Aktuelles

30.01.2018
Schlecker bleibt Schulden-Milliardär

Dem früheren Drogerieunternehmer Anton Schlecker werden Schulden in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro nicht erlassen. Schlecker hat seinen Antrag auf Restschuldbefreiung (§§ 289 ff. InsO) selbst wieder zurückzogen.

Die Restschuldbefreiung sieht vor, dass ein Gläubiger sechs Jahre nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens von seinen Schulden befreit werden kann, wenn er diese nicht begleichen kann.

Schlecker hatte seinen Antrag jedoch zurückgenommen, um seinen Gläubigern zuvorzukommen. Denn einige von ihnen hatten vor, ihrerseits dagegen vorzugehen, dass Schlecker künftig als schuldenfreier Mann leben kann. Der Widerspruch von Gläubigern war möglich, da Schlecker im November 2017 wegen Bankrotts zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden sei. Das Gesetz sieht vor, dass die Restschuldbefreiung versagt werden kann, wenn ein Schuldner zu mehr als drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Dazu genügt es, dass ein einziger Gläubiger einen sogenannten Antrag auf Versagung der Restschuldbefreiung stellt.

Insofern werden sich wohl noch einige frühere Geschäftspartner an Schleckers Versprechungen kurz vor Insolvenzeröffnung oder auch an die im Rahmen des Strafprozesses aufgedeckten millionenschweren Vermögensverschiebungen innerhalb der Familie erinnert haben.

Für Schlecker bedeutet dies, dass er kein Vermögen mehr aufbauen kann, sondern künftig alle zwei Jahre seine Vermögenswerte offenlegen muss, um darzulegen, dass er die Forderungen der Gläubiger nicht erfüllen kann.

Über die uneingeschränkten Testate von EY bezüglich der jahrelangen Falschbilanzierung im Hause Schlecker redet heute niemand mehr. Die Verfahren gegen beide Wirtschaftsprüfer wurden gegen geringe Geldauflagen eingestellt.

30.01.2018
GUCCI und die Gehaltszahlungen aus der Steueroase

Die italienische Nobelmarke Gucci gilt als eine der begehrtesten Luxusmarken der Welt. Und Dank Marco Bizzarri auch als eine der profitabelsten. Deshalb hat es Bizzarri auch vom Liebling an den Laufstegen zum Liebling der Analysten geschafft.

Aber wo Licht ist, gibt es auch Schatten:

Erst letztes Jahr durchwühlte die italienische Finanzpolizei drei Tage lang Büros und Ateliers von Gucci. Das Unternehmen soll Steuern in Höhe von 1,3 Milliarden Euro hinterzogen haben.

Bei dieser Gelegenheit kam ganz beiläufig heraus, dass in Absprache mit der Konzernmutter Kering in Paris Gucci-Chef Bizzarri mit Steuertricksereien offenbar jahrelang auch höchstselbst den Staat um Millionen betrogen hatte. Das gemeinsame Ziel bestand darin, dem Gucci-Boss ein Nettogehalt von über acht Millionen Euro - steuer- und abzugsfrei!!! - zu zahlen. Warum soll in der Mode nicht gehen, was im Fußballsport gang und gäbe ist!?

Also griff man in die Trickkiste und bediente sich einer Luxemburger Briefkastenfirma und eines vorgegebenen Schweizer Wohnsitzes.

Bizzarri hatte zwei Arbeitsverträge - neben einem Vertrag mit Gucci in Italien (über 2 Mio. € Jahressalär) einen zweiten mit der Briefkastenfirma Castera in Luxemburg. Von ihr erhielt er sechs Millionen Euro im Jahr, die weder in Luxemburg noch in Italien versteuert wurden. Stattdessen hatte sich Bizzarri im Schweizer Tessin angemeldet, wo er pauschal lediglich eine niedrige sechsstellige Summe im Jahr zahlen musste. De facto versteuerte Bizzarri damit nur sein italienisches Gehalt, wegen des Schweizer Wohnsitzes aber auch das noch zu einem vergünstigten Satz.

Also brennt bei Gucci momentan "die Hütte" und die Analysten sind "not amused!"

Alle Gucci-Mitarbeiter erfahren nun auch einmal hautnah etwas über die "Vorbildfunktion des Vorstands" in einer Glitzerwelt. Gerade die Geringverdiener im Haus Gucci sind von ihrem Chef ganz "beeindruckt"!

Wieder ein Erfolg investigativer Journalisten über die Arroganz und Borniertheit von "Eliten", die offensichtlich der Meinung sind, dass Gesetze immer nur für andere geschrieben werden.

29.01.2018
Kleeberg und die "China-Bude"

Aufgrund der Berichterstattung von wpwatch über das § 319a-HGB-Kleeberg-Testat für die "China-Bude" kamen etliche Hinweise von Kollegen/innen:

wpwatch berichtete am 09.01.2018 über eine in der Kleeberg-Gruppe nicht nachvollziehbare Besetzung eines angestellten Wirtschaftsprüfers als auftragsverantwortlichem Abschlussprüfer bei einer risikobehafteten Abschlussprüfung im 319a HGB Segment, mit der Folge einer DPR Feststellung und der anschließenden Mandatsniederlegung.

Es wurde mehrfach die Frage gestellt, warum z.B. Herr Prof. Dr. Christian Zwirner, Gesellschafter und Geschäftsführer der Kleeberg Gruppe, nicht als Abschlussprüfer ins Rennen geschickt wurde.

Antwort:

Herr Prof. Zwirner ist stark mit Aus- und Fortbildung beschäftigt. Außerdem veröffentlicht er jedes Jahr Dutzende Fachaufsätze, nimmt Lehraufträge an verschiedenen Universitäten (darunter bei Prof. Marten in Ulm) wahr und ist geschätzter Referent auf Kongressen und Verbandstreffen. Er ist somit wohl eher für die mediale Außendarstellung von Kleeberg zuständig

Aber: Prof. Zwirner ist seit Jahren als auftragsverantwortlicher Abschlussprüfer bei der Einbecker Brauhaus AG in Einbeck, einer kleinen Stadt in Niedersachsen (mittelgroße Kapitalgesellschaft, Prüfungshonorar ca. TEUR 45), tätig.

Viele Kollegen/innen vermuten, dass Kollege Zwirner für sich wohl eine optimale Chancen-Risiko- Relation in Bezug auf das Tätigkeits- und Mandatsportfolio gefunden hat. Es besteht folglich kein Anreiz, Reputations- und Haftungsrisiken in § 319a HGB Prüfungen der Kleeberg Gruppe einzugehen.

Diese Aufträge überlässt man lieber jungen Wirtschaftsprüfern wie dem Kollegen Nagengast, weil "man den Braten mit den Chinesen vielleicht vorher bereits gerochen hatte".

Klartext: Niemand würde unter Risikoabwägungen das Prüfungsmandat der Brauerei gegen die "China Bude" eintauschen.

Fazit:

Es ist in der klassischen Abschlussprüfung vermehrt zu erkennen, dass sich neben einer vermeintlichen "WP-Elite" eine "Gruppe zweiter und dritter Klasse" herausgebildet hat, meist jung und wenig berufserfahren, kaum Chancen auf eine Kanzleibeteiligung, die in den Prüfungen "verheizt" werden, bis man sie austauscht und wiederum durch jüngere Kollegen ersetzt.

29.01.2018
IKEA und die lästigen Steuern

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist am Wochenende im Alter von 91 Jahren im Kreise seiner Lieben  gestorben. Er hinterlässt drei Söhne und ein multinationales Unternehmen mit rund 34 Milliarden Euro Jahresumsatz, 355 Warenhäusern sowie 149.000 Mitarbeitern.

In Erinnerung werden nicht nur seine grandiose unternehmerische Leistung beim Aufbau des weltweit größten Möbelherstellers und -verkäufers, sondern auch sein "gespaltenes Verhältnis" zum Steuernzahlen bleiben.

Ikea war das Lebenswerk des Ingvar Kampvard vom Bauernhof Elmartyd beim Dorf Agunnaryd in Südschweden. Er galt als "sonderbar", auffällig bescheiden, clever und zurückhaltend. Das Familienvermögen der Kamprads, verteilt über drei Stiftungen, wird auf über 40 Milliarden Euro geschätzt.

Kamprad hatte Schweden 1973 verlassen. Seit 1976 lebte er in der Schweiz, weil er nach eigenen Angaben die hohen Steuern in seiner Heimat nicht zahlen wollte. Nach dem Tod seiner Frau Margaretha im Jahr 2011 kehrte er 2013 nach Schweden zurück.

Für 2014 gab der Heimkehrer seine Einkünfte mit knapp 1,9 Millionen Euro an und zahlte darauf brav 640.000 Euro Steuern ( = 33,7 %) an die schwedische Steuerverwaltung. Seine Heimatstadt machte ihn sogleich zum Ehrenbürger.

IKEA ist durch die Lux-Leaks-Affäre im Jahr 2014 öffentlich ins Zwielicht geraten. Das Möbelunternehmen hatte es gemeinsam mit PwC in der Disziplin "Steuersparen" zu besonderer Meisterschaft gebracht.

Laut bei PwC enthüllten Dokumenten soll die Inter Ikea Holding etwa im Jahr 2010 aufgrund des PwC-Steuervorbescheids (tax ruling) ganze 48.000 Euro Steuern gezahlt haben - auf einen Gewinn von damals mehr als 2,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem sensationellen Steuersatz von 0,002 %.

Übrigens: Steuerparadiese nennt man auch "tax heaven".

Ob es jedoch im "heaven" überhaupt "tax" gibt, ist nicht überliefert.

Lieber Ingvar - jetzt hast Du für alle Zeit "tax free"! - Gute Reise!

Für die Steuer-Sparfüchse (und auch Steuerbetrüger) dieser Welt wird PwC sicherlich auch weiterhin ALLES geben - bis auch sie "tax free in heaven" haben!?

26.01.2018
Toll Collect-Skandal - die Fortsetzung

Über den milliardenschweren skandalösen Streit des Bundesverkehrsministeriums mit dem Betreiberkonsortium Toll Collect (45% Daimler, 45% Telekom & 10% Cofiroute) wegen des verspäteten Starts des LKW-Mautsystems in Deutschland wurde bei wpwatch bereits häufiger berichtet.

Das bereits seit über 6 Jahren laufende private Schiedsverfahren ist ein Treppenwitz:

  • "Star-Anwälte" von Freshfields & Co. haben bereits über 200 Mio. € (!!!) Honorare kassiert, Daimler und Telekom wollen keinesfalls Schadensersatz leisten und das Verfahren wird zielgerichtet (und honorarträchtig!) in die Länge gezogen.

Jetzt kommt die spannende Frage:

  • Wer soll das Lkw-Mautsystem ab August 2018 betreiben, denn der Betreibervertrag endet zu diesem Zeitpunkt?

Das Verkehrsministerium sucht einen Nachfolger für das derzeitige Konsortium - und will auch eine radikale Lösung für dieses unsägliche Schiedsverfahren. Jetzt hat man offensichtlich beschlossen, dass der Mautbetreiber Toll Collect zerschlagen werden soll.

Zuvor sollen aber die milliardenschweren Risiken aus dem langjährigen Rechtsstreit ausgelagert werden - ähnlich einer Bad Bank. Durch die Herauslösung der Risiken soll erreicht werden, dass der künftigen Mautbetreiber mit dem Rechtsstreit nichts mehr zu tun hat.

Hintergrund: Das Konsortium schaffte es erst mit fast eineinhalb Jahren Verspätung, das System im Januar 2005 in Betrieb zu nehmen. Die Bundesregierung verklagte Toll Collect auf mindestens sieben Milliarden Euro Schadensersatz wegen entgangener Mauteinnahmen. Die Betreibergesellschafter revanchierten sich mit einer Gegenklage wegen unzulässig einbehaltener Vergütungen.

Das Bundesverkehrsministerium bestätigte zwischenzeitlich, dass ein europaweites Ausschreibungsverfahren zur Vergabe der Toll-Collect-Geschäftsanteile laufe.

Und jetzt Klartext:

Dieses skandalöse Schiedsverfahren zeigt wieder einmal, wie selbst "kapitalmarktorientierte" Top-Vorzeigeadressen des deutschen Finanzkapitalismus (Daimler & Telekom) mit ihren elitären Anwalts-Gockeln den Staat und die Gesellschaft erpressen und vorführen.

Irgendwie kommen in mir Assoziationen zum VW-Abgasskandal auf, wo Millionen deutscher Autofahrer gezielt betrogen werden, die Politik untätig bleibt und die Lobbyisten hinter dem Vorhang applaudieren.

Lächerlich!!!

26.01.2018
Das IDW und die Welt im 21. Jahrhundert

Dachte ich doch schon, dass mir am Wochenende "voll langweilig" würde - keiner (außer mir) im Büro, keiner ruft mich an, alle Kinder aus dem Haus ... und dann passierte es:

Das IDW beglückte mich gestern mit einem 36-seitigen "Positionspapier" seiner "Arbeitsgruppe Trendwatch" zum Thema:

Ein erster Blick auf das professionelle Finish und das Inhaltsverzeichnis - und dann erst einmal tief durchatmen und dankbar sein:

  • mein IDW, wow - mein IDW!!! Was die alles können und (vorgeben zu) wissen.

Ganz wie die Big4 - unsere Alleswisser und Alleskönner. - Wieso sollte sich das IDW als Lobbyverein der Big4 auch anders verhalten!?

Das wird am Wochenende ganz schön hart für mich:

Erst die "Rahmenbedingungen" von Globalisierung, "Schwaches Wirtschaftswachstum" und "Demografischer Wandel" und dann geht es Sonntag in die "Herausforderungen" des Themas (Forschungsstandort, Steuersystem etc.). - Ein ganz schön anspruchsvolles  Wochenend-Programm!

Und das Ganze dann frei vorgetragen im Rahmen einer Inhouse-Veranstaltung zur puren Verwunderung all meiner Mitarbeiter! - Na, die werden sicherlich wegen all der sensationell neuen Informationen des IDW sehr überrascht sein!

Von alledem hatte man ja bisher in den Medien nie etwas gehört und gelesen! - Alles NEU und jetzt aktuell vom IDW entdeckt und für den Berufsstand aufbereitet! Eine neue Art der Facharbeit!

Deshalb hat das IDW jetzt "Trendwatcher". Diese spüren Mega-Trends auf, die jeder Wirtschaftsprüfer kennen muss (!) und "verarbeiten" diese Trends zu "Positionspapieren". - Toll diese "Trendwatcher"!

Aus gut informierter Quelle wird übrigens berichtet, dass etliche Exemplare des IDW-Trendwatcher-Positionspapiers bereits auf dem Weg ins Weiße Haus zu Donald Trump und zum Weltwirtschaftsgipfel nach Davos unterwegs seien!

Ach, Sie wollten jetzt noch wissen, wer unsere schlauen "Trendwatcher" im Berufsstand sind?

Na, dann klicken Sie doch mal hier.

Und jetzt mal Klartext:

Alles was in dem IDW-Positionspapier geschrieben steht, wurde bereits in den Medien zigfach "durchgekaut" und analysiert. Der Lobbyverein generiert sich als "Klugschwätzer"!

Jetzt wissen die IDW-Mitglieder wenigstens (wieder einmal) für welchen Unsinn die Mitgliedsbeiträge des Vereins verballert werden!

Schönes Wochenende!

Ach, noch eins: Aus Kreisen der Trendwatcher war zu erfahren, dass man z.Zt. an zwei weiteren IDW-Trendwatch-Positionspapieren arbeitet:

  • Nächtliches Kaufverhalten der Ü-75-Generation im Internet und
  • Fracking auf und unter Grönland - Chancen für die deutsche Wirtschaft!

25.01.2018
KPMG treibt ein falsches Spiel!

wpwatch berichtete bereits im April und August 2017 über das falsche Spiel von KPMG mit der amerikanischen Berufsaufsicht (PCAOB). Erst jetzt kommt der Skandal in den deutschen Medien an: das HANDELSBLATT berichtete gestern ausführlich.

  • Welcher WP-Examenskandidat träumte nicht schon einmal davon, die Klausurthemen schon vorab zu kennen?

Diesen Wunsch nach Vorabinformationen verwirklichte sich KPMG in den USA:

KPMG erhielt aus Kreisen der PCAOB vor Durchführung von Qualitätskontrollprüfungen vorab jeweils die geheime Liste, aus der sich die Stichprobe der Mandate ergab, die sich die Berufsaufsicht genauer zur Beurteilung der "Prüfungsqualität" anschauen wollte.

KPMG hat in Amerika seit Jahren eine denkbar schlechte Reputation. Von den "Big4" fand  die Aufsichtsbehörde hier in den vergangenen Jahren immer die meisten Mängel! Mit den illegal erworbenen Vorab-Informationen wollte sich KPMG vor der Kontrollkommission mustergültig präsentieren und Super-Noten von der PCAOB bekommen.

Dumm nur, dass sich ein früherer Mitarbeiter der PCAOB gegenüber den Aufsichtsbehörden offenbarte und alles zu Protokoll gab. Die KPMG-Mitarbeiter wurden alle gefeuert, incl. des obersten US-Prüfers von KPMG, Scott Marcello.

Die Insiderinformationen nutzten sechs zum Teil hochrangige Mitarbeiter von KPMG, von denen einige zuvor bei der PCAOB gearbeitet hatten. Jetzt werden sie allesamt in New York von dem US-Justizministerium und der Börsenaufsicht SEC angeklagt.

Man darf gespannt sein, wie die amerikanische Justiz mit solch kriminellem Berufsverständnis abrechnen wird!? - Ein Desaster für KPMG!!!

Übrigens ein Hohn: Der oberste Berufsaufseher für § 319a-Prüfer deutschland- und europaweit ist der KPMG-Skandalprüfer Ralf Bose; Leiter der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS). Er beaufsichtigt auch die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) und kontrolliert insbesondere, ob diese uns auch im Rahmen des peer review streng genug kontrollieren lässt!

Eine Farce: Wann wird die Politik endlich wach und durchschaut dieses perfide und anrüchige "Spiel"!?

Es ist momentan nicht der einzige Rückschlag für KPMG in Amerika:

  • Vor wenigen Tagen überraschte General Electric mit einer Nachricht die Märkte, auf sieben Jahre ganze 15 Milliarden Dollar für Pflegeversicherungen aufbringen zu müssen, da man erst jetzt die hohen Fehlbeträge festgestellt habe. Dies löste unmittelbar einen Kurssturz der GE-Aktie aus und lässt unangenehme Fragen an die jahrelangen Abschlussprüfer von KPMG erwarten.
  • Auch bei dem Skandal um fingierte Konten bei der Bank Wells Fargo machte Abschlussprüfer KPMG keine gute Figur. Von 2011 bis 2015 eröffneten Vertriebsleute von Wells Fargo ganze zwei Millionen Konten im Namen von Kunden, die davon nichts wussten.

Und jetzt die Anklage gegen die KPMG-Mitarbeiter.

24.01.2018
Die nervige Selbstdarstellung der Big4

Es ist an Lächerlichkeit und Aufdringlichkeit kaum zu überbieten:

Die nervige mediale Aufdringlichkeit der Big4 durch tägliche Nachrichten, Gutachten, Expertisen, Voraussagen et..

Jeder noch so lächerlichen Meldung ist zu entnehmen: Wir wissen bereits alles, sind für alles zuständig und fluten nach Belieben ungefragt und ohne Mandat die Medien, so dass uns mittlerweile jeder als "Alleswisser & Alleskönner" wahrnimmt.

Hier noch einige Beispiele der letzten Tage:

  • KPMG 19.01.2018: Was die Kader von Bayern, Real und Juventus kosten!
  • PwC 20.01.2018: Warum Chemie-Aktien jetzt ins Depot gehören.
  • Zum 21. Mal hat die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte ihre jährliche Studie "Football Money League" veröffentlicht.
  • Deloitte 23.01.2018: Leitenden Führungskräften und Behördenleitern aus der ganzen Welt fehlt Zuversicht in die Bereitschaft ihrer Organisationen, die Gelegenheiten der vierten industriellen Revolution (Industry 4.0) zu beeinflussen und zu nutzen.

Da stockt Ihnen ja wohl der Atem! Es ist doch wohl wichtig, dass die Big4 (und nur die Big4!) uns das einmal sagen! - Oder?

Die Berufsaufsicht (WPK, APAS) ist geradezu begeistert und applaudiert jeden Tag auf Neue über diese Wahrnehmung "berufstypischer Tätigkeiten"!!

Für die Mitarbeiter der Big4-Berufsgesellschaften (§§ 28 ff. WPO) bedeutet dies, dass Heerscharen von "unproduktiven" Redakteuren, Medienexperten, Branchen-Sachverständigen etc. von den produktiven Prüfern mit durchgefüttert werden müssen.

Prüfungs-Assistenten und Manager wissen dann doch wenigstens, warum sie in der Prüfungssaison eine 80-Stunden-Woche "kloppen" müssen und trotzdem 30% weniger als in einem vergleichbaren Industrie-Job verdienen.

Und jetzt nicht verquatschen, denn die Repräsentanten der Big4 (und damit des Berufsstandes) müssen jetzt flugs ins verschneite Davos - zum Weltwirtschaftsgeplaudere der Eliten!

Norbert hofft insgeheim dort vielleicht doch noch Donald zu begegnen ...

23.01.2018
Feiertag für Steuersünder

Sie galten als das erfolgreichste Trio ("Dream-Team") in der Geschichte der deutschen Steuerfahndung:

  • Peter Beckhoff (pensioniert),
  • Sandra Höfer-Grosjean (45)
  • und Volker Radermacher (49).

Die Steuerfahndung in Wuppertal zählt zu den Elite-Truppen im Kampf gegen Steuerhinterziehung in Deutschland. Die Steuer-CDs, die unter der Federführung der Wuppertaler angekauft wurden, brachten dem deutschen Fiskus seit 2010 satte sieben Milliarden Euro ein.

Jetzt wird die Behörde durch zwei spektakuläre Abgänge zum 28.02.2018 geschwächt. Die beiden Top-Fahnder wechseln zu Deloitte und werden dort künftig für die "Begleitung von Durchsuchungen" zuständig sein.

Nachdem der legendäre frühere Behördenchef Peter Beckhoff („Der Mann ohne Gesicht“) vor einem Jahr in Pension gegangen war, hatte Höfer-Grosjean die Leitung des Teams zunächst kommissarisch übernommen, Radermacher wurde ihr Stellvertreter. Die beiden galten als Idealbesetzung.

Und schon beginnt die politische Auseinandersetzung über diesen Aderlass:

Die SPD-Opposition macht dafür die mangelnde Unterstützung der Ermittler die neue CDU-Landesregierung verantwortlich.

  • „So fährt man sehenden Auges eine bestens aufgestellte Steuerfahndung vor die Wand“.
  • Bei den Steuersündern werden jetzt „ein paar Champagner-Korken knallen“,
  • "Wuppertal war ein Leuchtturm, der geschliffen werden musste." oder
  • "Die CDU schafft nun nach der Landtagswahl "No-Tax-Areas" für Besserverdienende".

Den Verlust ihrer Beamten-Pension werden die beiden neuen Deloitte-"Spitzenkräfte" gut verkraften: Nach vorliegenden Medienberichten hatte Deloitte für den Seitenwechsel das dreifache Gehalt und eine "moderate Regelung bezüglich der Altersversorgung" geboten.

Fazit:

Es scheint so zu sein wie bei der Geldwäsche oder anderen Formen der Wirtschaftskriminalität (Mafia & Co.), dass Staat und Politik an deren Bekämpfung nur ein vorgetäuschtes Interesse haben!

Auf in die Zukunft!

23.01.2018
Arcandor-Pleite: Klatsche für KPMG

KPMG kassierte rd. 3 Mio. € Honorar für ein Sanierungsgutachten (IDW S 6) vom einst strauchelnden Karstadt-Mutterkonzern Arcandor - auch noch, als die Pleite offensichtlich nicht mehr abzuwenden war.

Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch erstritt jetzt vor Gericht die Rückzahlung eines Teils der Beraterhonorare. Den "Insolvenzverschleppungsschaden" muss KPMG aber nicht ersetzen.

KPMG muss rd. die Hälfte des Honorars an die Insolvenzverwaltung des früheren Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor zurückzahlen. Die noch kurz vor der Pleite im Juni 2009 ausgezahlten Beraterhonorare haben andere Gläubiger benachteiligt, begründete das OLG Frankfurt seine gestern veröffentlichte Entscheidung.

Beide Seiten hätten zum Zeitpunkt der Zahlung am 20. Mai 2009 gewusst, dass die weitere Geschäftstätigkeit nicht mehr gesichert war. Arcandor hatte am 9. Juni 2009 beim Amtsgericht Essen Insolvenz angemeldet.

Mit weitergehenden Forderungen drang der Insolvenzverwalter allerdings nicht durch. So muss KPMG keinen Schadenersatz in Höhe von 82 Mio. € leisten und darf auch 1,5 Mio.€ Honorar behalten.

KPMG wollte das Urteil nicht kommentieren und könnte noch Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) eingelegen.

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