Aktuelles

14.02.2018
Die Air Berlin Pleite und das PwC-Honorar

Die Umstände um die Vergabe des geplatzten 150-Mio.-KfW-Kredits an die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin und die Rolle des BMWi sowie von PwC werfen zunehmend Fragen auf und lassen auf ein abgekartetes Zusammenspiel zwischen Politik und PwC schließen.

Der Großteil des Überbrückungskredits ist wohl futsch. Aufgrund der Tatsache, dass der Bund als Bürge für 150 Millionen Euro geradestehen muss, wäre ein Ausfall vom Steuerzahler zu tragen.

PwC hatte für eine "Risikoprüfung" mutmaßlich ein Millionenhonorar kassiert. Zur Höhe des Honorars darf auch auf parlamentarische Anfrage nichts bekannt gegeben werden, da es sich angeblich "um schutzwürdige Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse von PwC" handeln soll.

Tatsächlich waren den zuständigen Ministerien Ausfallrisiken des Kredits frühzeitig bekannt. Doch statt mögliche Risiken näher zu prüfen, stimmte sich der Bund offenbar eng mit der Lufthansa ab.

Am Freitag, dem 11. August 2017, spät abends, erreichte die Nachricht von der drohenden Insolvenz die Bundesregierung und es machte sich die Sorge breit, zehntausende Urlauber könnten an ihren Ferienorten stranden. Kein schönes Szenario so kurz vor der Bundestagswahl. Doch der Bund benötigte für die Auslegung der Bürgschaft eine "Absicherung" - und beauftragte die Berater von PwC.

Matthias Machnig, Staatssekretär des BMWi, bat PwC am Samstag, den 12.08.2017, "etwas aufzuschreiben", was als "Absicherung" für eine Bundesbürgschaft dienen könne.

Bereits am selben Abend (!) kam die erste Einschätzung der PwC-Spezialisten. Dies liest sich dann so:

  • "Unter uns: Kriegen wir keine Aussage zu möglichen Rückführungen, wird das dünn etwas aufzuschreiben. […] Wie soll man sonst belastbar einen Massekredit rechtfertigen?" und
  • "Wir unterstellen, dass das Darlehen unbesichert gegeben werden muss…

PwC habe es jedoch in der gutachterlichen Stellungnahme als "plausibel" eingeschätzt, dass der Kredit bedient werden könne und sich dabei auf fiktive Kaufpreise von Lufthansa und Easyjet für die Übernahme von Air Berlin gestützt.

PwC stellte seine Expertise auch unter die Prämisse, "dass die kartellrechtlichen Verfahren kurzfristig  abgeschlossen werden können…", jedoch ohne wissen zu können, ob der Deal überhaupt genehmigt würde.

Einen Tag vor der Insolvenzanmeldung (am 14.08.2017) schrieb um 19.50 Uhr noch ein Mitarbeiter der "lieben Frau Zypries", dass eine "Absichtserklärung von Lufthansa im Entwurf vorliege".

Die Ministerin antwortete dann umgehend um 21.01 Uhr: "Ja, ich bin einverstanden" (mit der Darlehenshingabe).

Am nächsten Tag (15.08.2017) meldete Air Berlin Insolvenz an.

Jetzt stellen Parlamentarier berechtigt die Frage nach der Rolle von PwC und den PwC-Honoraren.

Und jetzt Klartext:

  • Die Rolle von Staatssekretär Matthias Machnig bei "Deals" des BMWi zulasten des Steuerzahlers sind aus der Vergangenheit hinreichend bekannt.
  • Die Berufsbiographie des Staatssekretärs können Sie hier nachlesen.
  • Das BMWi (und in Person Staatssekretär Machnig) ist zufällig die oberste Rechtsaufsicht über den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer (§ 66 WPO).
  • PwC "zauberte binnen Stunden" (Wunsch-)Papiere für die Vergabe eines dreistelligen Millionen-Kredites. Inwieweit hält dies überhaupt den Berufsgrundsätzen einer gewissenhaften Berufsausübung (§ 43 WPO) und den risikoorientierten Regeln der Facharbeit stand?
  • Übrigens: Lufthansa lässt sich bereits seit Jahren gegen ein Millionenhonorar von PwC prüfen und
  • PwC steuert (zufällig) seit Jahren überwiegend das "Mandatargeschäft" für Bund und Länder und kassiert neben den horrenden Stundensätzen jeweils x% der Bürgschaftssumme als "Wertgebühr".

Fazit: So funktioniert das Zusammenspiel der Big4 mit der Politik zulasten des Steuerzahlers! - Ein Witz!!!

  • Die Börse lacht über die Lufthansa Aktie und trinkt Champagner,
  • die ergebnisabhängigen Vergütungen des Vorstands steigen deutlich,
  • PwC hat sich mit diesem "Gefälligkeitsgutachten" für weitere Gutachten der Politik empfohlen,
  • hat für wenig Arbeit ein (geheimes) Millionen-Honorar eingestrichen,
  • kann für die nächste Abschlussprüfung bei Lufthansa vielleicht etwas großzügiger abrechnen - und
  • der Steuerzahler sitzt auf dem Verlust von über 100 Mio. €!

So werden Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert - so geht´s!

Wollten Sie mir gerade noch etwas von "Unabhängigkeit" des Wirtschaftsprüfers (§§ 17, 43 WPO) erzählen? - Bla, bla, bla!!!

Glauben Sie bitte auch nicht, dass sich die Berufsaufsicht für solche "Fahrlässigkeit" und "Interessenkollisionen" des deutschen Marktführers der WP-Branche interessiert!?

13.02.2018
Betrügt Mautbetreiber Toll Collect den Bund?

Erst am 26. Januar 2018 berichtete wpwatch über das skandalöse Schiedsverfahren wegen Milliardenforderungen des Bundes gegen das Betreiberkonsortium Toll Collect, welches bereits seit 10 Jahren andauert und eine "never ending story" zu werden scheint.

"Star-Anwälte" machen sich mit Millionenhonoraren seit Jahren die Taschen voll und freuen sich jedes Jahr auf neue wachsende Honorare - mittlerweile über 200 Mio. €!!! - Man nennt dies "Öffentlich-Private-Partnerschaft."

Ein von dem privaten Schiedsgericht bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars in Auftrag gegebenes Gutachten über die Abrechnungen von Toll Collect liegt nun als "230-seitiger geheimer Untersuchungsbericht" dem Bundesverkehrsministerium vor. Demnach hat das Konsortium um die Hauptgesellschafter Telekom und Daimler dem Bund innerhalb von nur drei Jahren mindestens 298 Mio. € zu viel berechnet.

Von den Big4 sind drei "im Spiel": EY prüft die Toll Collect GmbH, PwC prüft die Telekom und KPMG prüft Daimler. Jetzt muss Mazars als "unabhängiger Prüfer" die Schadenshöhe gutachterlich feststellen.

Das Schiedsgericht versucht seit mehr als zehn Jahren, den Streit um die Finanzierung des milliardenschweren Mautsystems beizulegen. Der Bund verlangt von Toll Collect mehr als 7,5 Milliarden Euro Schadensersatz, weil das Mautsystem 2005 erst mit 16 Monaten Verspätung den Betrieb aufnahm.

Toll Collect fordert demgegenüber rund zwei Milliarden Euro an Gebühren, deren Auszahlung der Bund verweigert, weil sie nicht durch den Vertrag gedeckt sind.

Wie hoch der Schaden für den Steuerzahler insgesamt ist, lässt sich nicht beziffern, da die Wirtschaftsprüfer von Mazars auftragsgemäß nur drei (von dreizehn!) Geschäftsjahre durchleuchtet haben.

Im August 2018 läuft der Vertrag mit dem Toll-Collect-Konsortium aus. Die Bundesregierung hat jetzt offensichtlich die Faxen dicke und plant, den Mautbetreiber vorübergehend zu verstaatlichen.

Auf diese Weise hätte der Bund die Chance, Einblick in die gesamten Abrechnungen zu erhalten, heißt es aus dem Ministerium. Nur so ließe sich feststellen, welcher Schaden durch die Öffentlich-Private Partnerschaft für den Bund entstanden ist. Schon im kommenden Jahr will die Regierung jedoch den Mautbetreiber nach europaweiter Ausschreibung dann wieder einem privaten Betreiber übertragen.

Zuletzt war das Betreiberkonsortium bereits durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin gegen Manager von Toll Collect in die Schlagzeilen geraten. Durch überhöhte Abrechnungen sollen die Verdächtigen den Bund um mindestens drei Mio. € geprellt haben. Im Mai 2017 durchsuchten Ermittler deshalb auch die Firmenzentrale des Betreibers.

31.01.2018
Die Affen von VW

  • Abgasskandal mit gewerbsmäßigem Betrug der Autoindustrie durch VW & Co.,
  • Kartellverdacht bei VW, Daimler und BMW,
  • massive Beeinflussung von Autolobbyisten auf Politik und Gesetzgebung,
  • Inhaftierung und Verurteilung von deutschen Automanagern im Ausland ...

und man meint, das könnte kaum noch zu toppen sein!?

Und jetzt die Geschichte mit den Affen und den ahnungslosen Probanden, die man gezielt Dieselabgase stundenlang einatmen lässt, um von (geschmierten) Gutachtern den Beweis führen zu lassen, dass dies alles völlig harmlos ist. Die Autoindustrie, allen voran wieder VW, betrieb seit 2007 als "Lobbyverband für Dieselautos" ein "Institut" (EUGT).

Jetzt ist man (wieder einmal) geschäftsmäßig "fassungslos" und "empört", beurlaubt den Cheflobbyisten Steg und "glaubt es kaum, dass so etwas bei den Nobeladressen deutscher Vorzeigeindustrie" überhaupt möglich sein konnte. VW-Chef Matthias Müller setzt heuchlerisch noch eins drauf, gibt sich nichtsahnend und findet alles "unethisch und abstoßend".

Mit Bekanntwerden des Abgasskandals in den USA musste man dieses verräterische "Institut" schnellstens loswerden und beauftragt einen VW-Lobby-Anwalt aus der Politik mit der Liquidation des "Instituts" und dem "Verbringen aller wissenschaftlichen Unterlagen".

Auf zwei Personen sollte jedoch noch mit dem Finger gezeigt werden:

  • Prof. Helmut Greim, emeritierter Toxikologe der TU München war Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der EUGH und als "Falschgutachter" bereits branchenbekannt. Er hat immer dann, wenn es um Krebsrisiken geht, auftragsgemäß für die Politik "Entwarnungs-Gutachten" geschrieben und sich von der Wirtschaft bezahlen lassen. Auch die beiden skandalösen Glyphosat-Gutachten für die Zulassung dieses Pestizid stammen übrigens von ihm!
  • Am 27.07.2015 erhielt genau jener Professor aus den Händen der Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks das "Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland". Die höchste Anerkennung für "Verdienste um das Gemeinwohl". Ministerin Hendricks lobte in der Laudatio insbesondere Prof. Greims "Verdienste zum Schutz von Mensch und Umwelt" - Blanker Hohn!!! - Hier hätte man die ahnungslose Ministerin wohl vorher warnen müssen - alles war bekannt.

Dank investigativer Journalisten erhalten wir also wieder einmal Einblick in die Funktionsweise des Finanz-Kapitalismus und die Verbindung von Wissenschaft, Wirtschaft und (ahnungsloser) Politik. Aber so ähnlich funktioniert ja auch die Beeinflussung der Politik durch die Big4 mit dem Ziel der Marktregulierung. Zuvor werden durch Lobbyisten der Big4 Beratungsbedarfe in Wirtschaft und Politik erzeugt.

Ach, vielleicht begegnen sich ja beim Rentner-Spaziergang am Isar-Seitenkanal in München demnächst zwei "ehrenhafte" Senioren und tauschen sich über ihre diesbezügliche Lobbyistenrolle einmal intensiv aus:

Prof. Greim trifft Dr. h.c. Spindler. Das war jener "Ehrenamtler" der Berufsaufsicht, der es geschafft hat, die Kasse der WPK um mehr als eine Million € für seine "ehrenamtliche Tätigkeit" zu erleichtern und dafür Lobbypolitik für die Big4 gemacht hat.

25.01.2018
KPMG treibt ein falsches Spiel!

wpwatch berichtete bereits im April und August 2017 über das falsche Spiel von KPMG mit der amerikanischen Berufsaufsicht (PCAOB). Erst jetzt kommt der Skandal in den deutschen Medien an: das HANDELSBLATT berichtete gestern ausführlich.

  • Welcher WP-Examenskandidat träumte nicht schon einmal davon, die Klausurthemen schon vorab zu kennen?

Diesen Wunsch nach Vorabinformationen verwirklichte sich KPMG in den USA:

KPMG erhielt aus Kreisen der PCAOB vor Durchführung von Qualitätskontrollprüfungen vorab jeweils die geheime Liste, aus der sich die Stichprobe der Mandate ergab, die sich die Berufsaufsicht genauer zur Beurteilung der "Prüfungsqualität" anschauen wollte.

KPMG hat in Amerika seit Jahren eine denkbar schlechte Reputation. Von den "Big4" fand  die Aufsichtsbehörde hier in den vergangenen Jahren immer die meisten Mängel! Mit den illegal erworbenen Vorab-Informationen wollte sich KPMG vor der Kontrollkommission mustergültig präsentieren und Super-Noten von der PCAOB bekommen.

Dumm nur, dass sich ein früherer Mitarbeiter der PCAOB gegenüber den Aufsichtsbehörden offenbarte und alles zu Protokoll gab. Die KPMG-Mitarbeiter wurden alle gefeuert, incl. des obersten US-Prüfers von KPMG, Scott Marcello.

Die Insiderinformationen nutzten sechs zum Teil hochrangige Mitarbeiter von KPMG, von denen einige zuvor bei der PCAOB gearbeitet hatten. Jetzt werden sie allesamt in New York von dem US-Justizministerium und der Börsenaufsicht SEC angeklagt.

Man darf gespannt sein, wie die amerikanische Justiz mit solch kriminellem Berufsverständnis abrechnen wird!? - Ein Desaster für KPMG!!!

Übrigens ein Hohn: Der oberste Berufsaufseher für § 319a-Prüfer deutschland- und europaweit ist der KPMG-Skandalprüfer Ralf Bose; Leiter der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS). Er beaufsichtigt auch die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) und kontrolliert insbesondere, ob diese uns auch im Rahmen des peer review streng genug kontrollieren lässt!

Eine Farce: Wann wird die Politik endlich wach und durchschaut dieses perfide und anrüchige "Spiel"!?

Es ist momentan nicht der einzige Rückschlag für KPMG in Amerika:

  • Vor wenigen Tagen überraschte General Electric mit einer Nachricht die Märkte, auf sieben Jahre ganze 15 Milliarden Dollar für Pflegeversicherungen aufbringen zu müssen, da man erst jetzt die hohen Fehlbeträge festgestellt habe. Dies löste unmittelbar einen Kurssturz der GE-Aktie aus und lässt unangenehme Fragen an die jahrelangen Abschlussprüfer von KPMG erwarten.
  • Auch bei dem Skandal um fingierte Konten bei der Bank Wells Fargo machte Abschlussprüfer KPMG keine gute Figur. Von 2011 bis 2015 eröffneten Vertriebsleute von Wells Fargo ganze zwei Millionen Konten im Namen von Kunden, die davon nichts wussten.

Und jetzt die Anklage gegen die KPMG-Mitarbeiter.

22.01.2018
PwC-CEO outed sich als Trump-Fan!

Prof. Dr. Norbert Winkeljohann ("My name is Norbert") ist bekanntlich Deutschland+Europa-Chef von PwC, dem deutschen Branchenprimus mit über 2 Mrd. € Jahresumsatz.

In einem Zeitungs-Interview am vergangenen Freitag nahm er recht mutig auch Stellung zum 1-jährigen-Präsidentenjubiläum von Donald Trump und wünschte sich eine "ähnliche Reformfreude auch in Deutschland" wie sie zur Zeit in den USA umgreife.

Zur skandalösen Milliardärs-Steuerreform und unverschämten "Umverteilung von unten nach oben" meinte er:

  • Bei aller Kritik: "Was jetzt durch die Steuerreform auf den Weg gebracht wurde, ist ein Konjunkturprogramm für die amerikanische Wirtschaft, das seine Wirkung nicht verfehlen wird."
  • und "man solle sich Trump ... zum Vorbild nehmen."

Klartext:

Herr Kollege Winkeljohann - Was war das denn? - Ein Musterbeispiel für die "Unabhängigkeit" von Wirtschaftsprüfern (§ 43 I WPO)!? Man redet als Big4-Chef dem Finanzkapitalismus nach dem Mund, hofiert die Geldindustrie und die Selbstbedienermentalität der US-Milliardäre im Trumps Regierung und dessen Umfeld.

Oder meinte "Norbert" etwa, dass man sich einen Mauerbau vielleicht als Konjunkturbelebung in Deutschland zum Vorbild nehmen solle?

Fest steht: Winkeljohann kann sich auf sein alsbaldiges millionenschweres Pensionärs-Dasein freuen, hat sicherlich eine gute Krankenversicherung und braucht keine vier Jobs um seine Familie "durchzubringen"!

Vielleicht schafft er es ja auch einmal (mit seinem Freund Christian Wulff) zu einer Partie Golf mit "Donald" in Florida oder zu einer privaten Audienz im Trump-Tower.

Manchmal ist es wohl besser, wenn man einfach nur die "Klappe hält"!

19.01.2018
Das IDW und das Kartellrecht

Es fängt eigentlich ganz harmlos an:

  • "Das ist eine rein vorsorgliche Maßnahme und führt die bestehende Praxis des IDW in einen dokumentierten Rahmen über."
  • "Hintergrund dieser Entscheidung ist die Debatte um etwaige Kartellverstöße in verschiedenen Industriezweigen und die Rolle betroffener Verbände."

So, da muss man erst einmal drüber nachdenken! - Was hat dies mit dem Berufsstand zu tun und wieso steht dies nur im "Mitglieder-Bereich" der IDW-Website?

IDW Vorstand und IDW Verwaltungsrat haben im September 2017 die "Einrichtung eines kartellrechtlichen Compliance Programms im IDW e.V." beschlossen.

Dieses Programm basiert u.a. auf folgenden Dokumenten:

  • Kartellrechtliche Compliance beim IDW (Kurzbeschreibung)
  • Kartellrechtliche Compliance - Organisation und Berichtswege im IDW (Schaubild)
  • Kartellrechtliche Compliance-Leitlinien IDW

Die Compliance-Leitlinien richten sich hierbei an alle IDW-Mitarbeiter und Gremienmitglieder, denen über mehrere Seiten "kartellrechtlich verbotene Verhaltensweisen" beispielhaft vor Augen geführt werden.

Hierbei geht es u.a. über

  • unzulässige "Verständigungen",
  • unzulässigen Informationsaustausch zwischen Wettbewerbern,
  • Verbandsempfehlungen und
  • Mitarbeit an Standardisierungsvorgängen.

Eindringlich werden schließlich Handlungsanweisungen für Gremienmitglieder für die Teilnahme an Sitzungen abgegeben ("vor -, während -, nach - und am Rande von Sitzungen")!?

Und jetzt mal Klartext:

  • Scheint man jetzt erst beim IDW e.V. verstanden zu haben, dass der Lobbyverein des Big4-Oligopols bei genauerer Betrachtung die Schaltstelle des Big4-Kartells sein könnte und verboten gehört?
  • Ist die Präsenz der Big4-Vertreter in IDW-Ausschüssen und Gremien vielleicht gar der "Dreh- und Angelpunkt" des Kartells?
  • Werden beim IDW etwa kartellrechtlich relevante Absprachen unter den Big4 getroffen?

Ereilen das IDW jetzt etwa Ängste und Zweifel, ob den Big4 nicht der ganze IDW-Verein kartellrechtlich "um die Ohren fliegen kann?"

Aber "rein vorsorglich" legt man schon einmal ein "Compliance-Programm" auf, um mit diesem Feigenblatt jedwede Zweifel im Keim ersticken zu können!?

Was ich mir jetzt denke:

Dann müsste jetzt nur noch eine der Big4-Gesellschaften den Mut haben und aus dem Kartell aussteigen, Beweismaterialien auf den Tisch legen und für sich die "Kronzeugenregelung" in Anspruch nehmen.

Zu waghalsig gedacht? 

17.01.2018
Geldwäsche: nix sehen, nix hören, nix sagen!

Auf rund 1,5 Billionen Dollar weltweit schätzt das "Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung" den Schaden, den Geldwäsche global anrichtet.

Der deutsche Immobilienmarkt ist mit einem Transaktionsvolumen von 250 Mrd. €/p.a. dabei einer der attraktivsten Anlageplätze für das schwarze Geld und damit ein "Hochrisikosektor" für internationale Geldwäsche! Experten des BKA und von Deloitte schätzen, dass gut zehn Prozent, also 25 Mrd. €/p.a. aus Geldwäschegeschäften herrühren.

Gemeldet werden dubiose Deals von den Beteiligten aber kaum: Nicht einmal 3 % aller angezeigten Geldwäscheverdachtsfälle stammten aus dem Immobiliensektor. Branchenexperten glauben, dass Makler ihren Sorgfalts- und Meldepflichten gar nicht nachkommen.

Warum Makler dennoch nichts unternehmen, begründen sie so: Ein Drittel sagt, sie seien unsicher gewesen, ob der Verdacht tatsächlich stichhaltig war. Mehr als jeder Vierte will mit solchen Anzeigen lieber nichts zu tun haben, weil er findet, die Bekämpfung der Geldwäsche sei Sache des Staates – nicht seine. Nur jeder Zehnte dagegen glaubt, dass eine Anzeige ohnehin nichts bringen würde, weil der Fall strafrechtlich ins Leere liefe.

Der Hauptgrund für das Schweigen der Makler aber liegt woanders: Über die Hälfte der Makler fürchtet, der Immobilienverkauf würde scheitern, wenn er den Verdacht meldete. Sie wollen sich schlicht nicht die Provision entgehen lassen. Manche antworten auch: Wenn ich das Geld nicht nehme, dann tut es sicherlich einer meiner Kollegen.

"Die 25 Mrd. € Schwarzgeld, über die wir reden, stammen zu mindestens 70 % aus Steuerhinterziehung. Dies hat inzwischen hierzulande ein Ausmaß erreicht, das können Sie sich nicht vorstellen", so BKA-Experten. Die PANAMA- und PARADISE-Papers vermittelten nur eine grobe Ahnung davon.

Geldwäscheexperten sagen deshalb: "Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Wirtschaftskriminalität hierzulande geduldet wird."

Das Hauptproblem im Immobiliensektor ist, dass es kein zentrales Immobilienregister gibt. Der Name des Eigentümers wird zwar ins Grundbuch eingetragen, dort kann aber genauso eine Briefkastenfirma stehen, die ihren Sitz in einer Steueroase hat. Zudem gibt es hierzulande 214 amtliche Grundbücher (!), in jeder Kommune eines. Sie liegen zwar alle digital vor, doch verknüpft sind sie nicht. Wenn Strafverfolgungsbehörden nun nach einem bestimmten Verdächtigen suchen, müssten sie alle 214 Grundbücher einzeln abklappern.

Fazit: Auch schmutziges Geld sorgt für gute Geschäfte – deshalb ist die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität hierzulande in Wahrheit so wenig ausgeprägt.

Eine Frage hab ich noch:

Wie viele Geldwäscheverdachtsfälle wurden in 2016 von Wirtschaftsprüfern gemeldet?

Antwort: Exakt ZWEI! - Wohl ein Treppenwitz!

08.01.2018
Die unverschämte Nötigung des IDW

Die Bilanz der Facharbeit des IDW für 2017 ist katastrophal und die Blamage perfekt:

  • gesetzwidrige Verlautbarungen zum Bestätigungsvermerk (BSV),
  • falsche Bestätigungsvermerke 2016 für alle kapitalmarktorientierten Unternehmen (PIE),
  • komplettes Scheitern bei der Schaffung ISA-kompatibler Prüfungsstandards,
  • europarechtswidrige Forderungen zur Qualitätssicherung im QS 1 und
  • verantwortungslose Facharbeit zu Prüfungsbericht und BSV 2017!!!

Damit hat das IDW jedweden Kredit verspielt und keinerlei Legitimation mehr, "fachliche Regeln" von "hohem normativen Charakter" einem freien Beruf auf nationaler Ebene vorzugeben.

Jegliche Glaubwürdigkeit ist verspielt!

Die Berufsaufsicht und auch die Politik hätten längst eingreifen und das IDW in seine Schranken weisen müssen!

Die Schaffung "fachlicher Regeln" kann in Deutschland nicht Sache eines "eingetragenen Vereins" sein - dies ist ja wohl ein Treppenwitz.

Offensichtlich ist der Lobbyverein der Big4 völlig überfordert und sind die Big4 desinteressiert, da man sich ohnehin in den letzten Jahren vom unlukrativen Prüfungsgeschäft abwendet und zum geldgierigen "ich kann alles-Berater" entwickelt hat!

Solch eine Schlamperei hat es in der Geschichte der Facharbeit im wirtschaftsprüfenden Beruf noch nicht gegeben. Das IDW ramponiert das Ansehen des Berufsstandes und macht den kompletten Berufsstand lächerlich!

Oder steckt da Absicht hinter?

Das IDW verfällt plötzlich in Hyperaktivität und versucht zu flicken, wo es gerade geht. Jedoch ohne Augenmaß und Orientierung.

Und jetzt kommt der Knaller:

Die Unverschämtheit des IDW besteht auch noch darin, dass man die Lösung für das angerichtete Chaos hinter einem "exklusiven Zugang zum Mitgliederbereich" des Vereins verbirgt und neuere Facharbeit ausschließlich "exklusiv und vorab nur für IDW-Mitglieder" herausgibt. Das Ganze dann auch noch mit strengem Copyright - Ein Witz!!!

Also:

Wer seinen Beruf "gewissenhaft" ausüben und sich auf dem aktuellen Stand halten will, wird somit zu einer teuren Mitgliedschaft im Lobbyverein genötigt!!! Hiermit finanziert man dann auch dieses angerichtete Chaos in der Facharbeit und die arrogante Berufspolitik der Big4.

Die WPK schaut hierbei teilnahmslos zu, als hätte man mit all dem NICHTS zu tun.

Ein weiteres Kapital aus dem Drehbuch: "Ein (ehemals) elitärer Berufsstand schafft sich selber ab!"

05.01.2018
Die Big4 können einfach alles!!!

Schaut man sich die von den Big4 nur an einem einzigen Tag in den Printmedien und Online-Diensten abgesetzten Meldungen (hier 02.01.2018) einmal genauer an, so kommt man aus dem Staunen nicht heraus:

KPMG:
Neue Chancen, Tourismus und Landwirtschaft miteinander zu vernetzen!

"Verluste bis 18 Milliarden Euro bei HSH Nordbank sind realistisch"

PWC:
Zwei Drittel der Deutschen bevorzugen Markenprodukte

Experten sehen Anzeichen für Abwanderungswelle bei Bankkunden

Bürger sorgen sich um die Qualität der Pflege in deutschen Heimen

Mehr Kundenzufriedenheit, Wachtum und Digitalisierung

EY
Industrie 4.0-Technik verbreitet sich eher schleppend

Geht es Ihnen wirklich schlechter als vor zehn Jahren?

1,8 Millionen neue Arbeitsplätze in der Eurozone

Mittelstand erwartet lang anhaltenden Aufschwung

Wertvollste Unternehmen: Chinesen auf dem Vormarsch

Wie es der katholischen Kirche in Deutschland finanziell geht

Europäischer Automarkt wächst überdurchschnittlich

Wovor die Menschen in Deutschland 2018 am meisten Angst haben?!

Deloitte
Diese Technologien sollen 2018 massentauglich werden

Mehr KI und Live-Events: Was laut Deloitte 2018 auf uns zukommt

Digitalagenturen: Das waren die Highlights 2017

Legen sie das Telefon mal einen Tag zur Seite

Cyberattacken kosten rund 50 Mrd. Euro p.a.

Markteinbrüche von bis zu einem Drittel

Na, ist doch toll! - Die Big4 wollen jedem sagen:

Wir wissen alles (auch schon im voraus) und wir können alles.

Rufen Sie an, denn wir sind für alles zuständig!

Und jetzt mal Klartext:

Dieses Medientheater der Big4 in der Öffentlichkeit und dieses Anbiedern bei Wirtschaft und Politik ist mittlerweile unerträglich und gehört berufsrechtlich verboten!

Hier müssen die Wirtschaftsprüferkammer als Fachaufsicht und die Politik (BMWi) als Rechtsaufsicht endlich einschreiten. Dieses Medienspektakel ist mit der systemrelevanten Funktion von Wirtschaftsprüfern in der Wirtschaftsordnung nicht vereinbar!

05.01.2018
Kleeberg: Auch ein WPK-Vorstand ... (2)

Eines der beiden einzigen § 319a-Mandate von Crowe Kleeberg ist/war die

  • United Power Technology AG,

eine seit Juni 2011 im Prime-Standard-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse gelistete Holdinggesellschaft eines chinesischen Herstellers von Stromerzeugungsaggregaten und Wasserpumpen.

Der Aktienkurs fiel bis Mitte 2016 trotz ausgewiesener Gewinne aber negativem Cashflow auffällig vom Ausgabekurs 9 € auf unter 1 €.

Einzel- und Konzernabschlussprüfer 2015 war die Crowe Kleeberg Audit GmbH, die das Mandat von Deloitte übernahm, und für die Prüfung 131 TEUR liquidierte. Beide Abschlüsse wurden am 27. April 2016 uneingeschränkt testiert.

Mitunterzeichner der Testate: WPK-Vorstandsmitglied und Kleeberg-Gesellschafter-Geschäftsführer Karl Petersen.

Am 20.09.2017 veröffentlichte die Gesellschaft unerwartet folgende Mitteilung nach § 37q Abs. 2 Satz 1 WpHG.

Demnach hatte man zwischenzeitlich Besuch von der Deutschen Bilanzpolizei (DPR), die erhebliche Fehler im Konzernabschluss und Konzernlagebericht 2015 festgestellt hatte:

  • "Sonstige langfristige Vermögenswerte" in Höhe von 28,8 Mio. € (rd. 17,5 % der Bilanzsumme!) wurden unzulässigerweise aktiviert obwohl es sich um reinen Aufwand handelte!
  • Die diesbezügliche Darstellung im Konzernlagebericht war "irreführend" und verstößt gegen § 315 I 1 HGB!

Das sind ja schon "Knaller", die bei risikoorientierter Erstprüfung (IDW 261, 205) des "Chinesen-Abschlusses" hätten festgestellt werden müssen!

Und die Moral von der Geschicht:

  • Man kann noch so viele Kommentare schreiben, Lehraufträgen nachgehen und hohe Ämter bekleiden: Man ist nicht davor sicher, dass umtriebige Chinesen einen vielbeschäftigten Wirtschaftsprüfer "hinter die Fichte führen"!?
  • Vielleicht mangelte es dem WPK-Vorstandskollegen aber auch an der "kritischen Grundhaltung" in diesem lockenden lukrativen Neu-Mandat aus der 1. Liga?

Crowe Kleeberg hat nun ein § 319a-Mandat weniger, da man im Mai 2017 als Abschlussprüfer und Konzernabschlussprüfer gerichtlich abberufen wurde.

So erlebt auch WPK-Vorstandsmitglied Petersen einmal hautnah, wie die Marktbereinigung im Segment der § 319a-Prüfer durch die Big4 funktioniert.

Ob Kleeberg jetzt ein Problem mit der APAS oder der WPK hat oder gar eine "Inspektion" droht, darf sicherlich bezweifelt werden - schließlich ist man doch gut "vernetzt"!

Die APAS ist übrigens nicht nur die letztinstanzliche Fachaufsicht über die § 319a-Prüfer sondern auch die Aufsicht über die WPK.