Aktuelles

29.09.2017
KPMG-CEO beklagt den Verlust der Artenvielfalt

Wie im Newsletter Nr. 55 (Dezember 2014) berichtete, wurde der Sprecher des Vorstandes der  KPMG, WP/StB Klaus Becker, im September 2014 zum Präsidenten der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) gewählt. In der Mitgliederversammlung 2017 am Donnerstagabend letzter Woche stellten sich Präsident Becker und der weitere Vorstand den rund 3500 Mitgliedern zur Wiederwahl und wurden in ihren Ämtern bestätigt.

Kollege Becker berichtete auf der Versammlung eindrucksvoll von Wilderern, die ihr grausames Geschäft trieben mit allem, was sich zu Geld machen lässt. Seien es Elefanten und Elfenbein, seien es Nashörner oder Tigerfelle. Dagegen anzukämpfen, ist eine Mission der ZGF, eines von rund 30 Projekten und Programmen, mit denen sich die Organisation aktuell befasst. 13 Millionen Euro hat die ZGF 2016 laut Jahresbericht in Naturschutzprojekte auf vier Kontinenten investiert – so viel wie nie zuvor.

"Der Verlust der Arten ist außerordentlich dramatisch“, sagt ZGF-Vorstandskollege und Biologe Schenck den Mitgliedern sehr eindringlich. "Noch gebe es genug intakte Lebensräume auf der Welt, doch der Flächenverlust gehe zu schnell" ergänze Präsident Becker. „Die ZGF ist extrem wichtig für die Welt“.

Aus schlecht informierten Kreisen des IDW ist zu hören, dass KPMG-CEO Klaus Becker für die 59. IDW-Arbeitstagung am 15. bis 17. November 2017 in Baden-Baden als Keyspeaker gewonnen werden konnte und vier Stunden zu dem Thema:

  • "Das Sterben der Artenvielfalt im wirtschaftsprüfenden Beruf am Beispiel des Einzel-WP und der Kampf gegen die Wilderer der Big4"

referieren wird.

Es soll eine entflammte Rede des Artenschutz-Präsidenten werden.

Im Anschluss an den Vortrag soll in Baden-Baden gleich auch die Einrichtung des "Institut für Artenschutz (IFA)" beim IDW beraten und beschlossen werden, "da es für Artenschutz im Berufsstand keinen Zeitaufschub mehr geben darf"!

Aufgrund seiner einschlägigen weltweiten Erfahrung soll Kollege Klaus Becker hier die Präsidentschaft übernehmen und die Ehrendoktorwürde erhalten. Prof. Klaus-Peter Naumann erhält am IFA einen Leerstuhl.

Jegliche Parallelen mit der Tierwelt sind rein zufällig.

28.09.2017
Kommen die Schlecker-WPs ungeschoren davon?

Wie wpwatch berichtete, wurden die Verfahren gegen die beiden EY-Wirtschaftsprüfer

  • WP/StB Prof. Dr. Klaus R. Müller, Lindau, und
  • WP/StB Lothar Arnold, Ravensburg,

im zur Zeit noch laufenden Strafprozess gegen den Ex-Drogerie-König Anton Schlecker und seine beiden Kinder wegen Bilanzbetrug abgetrennt. EY hatte seinerzeit die mutmaßlich falschen Schlecker-Bilanzen jeweils uneingeschränkt testiert.

Kurz nach Prozessauftakt wurden die Verfahren gegen die beiden EY-Kollegen durch geringe Geldauflagen in Höhe von 25.000 € bzw. 20.000 € eingestellt. Damit ist für beide Kollegen der strafrechtliche Teil beim LG Stuttgart erledigt. EY wird berufsgerichtlich nicht zu belangen sein, da nach deutschen Berufsrecht Verfahren immer nur gegen die "verantwortlichen Wirtschaftsprüfer" selbst angestrengt werden können.

Allerdings muss die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) nun nach Sichtung der Prozessunterlagen des LG Stuttgart prüfen, ob nicht noch berufsrechtlich gegen die beiden Kollegen vorzugehen ist. Die WPK wird hier von der APAS (frühere APAK) als höchste Fachaufsicht des Berufsstandes überwacht.

Die Chancen stehen für beide Kollegen sicherlich gut, dass die WPK nicht auch noch tätig wird. Die "Vorstandsabteilung Berufsaufsicht (VOBA)" ist unter Vorsitz des Vizepräsidenten der WPK, Dr. Hans-Friederich Gelhausen (PwC).

Prof. Dr. Klaus R. Müller hat übrigens seit Jahren einen Lehrauftrag an der Uni Ulm am Lehrstuhl von Prof. Dr. Kai-Uwe Marten, der seinerzeit Mitglied bzw. zuletzt auch Vorsitzender der APAK gewesen ist.

Also - beste Aussichten für die beiden EY-Kollegen, gegen diese geringen Geldauflagen aus dem Schlamassel absolut ungeschoren heraus zu kommen.

Alles klar?

27.09.2017
Was treibt Rödl eigentlich an?

Da denkt man doch, dass Rödl & Partner momentan genügend Probleme abzuarbeiten hat:

  • 98% der Geschäftsanteile liegen seit dem Tod des Gründers in Händen eines Nicht-WP,
  • Verlust des lukrativen DFB-Mandates nach Falschtestierung in 2015,
  • Hetz-Emails des weltweiten Kommunikationschefs Thorsten Widow gegen wpwatch und die
  • ständige Veröffentlichung mutmaßlich falscher Umsatzzahlen bei LÜNENDONK.

Rödl scheint offensichtlich vom Größenwahn getrieben zu sein. Man will unbedingt als "Global-Player" wie die Big4 wahrgenommen werden, veröffentlicht kaum glaubhafte Zahlen zur Geschäftsentwicklung und reagiert unmittelbar mit Mitarbeitermails, sobald wpwatch Zweifel an den veröffentlichten Zahlen äußert.

Der Unterschied ist jedoch:

Die Big4 können aus dem Vollen schöpfen und kaufen ein Spezial-Beratungsunternehmen und eine IT-Bude nach der anderen. Rödl kaufte 2013 das Beratungsunternehmen Intellium und meldete hierfür nach 3 Monaten Insolvenz an. Insider vermuteten wirtschaftskriminelles Handeln, da der Kaufpreis nicht gezahlt wurde und große Intellium-Beratungsmandate plötzlich von Rödl betreut wurden (wpwatch berichtete im Newsletter Nr. 40 darüber).

Wenn man schon kein IT-Beratungsunternehmen kaufen kann, so will man offensichtlich aber im Zeitalter von BigData und Digitalisierung in dem lukrativen Geschäftsfeld des IT-Consulting (nach außen hin) glänzen. Also meldete man binnen eines Monats 16 Partner und Mitarbeiter zu IDW-IT-Lehrgängen an, versichert an Eides statt, dass alle Aspiranten die Voraussetzungen für die Zusatz-Qualifizierung erfüllen und binnen kurzer Frist sind 88% der bundesweit neu eingetragenen "IT-Auditoren IDW" aus dem Hause Rödl!?

Da soll offensichtlich mit kleinem materiellem Einsatz (Seminar- und Registrierungsgebühren des IDW  insgesamt 3.650 €/Person für 6 Tage Lehrgangsdauer) im Hause Rödl ein Schein erweckt werden, der bei genauerer Betrachtung erhebliche Zweifel aufkommen lässt. - Und der oberste weltweite WP-Chef Martin Wambach ist gleich noch mit von der Partie!?

Eine Frage hab ich noch:

Prüft das IDW eigentlich die Zulassungsvoraussetzungen? Verschärfend kommt übrigens hinzu, dass alle Voraussetzungen für die Qualifizierung innerhalb der letzten beiden Jahre erfüllt sein müssen!?

Wer hat hier wem was bescheinigt?

 

Damit müssen das IDW und das Haus Rödl jetzt fertig werden.

Mein Tipp: Mehr Schein als Sein ist der falsche Weg!

Es geht um die Glaubwürdigkeit und die Reputation des gesamten Berufsstandes!

26.09.2017
Ein neues Ehrenamt für Prof. Marten

Man erinnere sich an die Zeit, als Prof. Dr. Kai-Uwe Marten, Uni Ulm, noch Mitglied der Abschlussprüferaufsichtskommission (APAK) und in 2016 gar deren Vorsitzender war.

Gemeinsam war er mit Ex-BFH-Präsident Dr. h.c. Wolfgang Spindler "ehrenamtlich" für die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) (§ 66a WPO a.F.) tätig und kassierte über Jahre hinweg hunderttausende Euro aus der vollen Kasse der WPK. wpwatch berichtete seinerzeit ausführlich darüber!

Dieser Job endete für Prof. Marten jedoch am 17.06.2016 mit der Überleitung der APAK in das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Aus zuverlässigen Quellen im Berufsstand wird berichtet, das Prof. Marten an ehrenamtlichen Tätigkeiten Gefallen gefunden hat und auch weiterhin einer "ehrenamtlichen" Tätigkeit nachgeht.

Dies betrifft jedoch nicht so äußerst lukrative Jobs wie bei der APAK, sondern den Fußballverein F.C. Memmingen 1907 e.V. Dort wurde er mit anderen "Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Öffentlichkeit" in einen neu gegründeten "Wirtschaftsbeirat" gewählt und übernahm dort gleich einmal den Vorsitz.

Aufgabe des Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates ist es, dass er "über sein Netzwerk Kontakte zu möglichen Unterstützern vermitteln soll."

Da werden das IDW, die WPK und insbesondere die Big4 Herrn Prof. Marten doch nicht hängen lassen - oder?

Berichtet wird übrigens auch, dass Prof. Marten gerne als Mitglied des Finanzausschusses des Fußballvereins am Wochenende am Eingang steht und dort die drei Euro Eintrittsgeld von den Zuschauern persönlich kassiert.

Das nenn ich echtes ehrenamtliches Engagement! - Hut ab!

Eine Vergütung des Vereins für dieses ehrenamtliche Engagement soll es übrigens nicht geben.

25.09.2017
Rödl und die inflationäre Zunahme der IT-Auditoren

Am 29.03.2016 vermeldete das IDW auf seiner Website die

  • "Schaffung einer neuen Spezialisierung zum IT-Auditor IDW".

In aufwendigen Broschüren wurden Zielgruppe und Voraussetzungen für die "Verleihung der Bezeichnung IT-Auditor IDW" erläutert. Eine dreiseitige "Prüfungsordnung", eine vierseitige "Richtlinie" sowie ein umfassender "Antrag auf Anerkennung zum IT-Auditor IDW" mit eidesstattlicher Versicherung vermitteln Respekt vor dieser "Qualifizierung" und lassen hohe Professionalität vermuten.

Allerdings: Man will nicht jeden! Die Latte für den "IT-Auditor IDW" hängt hoch!

Voraussetzung ist, dass man

  • mindestens 150 Tage Berufserfahrung in allgemeiner IT-Prüfung und IT-Beratung hat,
  • davon mindestens 50 Tage Berufserfahrung in IT-Prüfungen (IDW PS 330) mitbringt,
  • zwei jeweils 2-tägige IT-Seminare beim IDW besucht hat und
  • an einem zweitägigen "IDW-Qualifizierungskurs mit Leistungskontrolle" teilgenommen hat.

Reflektiert man diese Anforderungen vor dem Hintergrund praktischer Berufsarbeit, so ist es wohl vermessen, dass das IDW diese Spezialisierung insbesondere an die Zielgruppe der Wirtschaftsprüfer/innen richtet. Wirtschaftsprüfer/innen werden diese Voraussetzungen wohl kaum  erfüllen können!

Und jetzt der Knaller:

  • Schaut man sich nun das vom IDW im Mitgliederbereich der Website online geschaltete "Verzeichnis der IT-Auditoren" einmal genauer an, so waren dort per 10.07.2017 insgesamt nur 20 IT-Auditoren aus 16 verschiedenen Kanzleien registriert. Hierunter befand sich nur ein Wirtschaftsprüfer. Die große Mehrzahl der eingetragenen Auditoren sind Nicht-Berufsträger (CISA, CIA etc.). Ein gelisteter Auditor kam von Rödl & Partner.
  • Schaut man sich dasselbe Verzeichnis per 10.08.2017 an, so ist die Zahl der IT-Auditoren binnen Monatsfrist insgesamt um 18 Personen gewachsen, wovon alleine 16 Personen aus dem Hause Rödl stammen und davon acht Rödl-Auditoren WP sind!?!?

Selbst der ranghöchste WP-Chef in Hause Rödl, WP/StB Martin Wambach, konnte gegenüber dem IDW an Eides statt versichern, dass er trotz seiner übermäßigen Beanspruchung als weltweiter WP-Verantwortlicher von Rödl all die Anforderungen erfüllt hat und sich der IDW-"Leistungskontrolle" unterziehen darf.

Alle Achtung!!!??? - Dies wirft jedoch ad hoc viele Fragen auf und lässt erhebliche Zweifel aufkommen!

Fazit bis heute:

Gäbe es ein IT-Auditoren-Ranking in Deutschland, so wäre Rödl (endlich einmal) binnen Monatsfrist die "Nummer 1" geworden und hätte eine unschlagbare IT-Kompetenz!

18.09.2017
Hunderte falscher Testate in Umlauf!

Am 11.08. und 06.09.2017 berichtete ich bereits über "Das Chaos mit dem neuen Bestätigungsvermerk" und "Das IDW vergeigt die ISA-Übernahme".

Nochmals zur Erinnerung:

Am 16.12.2016 stellte das IDW mit dem EPS 400 n.F. den Mitgliedern und der Fachwelt einen neuen ISA-kompatiblen zweigeteilten Bestätigungsvermerk (BSV) vor, der ab 2016'er Geschäftsjahre für § 319a-HGB-Mandate (AREG) und für NON-PIE-Mandate ab 2017'er Rechnungslegung (APAReG) gelten sollte.

Auch die weiteren drei vorgestellten Entwürfe von Verlautbarungen des IDW ("fachliche Regeln" für den gesamten Berufsstand!) - IDW EPS 401, 405 und 406 - gehen jeweils von einem zweigeteilten Bestätigungsvermerk aus.

Dies ist gesetzwidrig, da § 322 I HGB verlangt, dass der Abschlussprüfer seine Prüfungsfeststellungen "in einem Bestätigungsvermerk" zusammenfassen muss.

Also zog der Vorstandssprecher des IDW (Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann) am 27. Juli 2017 die Reißleine, schickte eine E-Mail an alle IDW-Vereinsmitglieder und kündigte einen "alternativen Ansatz" und überarbeitete Entwürfe der EPS 400 - 406 des HFA an.

Vorstandskollege Dr. Klaus-Peter Feld legte im Mitgliederbereich der Website des IDW nach und kündigte gar einen kompletten "Modellwechsel" im Umgang mit den ISA an.

Hier zwei Beispiele für gesetzwidrige Testate von PwC bei § 319a-Mandaten aus dem eBanz:

  • TELEKOM AG (Einzelabschluss 2016) und
  • TUI AG (Jahres- und Konzernabschluss 2016/2017).

Fakt ist somit per heute, dass

  • § 319a-HGB-Prüfer (Big4 und 79 weitere Kanzleien!) für die Geschäftsjahre 2016 bzw. 2016/2017 ca. 2.000 gesetzwidrige und somit falsche Testate zu Jahresabschlüssen und Konzernabschlüssen erteilt und in Umlauf gebracht haben!
  • Berufskollegen/innen haben aufgrund des Chaos gutgläubig die Abschlüsse falsch testiert und
  • Aktionäre haben diese falsch testierten Abschlüsse/Konzernabschlüsse rechtswirksam (?) festgestellt.

Klar ist, dass alleine das IDW und der HFA hierfür die alleinige Verantwortung tragen und der Berufsstand hierbei "bis auf die Knochen" blamiert ist!

Eine Frage hab ich noch:

Was ist jetzt eigentlich zu tun?

  • Widerruf der falschen Testate gemäß IDW PS 400 Tz. 111 - 114 a.F.?
  • Entschuldigung und Buße beim Mandanten? oder
  • Klappe halten, Augen zu und durch?

Das IDW und seine Theoretiker sowie der HFA unter Vorsitz von PwC haben jedwede Glaubwürdigkeit und Legitimation zur Aufstellung fachlicher Regeln verloren!

Dies muss personelle Konsequenzen haben!

Noch eine Frage:

Was macht jetzt eigentlich die Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS)?

29.08.2017
GESUCHT: Deutschlands beste Wirtschaftsprüfer 2018

Na, endlich! - Nachdem bereits seit Jahren "die besten Steuerberater", "die besten Scheidungsanwälte" und "die besten Fussärzte" in den Medien jährlich prämiert werden, sind nun auch die Wirtschaftsprüfer dran.

Das manager magazin sucht "Die besten Wirtschaftsprüfer 2018"!

Mit dieser Auszeichnung will das manager magazin "die Übersichtlichkeit des Marktes verbessern und diejenigen Wirtschaftsprüfer prämieren, die ihre Kunden mit herausragenden Leistungen überzeugen". Denn viele WPGs haben sich mittlerweile zu wahren Beratungsuniversalisten entwickelt.

Das manager magazin führt in Zusammenarbeit mit der "Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management und Beratung" (WGMB) zwei Studien durch:

  • eine zu den Besten unter den umsatzstärksten Gesellschaften in Deutschland - den "Champions" der Branche - und
  • eine zu mittelgroßen Anbietern, "die die Großen erfolgreich herausfordern" - den "Challengers".

Um eine Teilnahme an diesen Studien kann man sich nicht bewerben!

Grundlage der "Champions-Studie" bildet eine Befragung von Führungskräften großer Konzerne und mittelständischer Unternehmen. Für die "Challenger-Studie" hat das manager magazin 1000 Führungskräfte befragt und "einen exklusiven Kreis von Wirtschaftsprüfern herausgefiltert, die sich für die Teilnahme an der Endrunde qualifiziert haben."

IDW, WPK und die Lobbyisten der Big4 haben den Redakteuren sicherlich "gute Vorarbeit" geleistet!?

Na, dann freuen wir uns doch schon einmal auf die (nicht überraschenden) Ergebnisse dieser "Studie"!

Zur Erinnerung:

Der Berufstand der Wirtschaftsprüfer wurde im September 1931 vom Gesetzgeber aus der Taufe gehoben und erhielt eine "systemrelevante Aufgabe in der Wirtschaftsordnung": Die Aufdeckung  von Falschbilanzierung und Verhinderung von Betrügereien an den Börsen! - In Aufarbeitung der Weltwirtschaftskrise 1929/1930.

Mit Hinblick auf das Versagen des Berufsstandes bei der Finanzmarktkrise 2008 werden nun vom manager magazin wohl eher die besten "Berater" unter den Wirtschaftsprüfern gesucht!? Die systemrelevante und damit hoheitliche Aufgabe der Wirtschaftsprüfer spielt hierbei dann keine Rolle mehr.

Wichtiger ist es offensichtlich, dass man unter der Monstranz von Siegelführung, Verschwiegenheit und Unparteilichkeit lukrative Beratungsaufträge für die Wirtschaft und die Politik abwickelt und dort punktet!

Dann suchen Sie doch demnächst auch gleich "Die beste Berufsfeuerwehr Deutschlands" oder "Die beste Polizeistation NRWs"!?

Verkehrte Welt!

29.08.2017
pdf-Prüfungsberichte: Keiner weiß Bescheid!

Der gestrige Beitrag über die Berichterstattung (§ 321 HGB) im pdf-Format bewegte die Gemüter vieler Kollegen/innen, die ebenfalls ihren Unmut über das Geeiere von IDW, WPK und den Versicherern äußerten.

Bereits am Vormittag erreichten wpwatch über zwanzig Zuschriften!

Ein Düsseldorfer Kollege versuchte zuletzt, die Problematik im Alleingang zu lösen und berichtete wie folgt:

"Hallo Herr Hildebrandt,

  1. Beim IDW kann man eine Bilddatei seines Siegels bestellen (s. Bestellung Siegel.png).
  2. Lt. telefonischer Auskunft soll man diese Datei incl. der gescannten Unterschrift in die Word-Datei des Berichts einfügen.
  3. Daraus sollte man dann eine pdf-Datei erstellen.

Das hat aber nun gar nichts mit einer "elektronischen Unterschrift/Siegel" zu tun. Das ist vom IDW nur simple „Word“-Spielerei und juristisches BlaBla.

Zuständig für eine richtige elektronische Unterschrift ist beim IDW Frau Müller (Name geändert, ist der Redaktion bekannt).

Für eine richtige elektronische Unterschrift/Siegel muss man bei einer (von der Bundesnetzagentur akkreditierten) Zertifizierungsstelle wie

https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Service-Funktionen/ElektronischeVertrauensdienste/QES/WaskanndieSignatur/waskanndiesignatur-node.html

  • Bundesnotarkammer (nicht von der Bundesnetzagentur akkreditiert, aber vom IDW empfohlen) oder
  • Bundesdruckerei (D-Trust)

ein Siegel (sprich Verschlüsselungspaar) und entsprechende Software erwerben und nutzen.

Das funktioniert wie folgt:

  1. Die Originaldatei des Berichts incl. Siegel und Unterschrift (s.o.) wird verschlüsselt und ein Hash-Wert ermittelt.
  2. Eine Kopie der Originaldatei und der verschlüsselten Datei wird an den Empfänger gesandt.
  3. Dieser kann nun (mit Hilfe der Zertifizierungsstelle) ermitteln, ob die Originaldatei der verschlüsselten Datei entspricht.
  4. Wenn dies der Fall ist, kann der Empfänger des Berichts davon ausgehen, dass er den originalen Bericht in Händen hält.
  5. Vgl. https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Service-Funktionen/ElektronischeVertrauensdienste/QES/WaskanndieSignatur/RechtsverbindlicheUnterschriftschnellsicheronline/rechtsverbindlicheunterschriftschnellsicheronline-node.html

Nicht gewährleistet ist dabei, dass der Wirtschaftsprüfer anschließend weiß, an wen die Berichte versendet wurden!?

Bei der Weiterleitung (z.B. per MVP-Portal an die BaFin bei FDI-Berichten) ergeben sich Schwierigkeiten, da nur 1 Datei (ohne 2.verschlüsselte Datei oder Hash-Wert) übermittelt wird.

„Lustig“ finde ich es auch, dass die WPK als „Zertifizierungsstelle“ angefangen hat (schon länger her), dann aufgegeben und an die Datev weitergleitet hat.

Diese wiederum hat ihre Akkreditierung am 6.4.2017 zurückgegeben (s. Ehemalige.png).

Was machen WPs jetzt?

Man könnte reden mit

-       WPK (wer war damals dafür zuständig, warum wurde an Datev übergeben?)

-       Datev (Warum wurde Akkreditierung zurückgezogen?)

-       IDW, "Frau Müller" (Wieso wird Bundesnotarkammer empfohlen, wenn nicht akkreditiert?)

-       Bundesnotarkammer (Warum nicht akkreditiert?)

-       Bundesnetzagentur (Kontakte Bundesnetzagentur.png) (Empfehlungen für weiteres Vorgehen?)"

Alles klar?

Und jetzt mal Klartext:

Es ist - verdammt nochmal - nicht Aufgabe einzelner IDW-Vereins-Mitglieder oder WPK-Zwangsmitglieder, dieses von IDW und WPK angerichtete Chaos zu entflechten.

Ich will hier gar nicht die Frage stellen, was die Qualitätskontrollprüfer den Kollegen/innen beim nächsten peer review erzählen werden und wie besserwisserisch die KfQK auftreten wird!

Nach dem Chaos mit dem neuen Bestätigungsvermerk (wpwatch berichtete) gibt es also auch ein Chaos beim Prüfungsbericht im pdf-Format!

Wie will man seitens der WPK und dem IDW diese Eierei eigentlich der Öffentlichkeit vermitteln?

28.08.2017
Prüfungsberichte als pdf-Dokumente - wie geht's!?

Gerne redet der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer, allen voran die Big4, von "Big Data", "digitalem Zeitalter" und "papierloser Prüfung". In der Umsetzung dieser Herausforderungen beim Mandanten sehen viele Kollegen/innen ein nicht unerhebliches Honorarpotential.

Doch wenn es um die Ausfertigung von Prüfungsberichten als pdf-Dokument geht, wird von IDW, WPK und den Versicherern (Wiesbadener Versicherungsstelle, HDI Gerling etc.) nur rumgeeiert.

Weder gibt es qualifizierte fachliche Regeln des IDW (PS 450) noch brauchbare Praxishinweise der Berufsaufsicht (WPK). Auch Anfragen von PR1MUS bei den Versicherern endeten alle mit dem Hinweis, dass solche pdf-Berichtsexemplare aus haftungsrechtlichen Gründen kein Siegel und keine Unterschrift tragen dürften. Vielmehr sollte auf jeder Seite erkennbar sein, dass es sich um ein "elektronisches Exemplar" handeln würde!?

WPK-Vorstandsmitglied Kollegin Bruckner (BDO) und Kollege Peters (Dr. Kleeberg) überraschten die erstaunte Fachwelt, als sie auf der Website der WPK vor wenigen Wochen die "elektronische Signatur" und die "elektronische Siegelung" durch Grafikdatei vorstellten. Liest man jedoch die einschlägigen Kommentare zum HGB und zur WPO, so wird hier eindeutig bei der Erfüllung des Werkvertrages  (mindestens) ein "Testatexemplar" des Prüfungsberichtes mit persönlichen Unterschriften und Siegelführung (§ 48 WPO) unter den Prüfungsbericht und den Bestätigungsvermerk verlangt. Auch der IDW PH 9.450.2 ("Wiedergabeexemplar") hilft hier nicht weiter!

Offensichtlich gibt es zu dieser wichtigen Frage der Berufsausübung keine einheitliche Meinung in Facharbeit und in den Gremien von IDW und WPK.

Wo sind die "fachlichen Regeln" des IDW und die aussagefähigen "Praxishinweise" der WPK???

Anstatt den Berufstand ständig nur zu "beaufsichtigen" und Überregulierung zu veranlassen sollte man hier endlich mal ein eindeutiges und verbindliches Regelwerk (mit Mustern und Formulierungshilfen!) schaffen.

Zum Schluss ein Beispiel "aus der Praxis" bzw. von der Website der Deutschen Bilanzpolizei (DPR). Schauen Sie doch einmal, wie "die Jungs" von FGS aus Berlin das Thema abhaken!? - Siegel, Unterschrift und ein Hinweis, dass alles nur eine "unverbindliche elektronische Kopie" ist.

Was ist denn jetzt richtig?

11.08.2017
Merck verlagert Teile der Finanzabteilung ins Ausland

Der Chemie- und Pharmakonzern Merck verlagert einen Teil seiner Finanzabteilung ins Ausland. Ein großer Teil der Tochter "Merck Accounting Solutions & Services Europe" wird vom Unternehmenssitz in Darmstadt ins polnische Breslau sowie in die philippinische Hauptstadt Manila verlagert werden.
In der betroffenen Tochterfirma bündelt Merck das finanzielle Shared-Service-Center der Gruppe für Europa. Laut Merck sollen 135 Stellen aus der Buchhaltung und aus dem Rechnungswesen bis Ende 2020 in Darmstadt gestrichen werden. Der Accounting-Bereich ist Teil der neuen Dienstleistungseinheit "Merck Business Services".

Durch die Schaffung der neuen Einheit erhofft man sich einen übergreifenden Ansatz für die Bereiche Finanzen, Personal, IT und Einkauf zu schaffen. Auf die Idee kam wohl Finanzvorstand Marcus Kuhnert (CFO), der zuvor beim Konsumgüterkonzern Henkel arbeitete,  der unter den Dax-Konzernen als einer der Pioniere im Outsourcing in Shared-Service-Center gilt.

Manila, wo Merck Accounting Solutions offenbar zu weiten Teilen hin verlagert werden soll, gilt als eine der globalen Drehscheiben in diesem Bereich. In Breslau hatte Merck bereits in 2013 ein Shared-Service-Center für das Personalwesen eröffnet.

Fazit:

Wie bereits bei wpwatch berichtet, ist der internationale Trend wohl unverkennbar: Outsourcing auf fremde Dienstleister und/oder Bündelung von Standardprozessen in lohngünstige Shared-Service-Center.

Allianz will die komplette Steuerabteilung auslagern, General Electric (GE) hat jüngst seine 600-Mitarbeiter-starke Steuerabteilung komplett auf PwC übertragen. Weitere Unternehmen werden folgen ....