufsicht (WPK, APAS) ist geradezu begeistert und applaudiert jeden Tag auf Neue über diese Wahrnehmung "berufstypischer Tätigkeiten"!!

Für die Mitarbeiter der Big4-Berufsgesellschaften (§§ 28 ff. WPO) bedeutet dies, dass Heerscharen von "unproduktiven" Redakteuren, Medienexperten, Branchen-Sachverständigen etc. von den produktiven Prüfern mit durchgefüttert werden müssen.

Prüfungs-Assistenten und Manager wissen dann doch wenigstens, warum sie in der Prüfungssaison eine 80-Stunden-Woche "kloppen" müssen und trotzdem 30% weniger als in einem vergleichbaren Industrie-Job verdienen.

Und jetzt nicht verquatschen, denn die Repräsentanten der Big4 (und damit des Berufsstandes) müssen jetzt flugs ins verschneite Davos - zum Weltwirtschaftsgeplaudere der Eliten!

Norbert hofft insgeheim dort vielleicht doch noch Donald zu begegnen ...

23.01.2018
Feiertag für Steuersünder

Sie galten als das erfolgreichste Trio ("Dream-Team") in der Geschichte der deutschen Steuerfahndung:

  • Peter Beckhoff (pensioniert),
  • Sandra Höfer-Grosjean (45)
  • und Volker Radermacher (49).

Die Steuerfahndung in Wuppertal zählt zu den Elite-Truppen im Kampf gegen Steuerhinterziehung in Deutschland. Die Steuer-CDs, die unter der Federführung der Wuppertaler angekauft wurden, brachten dem deutschen Fiskus seit 2010 satte sieben Milliarden Euro ein.

Jetzt wird die Behörde durch zwei spektakuläre Abgänge zum 28.02.2018 geschwächt. Die beiden Top-Fahnder wechseln zu Deloitte und werden dort künftig für die "Begleitung von Durchsuchungen" zuständig sein.

Nachdem der legendäre frühere Behördenchef Peter Beckhoff („Der Mann ohne Gesicht“) vor einem Jahr in Pension gegangen war, hatte Höfer-Grosjean die Leitung des Teams zunächst kommissarisch übernommen, Radermacher wurde ihr Stellvertreter. Die beiden galten als Idealbesetzung.

Und schon beginnt die politische Auseinandersetzung über diesen Aderlass:

Die SPD-Opposition macht dafür die mangelnde Unterstützung der Ermittler die neue CDU-Landesregierung verantwortlich.

  • „So fährt man sehenden Auges eine bestens aufgestellte Steuerfahndung vor die Wand“.
  • Bei den Steuersündern werden jetzt „ein paar Champagner-Korken knallen“,
  • "Wuppertal war ein Leuchtturm, der geschliffen werden musste." oder
  • "Die CDU schafft nun nach der Landtagswahl "No-Tax-Areas" für Besserverdienende".

Den Verlust ihrer Beamten-Pension werden die beiden neuen Deloitte-"Spitzenkräfte" gut verkraften: Nach vorliegenden Medienberichten hatte Deloitte für den Seitenwechsel das dreifache Gehalt und eine "moderate Regelung bezüglich der Altersversorgung" geboten.

Fazit:

Es scheint so zu sein wie bei der Geldwäsche oder anderen Formen der Wirtschaftskriminalität (Mafia & Co.), dass Staat und Politik an deren Bekämpfung nur ein vorgetäuschtes Interesse haben!

Auf in die Zukunft!

23.01.2018
Arcandor-Pleite: Klatsche für KPMG

KPMG kassierte rd. 3 Mio. € Honorar für ein Sanierungsgutachten (IDW S 6) vom einst strauchelnden Karstadt-Mutterkonzern Arcandor - auch noch, als die Pleite offensichtlich nicht mehr abzuwenden war.

Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch erstritt jetzt vor Gericht die Rückzahlung eines Teils der Beraterhonorare. Den "Insolvenzverschleppungsschaden" muss KPMG aber nicht ersetzen.

KPMG muss rd. die Hälfte des Honorars an die Insolvenzverwaltung des früheren Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor zurückzahlen. Die noch kurz vor der Pleite im Juni 2009 ausgezahlten Beraterhonorare haben andere Gläubiger benachteiligt, begründete das OLG Frankfurt seine gestern veröffentlichte Entscheidung.

Beide Seiten hätten zum Zeitpunkt der Zahlung am 20. Mai 2009 gewusst, dass die weitere Geschäftstätigkeit nicht mehr gesichert war. Arcandor hatte am 9. Juni 2009 beim Amtsgericht Essen Insolvenz angemeldet.

Mit weitergehenden Forderungen drang der Insolvenzverwalter allerdings nicht durch. So muss KPMG keinen Schadenersatz in Höhe von 82 Mio. € leisten und darf auch 1,5 Mio.€ Honorar behalten.

KPMG wollte das Urteil nicht kommentieren und könnte noch Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) eingelegen.

22.01.2018
Deloitte und die Steuerbetrüger

Mehr als 100 Banken, andere Finanzfirmen und Börsenhändler haben den deutschen Fiskus jahrelang "beschissen"! Bundesweit wird in 417 Verdachtsfällen mit einem mutmaßlichen Gesamtschaden von 5,3 Milliarden Euro ermittelt.

Geschehen sei das beim Aktienhandel mit (Cum) und ohne (Ex) Dividende. Die Cum-Ex-Akteure haben sich eine nur einmal an den Fiskus gezahlte Kapitalertragsteuer auf Dividendenerlöse mehrfach erstatten lassen. Die Staatsanwaltschaft Köln ist in dieser Sache federführend tätig und meldet an die Finanzämter, die jetzt wegen drohender Verjährung geänderte Steuerbescheide für die Jahre 2009 bis 2011 verschickt haben.

Die Finanzaufsicht (BaFin) beauftragte seinerzeit die Wirtschaftsprüfer von Deloitte mit entsprechenden Sonderprüfungen, um jeweils den genauen Schaden festzustellen.

Der geheime Prüfungsbericht von Deloitte datierte bereits auf den 23.12.2016 (Frohe Weihnachten!) und ging Anfang 2017 an die BaFin.

Der Hohn: Von den betroffenen Banken und Finanzdienstleistern muss sich Deloitte jetzt aufgrund seiner Prüfungsfeststellungen unflätig beschimpfen lassen, wie etwa

  • dilettantisch geprüfte völlig ungerechtfertigte Ansprüche,
  • Deloitte ist nicht unabhängig, da sie gleichzeitig etliche Depotbanken prüft,
  • Ergebnisse seien in "höchstem Maße fraglich" oder
  • Deloitte beteilige sich an einer "medialen Rufmordkampagne"!?

Die nunmehr erlassenen Steuerbescheide werden sicherlich größtenteils von "Staranwälten der Big4" angefochten werden, so dass dies die Finanzgerichte noch jahrelang beschäftigen wird.

Paradoxe Situation: Vielleicht stehen ja dann dort einmal die düpierten Deloitte-WPs den "Staranwälten von Deloitte Legal" gegenüber!?

Zu den beschuldigten Banken und Finanzinvestoren gehören übrigens "die ersten Adressen der Republik".

Ach, Sie wollten jetzt noch fragen, warum die Big4-WPs seinerzeit bei den Abschlussprüfungen nichts bemerkt haben (wollen)? - Vergessen Sie's!!!

22.01.2018
PwC-CEO outed sich als Trump-Fan!

Prof. Dr. Norbert Winkeljohann ("My name is Norbert") ist bekanntlich Deutschland+Europa-Chef von PwC, dem deutschen Branchenprimus mit über 2 Mrd. € Jahresumsatz.

In einem Zeitungs-Interview am vergangenen Freitag nahm er recht mutig auch Stellung zum 1-jährigen-Präsidentenjubiläum von Donald Trump und wünschte sich eine "ähnliche Reformfreude auch in Deutschland" wie sie zur Zeit in den USA umgreife.

Zur skandalösen Milliardärs-Steuerreform und unverschämten "Umverteilung von unten nach oben" meinte er:

  • Bei aller Kritik: "Was jetzt durch die Steuerreform auf den Weg gebracht wurde, ist ein Konjunkturprogramm für die amerikanische Wirtschaft, das seine Wirkung nicht verfehlen wird."
  • und "man solle sich Trump ... zum Vorbild nehmen."

Klartext:

Herr Kollege Winkeljohann - Was war das denn? - Ein Musterbeispiel für die "Unabhängigkeit" von Wirtschaftsprüfern (§ 43 I WPO)!? Man redet als Big4-Chef dem Finanzkapitalismus nach dem Mund, hofiert die Geldindustrie und die Selbstbedienermentalität der US-Milliardäre im Trumps Regierung und dessen Umfeld.

Oder meinte "Norbert" etwa, dass man sich einen Mauerbau vielleicht als Konjunkturbelebung in Deutschland zum Vorbild nehmen solle?

Fest steht: Winkeljohann kann sich auf sein alsbaldiges millionenschweres Pensionärs-Dasein freuen, hat sicherlich eine gute Krankenversicherung und braucht keine vier Jobs um seine Familie "durchzubringen"!

Vielleicht schafft er es ja auch einmal (mit seinem Freund Christian Wulff) zu einer Partie Golf mit "Donald" in Florida oder zu einer privaten Audienz im Trump-Tower.

Manchmal ist es wohl besser, wenn man einfach nur die "Klappe hält"!

19.01.2018
Das IDW und das Kartellrecht

Es fängt eigentlich ganz harmlos an:

  • "Das ist eine rein vorsorgliche Maßnahme und führt die bestehende Praxis des IDW in einen dokumentierten Rahmen über."
  • "Hintergrund dieser Entscheidung ist die Debatte um etwaige Kartellverstöße in verschiedenen Industriezweigen und die Rolle betroffener Verbände."

So, da muss man erst einmal drüber nachdenken! - Was hat dies mit dem Berufsstand zu tun und wieso steht dies nur im "Mitglieder-Bereich" der IDW-Website?

IDW Vorstand und IDW Verwaltungsrat haben im September 2017 die "Einrichtung eines kartellrechtlichen Compliance Programms im IDW e.V." beschlossen.

Dieses Programm basiert u.a. auf folgenden Dokumenten:

  • Kartellrechtliche Compliance beim IDW (Kurzbeschreibung)
  • Kartellrechtliche Compliance - Organisation und Berichtswege im IDW (Schaubild)
  • Kartellrechtliche Compliance-Leitlinien IDW

Die Compliance-Leitlinien richten sich hierbei an alle IDW-Mitarbeiter und Gremienmitglieder, denen über mehrere Seiten "kartellrechtlich verbotene Verhaltensweisen" beispielhaft vor Augen geführt werden.

Hierbei geht es u.a. über

  • unzulässige "Verständigungen",
  • unzulässigen Informationsaustausch zwischen Wettbewerbern,
  • Verbandsempfehlungen und
  • Mitarbeit an Standardisierungsvorgängen.

Eindringlich werden schließlich Handlungsanweisungen für Gremienmitglieder für die Teilnahme an Sitzungen abgegeben ("vor -, während -, nach - und am Rande von Sitzungen")!?

Und jetzt mal Klartext:

  • Scheint man jetzt erst beim IDW e.V. verstanden zu haben, dass der Lobbyverein des Big4-Oligopols bei genauerer Betrachtung die Schaltstelle des Big4-Kartells sein könnte und verboten gehört?
  • Ist die Präsenz der Big4-Vertreter in IDW-Ausschüssen und Gremien vielleicht gar der "Dreh- und Angelpunkt" des Kartells?
  • Werden beim IDW etwa kartellrechtlich relevante Absprachen unter den Big4 getroffen?

Ereilen das IDW jetzt etwa Ängste und Zweifel, ob den Big4 nicht der ganze IDW-Verein kartellrechtlich "um die Ohren fliegen kann?"

Aber "rein vorsorglich" legt man schon einmal ein "Compliance-Programm" auf, um mit diesem Feigenblatt jedwede Zweifel im Keim ersticken zu können!?

Was ich mir jetzt denke:

Dann müsste jetzt nur noch eine der Big4-Gesellschaften den Mut haben und aus dem Kartell aussteigen, Beweismaterialien auf den Tisch legen und für sich die "Kronzeugenregelung" in Anspruch nehmen.

Zu waghalsig gedacht? 

19.01.2018
KPMG: Die Qualifikation der Vorstände

Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als die KPMG über zwanzig Wirtschaftsprüfer im Vorstand hatte und es die absolute Ausnahme war, dass in diesem erlauchten Gremium Nicht-WPs saßen. Die Ausnahmen waren im Regelfall TOP-Steuerrechtler.

Da Wirtschaftsprüfung für die Big4 immer mehr an Bedeutung verliert und lediglich noch als Türöffnergeschäft für lukrative Beratungsmandate in Politik und Wirtschaft dient, hat sich dies heutzutage geändert.

IT- sowie Management- und Strategieberatung entwickeln sich gegenüber dem Prüfungsmarkt geradezu rasant. Also muss sich das auch in den Führungsetagen der Big4 niederschlagen, da man diese Nichts-WPs ansonsten nicht "einfangen" kann.

Heutzutage hat man jedoch nicht einfach nur (aktienrechtliche) "Vorstände" als gesetzliche Vertreter, sondern schichtet Vorstandsebenen, um auch Nichts-WPs nach außen hin in "Leitungspositionen" präsentieren zu können.

Somit hat die KPMG aktuell

  • 6 "Vorstände", 
  • 10 "Bereichsvorstände" und
  • 8 "Regionalvorstände".

Von diesen 24 "Vorständen" haben jedoch 9 Personen nicht die Qualifikation als Wirtschaftsprüfer.

  • Christian Rast ist beispielsweise Dipl.-Kfm. und ließ sich seinerzeit mit einem echten "Vorstands"-posten belohnen, als er seine "IT-Bude" BrainNet an die KPMG verkaufte. Zwischenzeitlich hatte er auch mal die Qualifikation als "Generalbevollmächtigter".
  • Ioannis Tsavlakidis ist als Dipl.-Mathematiker Bereichsvorstand Consulting oder
  • Dipl.-Kfm.(FH) Leif Zierz ist Bereichsvorstand "Deal Advisory".

Die Entwicklung ist eindeutig:

Immer mehr "Berater" sammeln sich unter dem Schutzschirm "anerkannter WP-Gesellschaften" und genießen den berufsrechtlichen Nimbus von Vereidigung, Verschwiegenheit und strengem WP-Berufsrecht. Die KPMG-Visitenkarte als "Vorstand" ist für Nicht-WPs ein "Türöffner" in Politik und Wirtschaft, den die Jungs von McKinsey, Bain und BCG eben nicht haben. Dies ist ein erheblicher nicht gerechtfertigter Wettbewerbsvorteil für die Big4.

Dieses stetige Aufweichen des Berufsbildes des Wirtschaftsprüfers kann nicht gut enden! Die "systemrelevante Funktion" von Wirtschaftsprüfern in der Wirtschaftsordnung verliert immer mehr an Bedeutung und wird kaum noch wahrgenommen.

Eine Frage hab ich noch:

Was wurde eigentlich aus den Antrag der KPMG beim Berliner Anwaltsgerichtshof (AGH) auf Anerkennung einer Anwalts-Aktiengesellschaft, unter die alle anderen Aktivitäten (also auch Wirtschaftsprüfung) subsumiert werden sollten ("one-KPMG"). Die Entscheidung sollte doch am 20.12.2017 fallen!? (vgl. wpwatch-Meldung vom 22.06.2017).

Je nachdem wie der Anwaltsgerichtshof entscheidet, wird sich diese negative Entwicklung des Berufsbildes der "Alleskönner- und Alleswisser-Big4" dadurch noch weiter beschleunigen.

18.01.2018
Zweijähriges Prüfungsverbot für PwC!

Die indische Börsenaufsicht (SEBI) hat PwC mit einem zweijährigen Prüfungsverbot für börsennotierte Unternehmen und einer saftigen Geldbuße in Höhe von 2 Mio. $ belegt.

PwC wurden als Prüfer der börsennotierten IT-Firma SATYAM massive Fehler bei der Prüfungsdurchführung nachgewiesen. SATYAM stand 2009 vor dem Zusammenbruch, der Gründer B. Ramalinga Raju hatte die Bilanz während Jahren gefälscht und das Eigenkapital um insgesamt 1 Mrd. $ (!) zu hoch ausgewiesen.

Ende 2008 bilanzierte SATYAM fiktive Barmittel, unterbewertete Verbindlichkeiten und nicht existierende Kundenforderungen. Dazu buchte Raju Tausende erfundener Kunden-Rechnungen. Das gab er selbst in einer E-Mail Anfang Januar 2009 gegenüber der Börsenaufsicht zu. Er wurde zu einer siebenjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Der Bilanzskandal wurde seinerzeit in der Presse auch als "Enron von Indien" bezeichnet.

Die Börsenaufsicht hat dazu jetzt einen über 100-seitigen Abschlussbericht vorgelegt und darin die Rolle von PwC analysiert. Ergebnis: Massive Vorwürfe gegen die PwC-Wirtschaftsprüfer!

Das lässt sich am Beispiel der Barmittel illustrieren: PwC habe den Betrag liquider Mittel nicht mit den direkt von den Banken eigeholten Kontensalden abgeglichen, sondern sich mit gefälschten internen Dokumenten begnügt. Anhand massiver "dilettantischer Auffälligkeiten" hätte dies leicht festgestellt werden können.

Die zwei verantwortlichen PwC-Partner wurden seinerzeit verhaftet. Hierüber berichtete wpwatch bereits im Newsletter Nr. 9 (März 2009).

Aus der PwC-Presseabteilung hieß es jetzt: 

  • "Es habe kein vorsätzliches Fehlverhalten gegeben und man habe seither die internen Qualitätsprozesse verbessert. Die betroffenen Partner würden nicht mehr für PwC arbeiten."

Fazit:

Mal wieder ein Einblick in die "heile Welt der Big4".

Und fragen Sie nicht schon wieder, warum man solche Nachrichten nur in der ausländischen Presse liest und in den hiesigen Medien keinerlei kritische Berichterstattung über die Big4 stattfindet.