Aktuelles

26.02.2018
Rödl und die unverschämte IT-Dominanz

Im Zeitalter von Big Data, intelligenten Datenanalysen und künstlicher Intelligenz muss der Berufsstand Flagge zeigen und seine IT-Kompetenz klar nach außen tragen. Die Big4 haben ihre Kompetenz in den vergangenen Jahren insbesondere dadurch erlangt, dass sie eine IT-Bude nach der anderen aufgekauft haben und somit für alle relevanten Bereiche der Digitalisierung entsprechende Lösungen anbieten können.

Der Lobbyverein der Big4 (IDW e.V.) ersann für den Rest der Branche eine Zusatzqualifikation für Wirtschaftsprüfer/innen und ihre qualifizierten Mitarbeiter, die ausschließlich vom IDW verliehen werden darf:

  • IT-Auditor IDW.

Entgegen den Erwartungen des IDW setzte jetzt aber kein Run auf diese tolle Zusatzqualifizierung und die verlangten Pflichtseminare ein. Bis heute haben lediglich 41 Berufsträger/innen bzw. Mitarbeiter diese Qualifikation erworben.

wpwatch deckte bereits durch Meldungen am 25.09. und 15.11.2017 auf, dass es gleichwohl bei Rödl & Partner eine auffällige inflationäre Zunahme von IT-Auditoren IDW gegeben hat. Rund 50% der bundesweit zugelassenen IT-Auditoren kommen heute aus dem Hause Rödl und haben dort die Zusatzqualifikation zumeist im Rahmen eines "Inhouse-Seminars" erworben.

Hierdurch täuscht Rödl unverschämterweise in der WP-Branche eine IT-Kompetenz vor die tatsächlich nicht vorhanden ist. Insbesondere konnte Rödl jedoch "für kleines Geld" sein unersättliches Geltungsbedürfnis ("Die Möchtegern-Nr. 6 im LÜNENDONK-Ranking") befriedigen. Das IDW konnte so zumindest vorläufig damit auch die Idee einer Zusatzqualifikation für den Berufsstand retten. Die IT-Seminare wären ansonsten wohl ziemlich leer geblieben.

IDW und Rödl sollten jedoch wissen, dass sie dem Berufsstand durch diese Schummelei einen Bärendienst erwiesen haben und damit den IT-Auditor bereits zu Grabe getragen haben. Das Vortäuschen von Sachkompetenz ist berufsunwürdig und läßt sich mit den Berufsgrundsätzen (§§ 43 ff. WPO) nicht vereinbaren.

26.02.2018
Geldwäsche auf bayrisch!

Am 17. Januar 2018 berichtete wpwatch unter dem Titel "Nix sehen, nix hören, nix sagen!" über den lächerlichen Umgang mit dem Thema Geldwäsche in Berufsstand und Politik. Nun wird der nächste spektakuläre Fall aufgedeckt und die Politik muss (wieder einmal) unangenehme Fragen beantworten.

  • 2013 verkaufte der Freistaat Bayern 32.000 landeseigene Wohnungen an eine private Investorengruppe zum Preise von 2,5 Milliarden Euro.
  • Der Augsburger Wohnungsbaukonzern PATRIZIA IMMOBILIEN AG hatte seinerzeit die Federführung beim Kauf der Gemeinnützigen Bayerischen Wohnungsgesellschaft (GBW) für ein Konsortium von 27 Investoren, die die GBW von der Bayern LB erwarben.
  • Die Identität dieser privaten Investoren ist bis heute unbekannt(!), da sie die GBW über Beteiligungsgesellschaften in Luxemburg halten.
  • Von LKA und Zoll gab es eindeutige Hinweise auf Geldwäsche im Umfeld des Käufers.

Auslöser der Ermittlungen, an denen sich auch das Bundeskriminalamt (BKA) beteiligte, waren einige  Geldwäsche-Verdachtsanzeigen. Mehrfach wurde darin der Verdacht geäußert, dass Geschäftspartner der PATRIZIA AG illegales Geld aus Russland waschen könnten. In den Akten finden sich Vermerke über auffällige internationale Geldtransfers sowie Hinweise russischer Ermittlungsbehörden auf Personen und Unternehmen.

Aktuelle Rechercheergebnisse bringen nun die bayerische Landesregierung und den designierten Ministerpräsidenten Markus Söder in Erklärungsnot. Laut interner Ermittlungsdokumente gingen das bayerische LKA und das Zollfahndungsamt München zum Zeitpunkt des Verkaufs einem konkreten Geldwäscheverdacht nach.

Die PATRIZIA AG bestreitet vehement, dass beim Kauf der GBW Schwarzgeld oder russische Investoren im Spiel waren. Der Vorgang "sei zudem durch die Bayern LB und Finanzbehörden geprüft" worden.

Die Ermittlergruppe aus LKA und Zoll nahm die Verdachtsanzeigen offenbar äußerst ernst und empfahl der Staatsanwaltschaft München im Juni 2013, die Verdachtslage "im Zuge tiefergreifender Ermittlungen" aufzuklären. Diese stellte das Verfahren jedoch nach kurzer Zeit und ohne nennenswerte Ermittlungstätigkeiten ein.

Das bayerische Finanzministerium hingegen bestreitet einen Zusammenhang zwischen den eingestellten Geldwäscheermittlungen und dem Verkauf der GBW. Experten halten diese Aussage für unglaubwürdig: "Das ist aller Erfahrung nach eigentlich unvorstellbar!"

Also, es bleibt dabei:

"Nix sehen, nix hören, nix sagen!" - so geht halt Geldwäsche.

Wirtschaftskriminalität ist höchst lukrativ und dabei sollte man nicht stören!

Oder anders gesagt: Wohnungen futsch, keiner weiß wohin ... Alle sind zufrieden und die Politik war äußerst hilfreich beim Ausbremsen der Justiz!

Ergebnis: Vermögensverteilung von unten nach oben klappt perfekt!

Patrizia AG wird übrigens von Deloitte geprüft. Prüfungshonorar 2016: 389 TEUR (Vorjahr: 455 TEUR).

21.02.2018
Key audit matters - oder: Wünsch Dir was!

Die Facharbeit des IDW e.V., d.h. des Schaffung "fachlicher Regeln" durch unseren "national standardsetter", ist im Umbruch. Die "unmittelbare Anwendung" der "International Standards on Auditing" (ISA) steht bevor und soll innerhalb der nächsten 24 Monate umgesetzt werden.

Einen Vorgeschmack für diese Form des "Standardsetting" erfahren wir momentan bei der Erteilung von Bestätigungsvermerken (BSV) - ein wahren Chaos und sicherlich kein Ruhmesblatt für den Lobbyverein des Berufsstandes (IDW e.V.).

Entsprechend den ISA 700, 701, 705 und 706 wurde vom HFA der 400'er Katalog (IDW PS 400 n.F., 401, 405 und 406) entwickelt und am 15.12.2017 (nach einem chaotischen Hin und Her!)  verabschiedet.

Gegenstand des IDW PS 401, der nur für § 319a-HGB-Mandate (PIE-Mandate) gilt, ist in Umsetzung von Art. 10 II. c) der EU-VO die

  • „Mitteilung besonders wichtiger Prüfungssachverhalte.“ 

Dies bedeutet, dass der Abschlussprüfer in eigener Wortwahl sogenannte "key audit matters" (KAM's), d.h. ihm "besonders wichtig erscheinende Prüfungsfeststellungen", in den Wortlaut seines Bestätigungsvermerks eintexten muss. Damit erreicht der BSV bei der Prüfung kapitalmarktorientierter Unternehmen durchaus stolze acht bis neun A4-Seiten!

Und jeder fragt sich: Wem ist damit gedient?

Dieses Eintexten ist ein Novum in der deutschen Facharbeit, waren doch bisher in den 14 Anlagen zum IDW PS 400 (a.F.) die Formulierungen der Bestätigungsvermerke durch das IDW vorgegeben. Die Einhaltung dieser Formulierungsvorgaben wurde im Übrigen von der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) im Rahmen der BAnz-Durchsicht beaufsichtigt (§ 57 II Nrn. 4, 14 WPO).

Mit dem freiformulierten Eintexten  wurde faktisch seit 2016 in Deutschland ein "Testat-Marketing" eingeführt. Und schon fragt man sich: Was kann, muss oder darf man in den BSV kapitalmarktorientierter Unternehmen hineintexten. Was ist gerade üblich, en vogue oder den Mandanten gerade noch zuzumuten?

Glauben Sie tatsächlich, dass PwC bei der Abfassung des Testates der TELEKOM in eigener Wortwahl die "wichtigen Prüfungsfeststellungen" formuliert? - Oder macht es nicht doch besser gleich Timotheus Höttges, der sagenhafte CEO, der gerne Wirtschaftsprüfer von PwC in der Presse als "seine Chorknaben" bezeichnet!?

Schon stürzen sich auch allerlei "Schreiberlinge" auf dieses Thema, fertigen "empirischen Studien" an und halten Ausschau nach den häufigsten "Feststellungen", nach Muster-Formulierungen und suchen den "systemischen Ansatz zur Generierung solcher Mitteilungen."

Zuletzt geschehen in den WPK-Mitteilungen 1/2018, S. 35 ff., wo uns zwei nette Kolleginnen von BDO im Fazit erklären, dass das statistische Mittel der KAM in Bestätigungsvermerken genau 3,6 beträgt!

Soll heißen: 3,6 KAM's und alles ist gut!

Ich warte schon auf die nächste überflüssige Studie in den Printmedien des IDW!

21.02.2018
Was wurde aus dem KPMG - FIFA - Skandal?

Sie erinnern sich noch an die umfassende Berichterstattung von wpwatch in 2015 / 2016 über den FIFA-Skandal, den kriminellen Sepp Blatter, den "ahnungslosen" Franzl sowie die ungeheuerlichen Betrügereien und anschließenden Verhaftungen von Delegierten im "Bauer au Lac" in Zürich und die Auslieferungen in die USA?

Mit von der Partie war seinerzeit KPMG, die seit 1999 als Revisionsstelle des Weltfußballverbandes fungierte und den "kriminellen Selbstbedienungsladen FIFA" immer wieder uneingeschränkt testierte. Ein Strafgericht in Zug stellte bereits 2008 fest, dass

  • KPMG "zur Legalisierung eines Schmiergeldsystem der FIFA beigetragen habe, wodurch mindestens 130 Mio. € den FIFA-Funktionären gesetzwidrig zugeflossen seien!"

Eine Frage hab ich noch:

  • Was wurde eigentlich aus dem seinerzeitigen Berufsaufsichtsverfahren gegen KPMG vor der Eidgenössischen Revisionsaufsichtsbehörde (RAB)?

Also fragt wpwatch doch einmal nach.

KPMG segnete jahrzehntelang die Bücher der kriminellen Fifa ab. Dass sich hinter den Zahlen korrupte Geschäfte verbergen, "nahm die KPMG zu wenig ernst" - so der Wortlaut der RAB. Vor vier Monaten teilte die Berufsaufsicht abschließend mit, sie habe "Prüfungsmängel" festgestellt.

Dem verantwortlichen KPMG-Wirtschaftsprüfer

  • Roger Neiniger habe man "einen schriftlichen Verweis erteilt".

Dieser Verweis entspricht einer "Verwarnung" und ist rechtskräftig. Welche Mängel die Aufsichtsbehörde genau festgestellt hatte, behält sie natürlich für sich.

Und jetzt mal Klartext:

Die schweizerische RAB hat - ebenso wie die deutsche APAS - Züge einer Geheimjustiz! Beide Aufsichten wissen, dass sie gesetzlich verpflichtet sind, Sanktionen auszusprechen und diese zu veröffentlichen.

Und jetzt der Skandal: Auf ihrer Website haben weder die RAB, noch die APAS eine entsprechende Rubrik eingerichtet bzw. diese ist leer (vgl. § 69 WPO).

RAB und APAS sind offensichtlich der Meinung, dass der Inhalt von Verfügungen / Sanktionen - wie jene gegen die Fifa - aus Sicht der Berufsaufseher die Öffentlichkeit nichts angeht.

Der höchste schweizerische Datenschutzbeauftragte stellte demgegenüber kürzlich fest, dass die Behörde einem Journalisten Einsicht gewähren müsste. Doch die RAB weigert sich weiterhin und will auch ihre Verweigerungshaltung nicht erklären.

Nochmals:

Die Big4 lassen sich nicht beaufsichtigen bzw. sie beaufsichtigen sich selbst. Dafür haben sie offensichtlich die volle Unterstützung der Politik! 

20.02.2018
PwC und die Sportförderung

Die gestrige Berichterstattung über die geschäftlichen Verquickungen von PwC und der Deutsche Sporthilfe wurde von Kollegen/innen mehrfach kommentiert. Hierbei gab es weitere interessante Details:

Gesellschaftliches Engagement im allgemeinen und Förderung von Leistungssportlern im speziellen sind das eine, eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wie PwC sollte jedoch auch bei diesen finanziellen Engagements die einschlägigen Berufsgrundsätze zur beruflichen Unabhängigkeit (§§ 17 I, 43 I WPO) beachten.

Und jetzt halten Sie sich fest:

  • Schon seit mehr als 20 Jahren fungiert PwC als Abschlussprüfer der Deutsche Sporthilfe GmbH in Frankfurt am Main.
  • Darüber hinaus sitzt der PwC Vorstandssprecher Herr Prof. Winkeljohann bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe im Stiftungsrat und sein Vorstandskollege Scholich im Kuratorium.

Der Vorsitzende der Vorstandsabteilung Berufsaufsicht der WPK (VOBA), Ex-PwC-Vorstand Dr.  Gelhausen würde hinsichtlich einer Überprüfung zur Einhaltung der Berufspflichten wohl auch sofort  einen "Persilschein" erteilen und vielleicht auch den WPO-Kommentar umschreiben lassen.

Fazit:

Ganz schön praktisch, denn alles dient nur der Vermehrung des schnöden Mammons und dem Ausbau einer marktbeherrschenden Stellung des deutschen WP-Branchenführers.

Dass dies alles offensichtlich nur die "Spitze eines Eisberges" ist, zeigen andere Hinweise von Kollegen/innen:

PwC ging bereits 2014 durch die Presse, als bekannt wurde, dass drei Nachwuchstalente der Jungen Union sämtlich auf der Payroll von PwC standen und ihre Vergütung nicht für ihre PwC-Tätigkeit, sondern als Unterstützung für ihre "politische CDU-Karriere" erhielten. Die politische Nachwuchsförderung organisierte damals der Düsseldorfer PwC-Partner Sven Joachim Otto. - So zieht man sich halt frühzeitig den Nachwuchs für die künftige Lobbyarbeit heran!

Oder: Erinnern Sie sich noch an die Affäre um die Ex-Ehefrau unseres Ex-Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff, die (zufällig) nach ihrer Trennung von Christian auf Vermittlung des PwC-CEO Prof. Winkeljohann ("Freund der Familie") eine Anstellung im Umfeld von PwC fand.

So funktioniert's ....

20.02.2018
KPMG im Visier der Schweizer Behörden

KPMG ist (wieder einmal) in einen größeren Bilanzskandal in der Schweiz verwickelt, der seit Monaten die Medien beschäftigt. Die schweizerische Berufsaufsicht "Eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde" (RAB) hat nun gegen KPMG ein Berufsaufsichtsverfahren eröffnet.

KPMG prüft seit 20 Jahren die Jahresabschlüsse der Postauto AG, eine 100 %-ige Tochtergesellschaft der POST AG. Diese Gesellschaft betreibt mit ihren gelben Bussen in der Schweiz landesweit hochsubventionierte Busstrecken. Hierbei dürfen satzungsgemäß keine Gewinne erwirtschaftet werden, da ansonsten Zuschüsse zurückgezahlt bzw. die Gewinne an die Kantone und den Bund abgeführt werden müssen.

Da jedoch im Laufe der Jahre enorme Gewinne eingefahren wurden - man spricht von über 78 Mio. SFR - kam man auf die tolle Idee, diese subventionierten Buslinien mit Kosten anderer Linien zu belasten und somit die Gewinne "wegzubuchen". So wurden in mehr als 200.000 Buchungen (!) Treibstoffkosten, Reparaturen etc. umgebucht und die Gewinne "kleingerechnet".

Der Skandal wurde ausgelöst durch einen Mitarbeiter des "Bundesamtes für Verkehr", der früher (zufällig) bei der Berufsaufsicht RAB beschäftigt war. Na, so ein Zufall! - Und schon "brennt die Hütte lichterloh!"

Aber: Erwarten Sie nicht zu viel. Die schweizerische Berufsaufsicht hat - ähnlich wie in Deutschland - "Züge einer Geheimjustiz." Man arbeitet "im Stillen" und immer "in engem Kontakt mit den Big4."

KPMG weist bisher jegliche Verantwortung von sich und erklärt, dass man "nicht für die Prüfung interner Verrechnungen zuständig gewesen sei", sondern "nur für die externe Rechnungslegung".

Von der Prüfung der dem Jahresabschluss zugrundeliegenden Buchführung und einem "risikoorientierten Prüfungsansatz" (Gesetzesmäßigkeit etc.) hat KPMG wohl noch nichts gehört!? - Das ist ja wohl ein Treppenwitz!

Eine Frage hab ich noch:

Warum glauben eigentlich immer noch intelligente Top-Manager, es käme nicht früher oder später alles ans Licht? Ist es Naivität? Ist es kriminelle Energie? Oder glaubt man, die Situation mit Hilfe von Politik und Star-Juristen jederzeit beherrschen zu können?

Dieser Fall reiht sich doch nur lückenlos ein in die Serie: VW, AUDI, Deutsche Bank, M.M. Warburg, FIFA,  AIR BERLIN, ...

19.02.2018
Das fragwürdige PwC-Honorar

Damit hatten das BMWi und PwC wohl nicht gerechnet. - Erneuter Ärger im Fall Air Berlin:

Die Bundesregierung stuft nach übereinstimmenden Medienberichten die millionenschweren Honorarzahlungen an PwC als "geheim" ein. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, "dass der Steuerzahler hier beschissen werden soll".

Trotz des seinerzeitigen gegenteiligen Versprechens der Bundesregierung müssten die Bürger nun doppelt zahlen: "Zum einen für mehr als die Hälfte des Überbrückungskredits von 150 Millionen Euro und für die Altschulden von Air Berlin". Hinzu kommen weitere Honorare für eine "suspekte Risikoprüfung" des Kredites in unbekannter Höhe.

Insbesondere geht es auch um die sonderbare Beauftragung an PwC durch Staatssekretär Machnig an einem Samstagmorgen mit der Bitte "etwas aufzuschreiben", was eine Bundesbürgschaft rechtfertigen könne.

Der KfW-Staatskredit für Air Berlin wurde mit einer Bundesbürgschaft abgesichert und erweist sich aus Sicht des Steuerzahlers zunehmend als finanzielles Desaster. Der lachende Dritte im Bunde heißt: LUFTHANSA AG.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass der Insolvenzverwalter von Air Berlin, Lucas Flöther, nun ebenfalls PwC beauftragt hatte, "Anhaltspunkte für eine Insolvenzverschleppung" bei der Airline zu prüfen. Flöther selber hatte bereits Ende Januar 2018 in seinem "Insolvenzbericht" geschrieben, dass PwC eben solche "Anhaltspunkte" festgestellt hätte!

Also nochmal:

Bei der sogenannten "Risikoprüfung" des Kredites und der Vergabe der Bundesbürgschaft sahen die Experten von PwC (wunschgemäß) keine Risiken, stellen jedoch wenige Monate später fest, dass Air Berlin zum Zeitpunkt der Kreditvergabe bereits pleite war!? Das kann doch nur bedeuten, dass die "Risikoprüfer" von PwC wunschgemäß für Staatssekretär Machnig etwas "aufgeschrieben" haben, obwohl sie bereits wussten, dass die "Kiste vor die Wand gefahren war"!

Fazit:

Machnig erhielt sein vorgegebenes Wunschergebnis, die Bundesregierung sah ihren Wahlkampf wegen zehntausender gestrandeter Urlauber nicht gefährdet, PwC fuhr sich ein Millionen-Honorar rein und die "Arschkarte" haben die Steuerzahler!

Derweil jubeln Vorstände und Großanleger von LUFTHANSA! So geht "Umverteilung" von unten nach oben!

Es wird Zeit, dass hier einmal glasklare Fragen an PwC und den "Superstrategen Machnig" gestellt werden. Wie heißt es doch in der Wirtschaftsprüferordnung: "Gewissenhafte, unabhängige und eigenverantwortliche Berufstätigkeit" (§ 43 WPO). Die (lohnende) Rolle von PwC war wohl alles andere als gesetzeskonform mit dem Berufsgesetz!

Das skandalöse Zusammenwirken von Politik und den Big4 hat auch hier mal wieder mehr als ein "Geschmäckle"!

19.02.2018
PwC und die Winterolympiade

Glauben Sie, dass es eine Verbindung zwischen Olympia und den Big4 gibt?

Die Big4 wollen omnipräsent und immer ganz nah an der Politik sein. Wenn man sich dann auch einmal als Gönner oder Förderer des Sports zeigt, klappt es sicherlich auch demnächst besser bei der Vergabe von Gutachter- und Beratungsmandaten aus Ministerien, der BaFin, KfW etc.

Wenn man als PwC auch zuletzt ein (geheimes) Millionen-Honorar für eine offensichtlich absurde "Risikoprüfung" bei Air Berlin kassiert hat (wpwatch berichtete am 14.02.2018), kann man sich auch einmal ins Rampenlicht stellen und mit Förderung des Spitzensports kokettieren.

Das Top-Förderprogramm der Deutschen Sporthilfe heißt "ElitePlus" und wird finanziell von PwC unterstützt. Hierdurch soll es aussichtsreichen Medaillenkandidaten ermöglicht werden, sich voll auf die Olympia-Vorbereitung zu konzentrieren.

Sechs deutsche Top-Athleten bei der Winterolympiade in Pyeongchang erhalten aus diesem Programm für maximal 18 Monate vor den olympischen Spielen regelmäßig 1.500 Euro im Monat zusätzlich zu ihrer üblichen Sportförderung.

Na, dieses großzügige und uneigennützige Engagement sollten Bundesregierung und Ministerien aber bitte bei künftigen Auftragsvergaben berücksichtigen. Egal ob es um das Mandatargeschäft, Gutachtertätigkeiten, Risikoprüfungen, öffentliche Betriebe, Waffenbeschaffung, Mautsystem etc. geht.

Bezüglich der Unabhängigkeit bei Auftragsvergaben sollten Sie sich keine Gedanken machen, da die Unabhängigkeit ja im Berufsgesetz steht (§§ 18, 43 I WPO). Und es reicht, dass es dort steht!

15.02.2018
von der Leyen's Superstar geht von der Fahne!

Da rieb man sich schon die Augen:

2014 wurden zwei McKinsey-Partner überraschend von unserer  Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ins Ministerium (BMVg) abgeworben und sollten dort die milliardenschwere Rüstungsbeschaffung effizienter organisieren und deutlich optimieren.

Die promovierte Neuroinformatikerin Katrin Suder (46) tauschte hierbei ein Millionensalär bei McKinsey gegen eine Beamtenbesoldung als Staatssekretärin in Höhe von rd. 165.000 €/p.a.!? Ihr McKinsey-Kollege Gundbert Scherf (36) suchte jedoch vor Jahresende 2016 bereits wieder das Weite und ging zurück zu seinem früheren Arbeitgeber.

In der Folgezeit suchte die neue Staatsekretärin verstärkt externen Rat und vergab im Auftrage des Ministeriums an McKinsey und KPMG langfristige Beraterverträge in einem Volumen von über 200 Mio. € (vgl.: wpwatch 12.10.2016)! Intern rumorte es beim BMVg ordentlich, da man ja schließlich in Koblenz eine eigene Beschaffungsbehörde mit über 10.000 Beschäftigten hatte und dort die externen Berater auch durchaus kritisch sah.

Verschiedene Medien berichten nun übereinstimmend, dass Staatssekretärin Katrin Suder aus dem Ministerium ausscheiden wird, da sie "nicht mehr so häufig in Berlin sein möchte!" Mit ihrer Ehefrau, der Sportmarketing-Managerin Katja Kraus, wohnt sie in Hamburg und zieht gemeinsam drei Kinder groß.

Jetzt stellen sich nach dem vierjährigen Intermezzo der Top-McKinsey-Partnerin im BMVg einige Fragen:

  • Mit welcher Motivation tauschte Katrin Suder seinerzeit ein McKinsey-Millionensalär gegen eine eher bescheidene Beamtenvergütung?
  • Kehrt sie zu McKinsey zurück und hat ihren früheren (und künftigen?) Arbeitgeber (absprachegemäß?) mit langfristigen millionenschweren Beraterverträgen versorgt? - Frei nach dem Motto: Mission erfüllt?

Eine Frage hab ich noch:

Kennen Sie noch die Geschichte mit den geheimen McKinsey-Milliarden des McKinsey Investment Office (MIO) in London, die u.a. der Versorgung der (Ex-)McKinsey-Partner dienen sollen?

Na, dann lesen Sie doch noch einmal: wpwatch Newsletter Nr. 68, August 2016, Nr. 2.

Wie arbeiten Beratungsgiganten wie McKinsey, Big4 etc.? Welchen Einfluß haben sie auf die Politik? 

14.02.2018
Die Air Berlin Pleite und das PwC-Honorar

Die Umstände um die Vergabe des geplatzten 150-Mio.-KfW-Kredits an die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin und die Rolle des BMWi sowie von PwC werfen zunehmend Fragen auf und lassen auf ein abgekartetes Zusammenspiel zwischen Politik und PwC schließen.

Der Großteil des Überbrückungskredits ist wohl futsch. Aufgrund der Tatsache, dass der Bund als Bürge für 150 Millionen Euro geradestehen muss, wäre ein Ausfall vom Steuerzahler zu tragen.

PwC hatte für eine "Risikoprüfung" mutmaßlich ein Millionenhonorar kassiert. Zur Höhe des Honorars darf auch auf parlamentarische Anfrage nichts bekannt gegeben werden, da es sich angeblich "um schutzwürdige Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse von PwC" handeln soll.

Tatsächlich waren den zuständigen Ministerien Ausfallrisiken des Kredits frühzeitig bekannt. Doch statt mögliche Risiken näher zu prüfen, stimmte sich der Bund offenbar eng mit der Lufthansa ab.

Am Freitag, dem 11. August 2017, spät abends, erreichte die Nachricht von der drohenden Insolvenz die Bundesregierung und es machte sich die Sorge breit, zehntausende Urlauber könnten an ihren Ferienorten stranden. Kein schönes Szenario so kurz vor der Bundestagswahl. Doch der Bund benötigte für die Auslegung der Bürgschaft eine "Absicherung" - und beauftragte die Berater von PwC.

Matthias Machnig, Staatssekretär des BMWi, bat PwC am Samstag, den 12.08.2017, "etwas aufzuschreiben", was als "Absicherung" für eine Bundesbürgschaft dienen könne.

Bereits am selben Abend (!) kam die erste Einschätzung der PwC-Spezialisten. Dies liest sich dann so:

  • "Unter uns: Kriegen wir keine Aussage zu möglichen Rückführungen, wird das dünn etwas aufzuschreiben. […] Wie soll man sonst belastbar einen Massekredit rechtfertigen?" und
  • "Wir unterstellen, dass das Darlehen unbesichert gegeben werden muss…

PwC habe es jedoch in der gutachterlichen Stellungnahme als "plausibel" eingeschätzt, dass der Kredit bedient werden könne und sich dabei auf fiktive Kaufpreise von Lufthansa und Easyjet für die Übernahme von Air Berlin gestützt.

PwC stellte seine Expertise auch unter die Prämisse, "dass die kartellrechtlichen Verfahren kurzfristig  abgeschlossen werden können…", jedoch ohne wissen zu können, ob der Deal überhaupt genehmigt würde.

Einen Tag vor der Insolvenzanmeldung (am 14.08.2017) schrieb um 19.50 Uhr noch ein Mitarbeiter der "lieben Frau Zypries", dass eine "Absichtserklärung von Lufthansa im Entwurf vorliege".

Die Ministerin antwortete dann umgehend um 21.01 Uhr: "Ja, ich bin einverstanden" (mit der Darlehenshingabe).

Am nächsten Tag (15.08.2017) meldete Air Berlin Insolvenz an.

Jetzt stellen Parlamentarier berechtigt die Frage nach der Rolle von PwC und den PwC-Honoraren.

Und jetzt Klartext:

  • Die Rolle von Staatssekretär Matthias Machnig bei "Deals" des BMWi zulasten des Steuerzahlers sind aus der Vergangenheit hinreichend bekannt.
  • Die Berufsbiographie des Staatssekretärs können Sie hier nachlesen.
  • Das BMWi (und in Person Staatssekretär Machnig) ist zufällig die oberste Rechtsaufsicht über den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer (§ 66 WPO).
  • PwC "zauberte binnen Stunden" (Wunsch-)Papiere für die Vergabe eines dreistelligen Millionen-Kredites. Inwieweit hält dies überhaupt den Berufsgrundsätzen einer gewissenhaften Berufsausübung (§ 43 WPO) und den risikoorientierten Regeln der Facharbeit stand?
  • Übrigens: Lufthansa lässt sich bereits seit Jahren gegen ein Millionenhonorar von PwC prüfen und
  • PwC steuert (zufällig) seit Jahren überwiegend das "Mandatargeschäft" für Bund und Länder und kassiert neben den horrenden Stundensätzen jeweils x% der Bürgschaftssumme als "Wertgebühr".

Fazit: So funktioniert das Zusammenspiel der Big4 mit der Politik zulasten des Steuerzahlers! - Ein Witz!!!

  • Die Börse lacht über die Lufthansa Aktie und trinkt Champagner,
  • die ergebnisabhängigen Vergütungen des Vorstands steigen deutlich,
  • PwC hat sich mit diesem "Gefälligkeitsgutachten" für weitere Gutachten der Politik empfohlen,
  • hat für wenig Arbeit ein (geheimes) Millionen-Honorar eingestrichen,
  • kann für die nächste Abschlussprüfung bei Lufthansa vielleicht etwas großzügiger abrechnen - und
  • der Steuerzahler sitzt auf dem Verlust von über 100 Mio. €!

So werden Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert - so geht´s!

Wollten Sie mir gerade noch etwas von "Unabhängigkeit" des Wirtschaftsprüfers (§§ 17, 43 WPO) erzählen? - Bla, bla, bla!!!

Glauben Sie bitte auch nicht, dass sich die Berufsaufsicht für solche "Fahrlässigkeit" und "Interessenkollisionen" des deutschen Marktführers der WP-Branche interessiert!?