Aktuelles

06.02.2018
Die feinen Hamburger Privatbankiers

Die Privatbank M.M. Warburg will mehr sein als nur eine Bank. Das traditionsreiche Institut versteht sich als Teil der Hamburger Gesellschaft. Die Bank soll in dubiose Cum-Ex-Aktiendeals verwickelt sein. Die Staatsanwaltschaft Köln hatte bereits im Januar 2016 die Zentrale der Bank gründlich auf den Kopf stellen lassen. Der von Deloitte im Auftrage der BaFin erstellte mehr als 400-seitge Prüfungsbericht, datiert auf den 23.12.2016, der einigen investigativen Journalisten vorliegt, verrät nun die Details.

Die Beweislast ist aufgrund gefundener Aktenvermerke und Telefonmitschnitte erdrückend.

Die Privatbank soll sich kräftig aus der Staatskasse bedient haben. Bis zu 146,3 Mio. € soll Warburg abgegriffen haben. Inklusive Zinsen drohen Warburg bis zu 190,6 Mio. € Steuerrückforderungen, schreibt Deloitte. In diesem Szenario seien etwaige Bußgelder und Gewinnabschöpfungen durch Ermittlungsbehörden noch nicht berücksichtigt.

Das wäre ein Schock für die Hansestadt, in der die Bank eine Institution ist, eine der Stützen der Wirtschaft. Warburg verwaltet Vermögen wohlhabender Kunden in Höhe von mehr als 50 Milliarden Euro. Warburg dementiert und beruhigt: Man habe sich nichts zuschulden kommen lassen.

Ende 2017 hatte das Bundesfinanzministerium die Hamburger Finanzverwaltung angewiesen, wegen drohender Verjährung dem Hause Warburg einen Steuerbescheid in Höhe von 56 Mio. € zuzustellen.

Obwohl in dem noblen Bankhaus alles abgestritten wird, hatten die Gesellschafter bereits nach der Durchsuchung in 2016 (zufällig) eine Kapitalerhöhung in Höhe von 53 Mio. € durchgeführt, an der sich auch Gesellschaften von Olearius Senior und Max Warburg beteiligten. Zudem verkaufte die Bank Immobilien in Hamburg, Hannover und Frankfurt, löste stille Reserven auf und änderte Rechtsform sowie Struktur der Unternehmensgruppe.

Klartext: Man geht in Deckung und bereitet sich auf alle Eventualitäten vor!

Was für ein Zufall!? - Und alles sicherlich, weil man "keinen Dreck am Stecken hat???

M.M. Warburg, das ist einer der krassesten Verdachtsfälle beim größten Steuerraubzug, der in Deutschland je stattgefunden haben soll.

Staatsanwälte bezichtigen genau 417 Banken und Börsenhändler, den Fiskus systematisch um 5,3 Milliarden Euro betrogen zu haben.

Die "Star"-Anwälte des Hauses M.M. Warburg behauptet allen Ernstes, dass die

  • Sonderprüfung von Deloitte "außer Hörensagen und Vermutungen keinen einzigen Beweis unrechtmäßigen Verhaltens seitens M.M. Warburg & Co. erbracht hätte!"

  • Außerdem lehne man Prüfungsfeststellungen von Deloitte ab, da wegen ihrer Mandatierung durch andere Depotbanken die Unabhängigkeit "in höchstem Maße fraglich" sei!?

Zwei Fragen hab ich noch:

  1. Wieso werden solche Steuerbetrüger unserer ehrenhaften Finanz- und Wirtschaftselite eigentlich in Deutschland nie in die "Kiste" gesperrt?
  2. Was haben die Bankenprüfer eigentlich 2009 / 2010 geprüft und testiert, als sie den gigantischen Steuerraubzug in den Büchern der Mandanten gesehen haben?

05.02.2018
Zahlst Du noch oder verschiebst Du schon?

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist letztes Wochenende im Alter von 91 Jahren gestorben. In Erinnerung werden nicht nur seine grandiose unternehmerische Leistung beim Aufbau des weltweit größten Möbelherstellers und -verkäufers, sondern auch sein "gespaltenes Verhältnis" zur Steuergesetzgebung bleiben.

Kamprad lebte seit 1976 in der Schweiz, weil er nach eigenen Angaben die hohen Steuern in seiner Heimat nicht zahlen wollte. Erst 2013 kehrte er nach Schweden zurück.

IKEA ist ebenso wie PwC durch die Lux-Leaks-Affäre öffentlich ins Zwielicht geraten. Das Möbelunternehmen hatte es gemeinsam mit PwC in der Disziplin "Steuersparen" zu besonderer Meisterschaft gebracht.

Hier das Grob-Konzept für die Kür im aggressiven Steuerdumping.

Laut bei PwC enthüllten Dokumenten soll die Inter Ikea Holding etwa im Jahr 2010 aufgrund des PwC-Steuervorbescheids (tax ruling) ganze 48.000 Euro Steuern gezahlt haben - auf einen Gewinn von damals mehr als 2,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem unanständigen Steuersatz von 0,002 %.

Jetzt ist der liebe Ingvar ein für alle Mal im "tax heaven" und "forever tax free".

05.02.2018
Ex-Wirtschaftsprüfer des Vatikan packt aus

Libero Milone (67) war Italien-Chef der weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche und übernahm vor gut zwei Jahren auf Wunsch von Papst Franziskus die Stelle des "ersten Generalkontrolleurs im Vatikan."

Im Herbst 2017 trat er überraschend zurück. Er habe den Papst  darum gebeten, vom Posten des Generalkontrolleurs entbunden zu werden, teilte der Vatikan seinerzeit ohne Angabe von Gründen mit. Papst Franziskus habe seinem Wunsch entsprochen.

Mit dem neu geschaffenen Posten beabsichtigte Papst Franziskus eine Reform der undurchsichtigen Finanzverwaltung der Kurie nach einer Reihe von Skandalen und eine schärfere Kontrolle derselben. Der Generalkontrolleur sollte gemeinsam mit dem australischen Kardinal George Pell und dem deutschen Kardinal Reinhard Marx auch das Wirtschaftssystem des Vatikans modernisieren.

Milone spielte allerdings auch eine zentrale Rolle in der „Vatileaks“-Affäre. Von seinem Computer im Vatikan wurden im November 2015 vertrauliche Dokumente gestohlen, die Aufschluss über Geschäftsbeziehungen und mögliche Misswirtschaft in der Kurie gaben. Ein spanischer Prälat wurde seinerzeit verurteilt, der die geheimen Informationen an Journalisten weitergegeben haben soll.

Milone gab später - entgegen seiner Verschwiegenheitspflicht (§ 43 I WPO) - der Presse zu Protokoll, dass er ein "Opfer interner Machtkämpfe" im Vatikan geworden sei und bei der Gendarmerie des Kirchenstaates gezwungen wurde, sofort zurückzutreten, andernfalls drohe ihm die Inhaftierung.

Es ist nicht überliefert, ob der Vatikan das Mandat bereits neu ausgeschrieben habe oder ob schon eine der anderen Big4 mandatiert wurde. Die Stelle des verantwortlichen Generalkontrolleurs des Vatikan scheint aber nicht ganz ungefährlich zu sein!?

02.02.2018
Big4-Lobbyisten erzeugen Beratungsbedarfe

Dass die Big4 unter dem Deckmantel von Siegelführung, Verschwiegenheit und strengem Berufsrecht als "Alles- und Besserwisser" heutzutage ungehemmt mit Brachialgewalt in alle denkbaren Beratungsfelder einbrechen, ist wohl bekannt.

Die allumfassende Expertise der Big4 wird medial sehr gut vermarktet und gerne auch geschickt in "Studien", "Umfragen" oder "Trendanalysen" aufbereitet. Sofern man sich angesprochen fühlt, denkt man doch sogleich, dass PwC, EY, KPMG und Deloitte immer genau die aktuellen interessanten Themen "auf dem Schirm" haben und wissenschaftlich aufbereitete Analysen und Lösungen liefern können.

Seriöse wissenschaftliche Untersuchungen belegen jedoch, dass mindestens jede zweite Studie der Big4 gefakt wurde. Entweder hat diese Studie nie stattgefunden, Befragungsergebnisse wurden verfälscht, Ergebnisse tendenziös interpretiert oder es wurde dem Auftraggeber direkt das besorgniserregende "Wunschergebnis" (wissenschaftlich aufbereitet) geliefert.

Gerade geht durch die Presse, dass insbesondere kommunale Unternehmen, Gaslieferanten etc. Studien mit dem ausdrücklichen Ziel der Selbstbelobigung und des Renommee-Shooting in Auftrag geben.

Bei den Big4 kommt jedoch hinzu, dass durch diese "klugen Studien" Verunsicherung betrieben oder gar gezielt durch Desinformationen Ängste geschürt werden. Dann sind die Lobbyisten gefragt, die diese medial erzeugte Verunsicherung aufgreifen.

Es muss in den entsprechenden Kreisen (Banken, Politik, Aufsichtsräte, Fachvorträge) Angst und Schrecken verbreitet werden und schon generiert man den gewünschten Beratungsbedarf, da man ja auch eine "Lösung" anbieten kann.

Es muss nur oft genug berichtet werden, dass

  • jeder zweite Mittelständler bereits Opfer von Cyber-Kriminalität mit einem durchschnittlichen Schaden in Höhe von 3,5 Mio.€ gewesen ist oder
  • 32% der Mitarbeiter kriminelle Neigungen haben,
  • 70% des Mittelstandes auf den "digitalen Wandel" nur unzureichend vorbereitet ist und
  • 49,3 % der deutschen Unternehmen über mangelhafte Compliance-Systeme verfügen.

Jetzt versetzen Sie sich doch hierbei mal in die Rolle eines Unternehmers, (haftenden) Vorstands oder kontrollierendem Aufsichts- oder Beiratsratsmitglied ...

Eine Frage hab ich noch: Krieg ich jetzt endlich das Beratungsmandat, um Ihnen "helfen" zu können  (und damit Sie sich im Zweifelsfall haftungsrechtlich exkulpieren können)?

Also: So läuft der Hase im unendlich wachsenden Beratungsmarkt bei exzellent gut laufender Konjunktur für "alleswissende -" und "alleskönnende Wirtschaftsprüfungsgesellschaften".

Hier hilft vielleicht ein Blick in die "Hindenburg Notverordnung 1931" (Geburtsstunde des Berufsstandes!), wo der Gesetzgeber dem Berufstand einen klaren Auftrag und eine "systemrelevante Funktion in der Wirtschaftsordnung" gegeben hatte!? - Davon haben sich die Big4 bereits meilenweit entfernt!

Sie müssen jetzt nur noch dem potentiellen Mandanten "einen reinsingen", dass Sie alle Themen beherrschen und jeweils die beste - wenn auch vorgetäuschte - IT-Kompetenz (à la Rödl) haben.

Schönes Wochenende!

01.02.2018
Deutsche Bank: Boni-Orgie trotz Verlust

Überall schließen Bankfilialen, Kunden verlieren ihre Berater, Berater ihre Jobs - die Verunsicherung in der Banken-Branche könnte nicht größer sein.

Am morgigen Freitag gibt die Deutsche Bank ihr negatives Jahresergebnis 2017 bekannt. Nach zwei Milliardenverlusten in Folge hatte auch das dritte Geschäftsjahr unter Sanierer John Cryan mit einem Minus geendet.

Die Deutsche Bank will trotz roter Zahlen dennoch über eine Milliarde Euro an Boni an ihre Banker ausschütten. Nach einer kontroversen Debatte hätten sich die Investmentbanker mit dem Argument durchgesetzt, dass bei erneuten Bonuskürzungen die besten Leute gehen würden.

Die Bonuszahlungen waren bei Deutschlands größtem Kreditinstitut von 2,4 Milliarden Euro 2015 auf 500 Millionen Euro im Jahr darauf zurückgegangen.

Interessant dürfte bei Vorlage des Jahresabschlusses 2017 auch die Frage sein, wie viele Milliarden man für anstehende Rechtsstreitigkeiten, Bußgelder, Schadenersatzklagen etc. (Abteilung "Leichen im Keller") zurückgestellt hat.

Testiert werden Jahres- und Konzernabschluss von der KPMG - unabhängig davon - ohnehin immer uneingeschränkt.

01.02.2018
Weitere Millionenstrafe für die Deutsche Bank

Die amerikanische Derivateaufsicht CFTC will der Deutschen Bank wohl eine Millionengeldbuße wegen angeblicher Manipulation an den amerikanischen Terminmärkten auferlegen. Auch die Schweizer Bank UBS und das britische Finanzinstitut HSBC sollen in diese erst neuerlich festgestellten Manipulationen verwickelt sein.

An den Ermittlungen, die über ein Jahr dauerten, hätten sich auch das Justizministerium und die Bundespolizei FBI beteiligt. Die Strafen für die Deutsche Bank dürfte "mehr als zehn Millionen Dollar" betragen. Eine genaue Höhe der geplanten Strafzahlungen wurde zunächst nicht bekannt.

Die Deutsche Bank wollte sich hierzu nicht äußern.

Es gibt wohl kaum einen Paragraphen im Strafgesetzbuch den die Deutsche Bank beim Zocken und Geschäftsmachen bisher ausgelassen hat. - Der Ruf ist ruiniert, Milliardenzahlungen bereits geleistet, weitere Strafen zu erwarten ... und dann noch (teilweise) in Händen chinesischer Zocker.

Der Untergang der Deutschen Bank begann mit der Finanzmarktkrise 2008 wo in politisch ungezügeltem Hochmut und krimineller Energie beschissen wurde, was das Zeug hält! - Natürlich immer wieder begleitet von den uneingeschränkten Bestätigungsvermerken der KPMG, d.h. des Skandalprüfers Ralf Bose. Dieser hatte es - nachdem man ihn "aus dem Verkehr ziehen musste" - zum obersten Berufsaufseher Deutschlands und Europas geschafft. Er hat heute den Vorsitz der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) und ist die letztinstanzliche Fachaufsicht über die Wirtschaftsprüferkammer (WPK). Hier hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Aber Feingefühl und Instinkt waren noch nie die Tugenden der Politik - hier geht es wohl eher um Kumpanei und mafiöse Strukturen.

31.01.2018
Die Affen von VW

  • Abgasskandal mit gewerbsmäßigem Betrug der Autoindustrie durch VW & Co.,
  • Kartellverdacht bei VW, Daimler und BMW,
  • massive Beeinflussung von Autolobbyisten auf Politik und Gesetzgebung,
  • Inhaftierung und Verurteilung von deutschen Automanagern im Ausland ...

und man meint, das könnte kaum noch zu toppen sein!?

Und jetzt die Geschichte mit den Affen und den ahnungslosen Probanden, die man gezielt Dieselabgase stundenlang einatmen lässt, um von (geschmierten) Gutachtern den Beweis führen zu lassen, dass dies alles völlig harmlos ist. Die Autoindustrie, allen voran wieder VW, betrieb seit 2007 als "Lobbyverband für Dieselautos" ein "Institut" (EUGT).

Jetzt ist man (wieder einmal) geschäftsmäßig "fassungslos" und "empört", beurlaubt den Cheflobbyisten Steg und "glaubt es kaum, dass so etwas bei den Nobeladressen deutscher Vorzeigeindustrie" überhaupt möglich sein konnte. VW-Chef Matthias Müller setzt heuchlerisch noch eins drauf, gibt sich nichtsahnend und findet alles "unethisch und abstoßend".

Mit Bekanntwerden des Abgasskandals in den USA musste man dieses verräterische "Institut" schnellstens loswerden und beauftragt einen VW-Lobby-Anwalt aus der Politik mit der Liquidation des "Instituts" und dem "Verbringen aller wissenschaftlichen Unterlagen".

Auf zwei Personen sollte jedoch noch mit dem Finger gezeigt werden:

  • Prof. Helmut Greim, emeritierter Toxikologe der TU München war Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der EUGH und als "Falschgutachter" bereits branchenbekannt. Er hat immer dann, wenn es um Krebsrisiken geht, auftragsgemäß für die Politik "Entwarnungs-Gutachten" geschrieben und sich von der Wirtschaft bezahlen lassen. Auch die beiden skandalösen Glyphosat-Gutachten für die Zulassung dieses Pestizid stammen übrigens von ihm!
  • Am 27.07.2015 erhielt genau jener Professor aus den Händen der Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks das "Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland". Die höchste Anerkennung für "Verdienste um das Gemeinwohl". Ministerin Hendricks lobte in der Laudatio insbesondere Prof. Greims "Verdienste zum Schutz von Mensch und Umwelt" - Blanker Hohn!!! - Hier hätte man die ahnungslose Ministerin wohl vorher warnen müssen - alles war bekannt.

Dank investigativer Journalisten erhalten wir also wieder einmal Einblick in die Funktionsweise des Finanz-Kapitalismus und die Verbindung von Wissenschaft, Wirtschaft und (ahnungsloser) Politik. Aber so ähnlich funktioniert ja auch die Beeinflussung der Politik durch die Big4 mit dem Ziel der Marktregulierung. Zuvor werden durch Lobbyisten der Big4 Beratungsbedarfe in Wirtschaft und Politik erzeugt.

Ach, vielleicht begegnen sich ja beim Rentner-Spaziergang am Isar-Seitenkanal in München demnächst zwei "ehrenhafte" Senioren und tauschen sich über ihre diesbezügliche Lobbyistenrolle einmal intensiv aus:

Prof. Greim trifft Dr. h.c. Spindler. Das war jener "Ehrenamtler" der Berufsaufsicht, der es geschafft hat, die Kasse der WPK um mehr als eine Million € für seine "ehrenamtliche Tätigkeit" zu erleichtern und dafür Lobbypolitik für die Big4 gemacht hat.

30.01.2018
Schlecker bleibt Schulden-Milliardär

Dem früheren Drogerieunternehmer Anton Schlecker werden Schulden in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro nicht erlassen. Schlecker hat seinen Antrag auf Restschuldbefreiung (§§ 289 ff. InsO) selbst wieder zurückzogen.

Die Restschuldbefreiung sieht vor, dass ein Gläubiger sechs Jahre nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens von seinen Schulden befreit werden kann, wenn er diese nicht begleichen kann.

Schlecker hatte seinen Antrag jedoch zurückgenommen, um seinen Gläubigern zuvorzukommen. Denn einige von ihnen hatten vor, ihrerseits dagegen vorzugehen, dass Schlecker künftig als schuldenfreier Mann leben kann. Der Widerspruch von Gläubigern war möglich, da Schlecker im November 2017 wegen Bankrotts zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden sei. Das Gesetz sieht vor, dass die Restschuldbefreiung versagt werden kann, wenn ein Schuldner zu mehr als drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Dazu genügt es, dass ein einziger Gläubiger einen sogenannten Antrag auf Versagung der Restschuldbefreiung stellt.

Insofern werden sich wohl noch einige frühere Geschäftspartner an Schleckers Versprechungen kurz vor Insolvenzeröffnung oder auch an die im Rahmen des Strafprozesses aufgedeckten millionenschweren Vermögensverschiebungen innerhalb der Familie erinnert haben.

Für Schlecker bedeutet dies, dass er kein Vermögen mehr aufbauen kann, sondern künftig alle zwei Jahre seine Vermögenswerte offenlegen muss, um darzulegen, dass er die Forderungen der Gläubiger nicht erfüllen kann.

Über die uneingeschränkten Testate von EY bezüglich der jahrelangen Falschbilanzierung im Hause Schlecker redet heute niemand mehr. Die Verfahren gegen beide Wirtschaftsprüfer wurden gegen geringe Geldauflagen eingestellt.

30.01.2018
GUCCI und die Gehaltszahlungen aus der Steueroase

Die italienische Nobelmarke Gucci gilt als eine der begehrtesten Luxusmarken der Welt. Und Dank Marco Bizzarri auch als eine der profitabelsten. Deshalb hat es Bizzarri auch vom Liebling an den Laufstegen zum Liebling der Analysten geschafft.

Aber wo Licht ist, gibt es auch Schatten:

Erst letztes Jahr durchwühlte die italienische Finanzpolizei drei Tage lang Büros und Ateliers von Gucci. Das Unternehmen soll Steuern in Höhe von 1,3 Milliarden Euro hinterzogen haben.

Bei dieser Gelegenheit kam ganz beiläufig heraus, dass in Absprache mit der Konzernmutter Kering in Paris Gucci-Chef Bizzarri mit Steuertricksereien offenbar jahrelang auch höchstselbst den Staat um Millionen betrogen hatte. Das gemeinsame Ziel bestand darin, dem Gucci-Boss ein Nettogehalt von über acht Millionen Euro - steuer- und abzugsfrei!!! - zu zahlen. Warum soll in der Mode nicht gehen, was im Fußballsport gang und gäbe ist!?

Also griff man in die Trickkiste und bediente sich einer Luxemburger Briefkastenfirma und eines vorgegebenen Schweizer Wohnsitzes.

Bizzarri hatte zwei Arbeitsverträge - neben einem Vertrag mit Gucci in Italien (über 2 Mio. € Jahressalär) einen zweiten mit der Briefkastenfirma Castera in Luxemburg. Von ihr erhielt er sechs Millionen Euro im Jahr, die weder in Luxemburg noch in Italien versteuert wurden. Stattdessen hatte sich Bizzarri im Schweizer Tessin angemeldet, wo er pauschal lediglich eine niedrige sechsstellige Summe im Jahr zahlen musste. De facto versteuerte Bizzarri damit nur sein italienisches Gehalt, wegen des Schweizer Wohnsitzes aber auch das noch zu einem vergünstigten Satz.

Also brennt bei Gucci momentan "die Hütte" und die Analysten sind "not amused!"

Alle Gucci-Mitarbeiter erfahren nun auch einmal hautnah etwas über die "Vorbildfunktion des Vorstands" in einer Glitzerwelt. Gerade die Geringverdiener im Haus Gucci sind von ihrem Chef ganz "beeindruckt"!

Wieder ein Erfolg investigativer Journalisten über die Arroganz und Borniertheit von "Eliten", die offensichtlich der Meinung sind, dass Gesetze immer nur für andere geschrieben werden.

29.01.2018
IKEA und die lästigen Steuern

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist am Wochenende im Alter von 91 Jahren im Kreise seiner Lieben  gestorben. Er hinterlässt drei Söhne und ein multinationales Unternehmen mit rund 34 Milliarden Euro Jahresumsatz, 355 Warenhäusern sowie 149.000 Mitarbeitern.

In Erinnerung werden nicht nur seine grandiose unternehmerische Leistung beim Aufbau des weltweit größten Möbelherstellers und -verkäufers, sondern auch sein "gespaltenes Verhältnis" zum Steuernzahlen bleiben.

Ikea war das Lebenswerk des Ingvar Kampvard vom Bauernhof Elmartyd beim Dorf Agunnaryd in Südschweden. Er galt als "sonderbar", auffällig bescheiden, clever und zurückhaltend. Das Familienvermögen der Kamprads, verteilt über drei Stiftungen, wird auf über 40 Milliarden Euro geschätzt.

Kamprad hatte Schweden 1973 verlassen. Seit 1976 lebte er in der Schweiz, weil er nach eigenen Angaben die hohen Steuern in seiner Heimat nicht zahlen wollte. Nach dem Tod seiner Frau Margaretha im Jahr 2011 kehrte er 2013 nach Schweden zurück.

Für 2014 gab der Heimkehrer seine Einkünfte mit knapp 1,9 Millionen Euro an und zahlte darauf brav 640.000 Euro Steuern ( = 33,7 %) an die schwedische Steuerverwaltung. Seine Heimatstadt machte ihn sogleich zum Ehrenbürger.

IKEA ist durch die Lux-Leaks-Affäre im Jahr 2014 öffentlich ins Zwielicht geraten. Das Möbelunternehmen hatte es gemeinsam mit PwC in der Disziplin "Steuersparen" zu besonderer Meisterschaft gebracht.

Laut bei PwC enthüllten Dokumenten soll die Inter Ikea Holding etwa im Jahr 2010 aufgrund des PwC-Steuervorbescheids (tax ruling) ganze 48.000 Euro Steuern gezahlt haben - auf einen Gewinn von damals mehr als 2,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem sensationellen Steuersatz von 0,002 %.

Übrigens: Steuerparadiese nennt man auch "tax heaven".

Ob es jedoch im "heaven" überhaupt "tax" gibt, ist nicht überliefert.

Lieber Ingvar - jetzt hast Du für alle Zeit "tax free"! - Gute Reise!

Für die Steuer-Sparfüchse (und auch Steuerbetrüger) dieser Welt wird PwC sicherlich auch weiterhin ALLES geben - bis auch sie "tax free in heaven" haben!?