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WP Watch

NR. 77 - MÄRZ 2020

 
1. Das IDW und die lächerliche Umfrage
2. Wirtschaftsprüfer - vom Sparringspartner zum Dirigenten
3. Rödl und das Ranking
4. Der Doktortitel aus Bratislava
5. PwC und die Luanda Leaks
6. Das Eingeständnis von PwC in Davos
7. Der Witz mit den "geldwäscherechtlichen Pflichten"
8. Minister Scheuer und das Linklaters-"Gutachten"
9. Und zum Schluss noch eine wahre Gute-Nacht-Geschichte
10. Eine gute Zeit für Sie!!
1.

DAS IDW UND DIE LÄCHERLICHE UMFRAGE

 

Der gesamte Berufsstand hatte fieberhaft auf das Abstimmungsergebnis gewartet. Die Spannung war nahezu unerträglich, die Telefone standen nicht still und stündlich schaute man "Exklusiv" im Mitgliederbereich des IDW nach.

"Wegen der grundlegenden Bedeutung für die Zusammensetzung des Berufsstands haben Vorstand und Verwaltungsrat des IDW beschlossen, vor einer abschließenden Positionierung die Mitglieder des IDW zu befragen. In unserer IDW Life haben sich in der Januarausgabe WP/StB Gerhard Ziegler, Präsident der WPK, pro und WP/StB Martin Wambach, Mitglied des IDW Vorstands, contra zur Zusammenführung der Prüferberufe mit einem Statement geäußert".

Und dann war es endlich am 03.02.2020 soweit - ein für den Berufsstand sicherlich historisches Datum:

Ich mach es kurz:

538 IDW-Mitglieder haben abgestimmt. Zum 01.01.2020 hatten wir lt. offizieller Statistik der WPK 14.568 WPs und 2.377 vBPs. 

Demnach haben nur 3,7% der WPs an der Befragung teilgenommen! Wenn man die vBPs hinzurechnet, waren es nur 3,2%.  

Hat das IDW nichts besseres zu tun? 

Schlusskommentar des IDW: "Dieses Ergebnis sowie die abschließende Positionierung des IDW werden wir der WPK und dem BMWi mitteilen. In der Märzausgabe unserer IDW Life werden wir Sie noch einmal ausführlicher und auch über Wortbeiträge von Teilnehmern an der Umfrage informieren". - Na, da sind wir aber gespannt!

   
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2.

WIRTSCHAFTSPRÜFER - VOM SPARRINGSPARTNER ZUM DIRIGENTEN

 

Wir leben in bewegter Zeit und der Berufsstand muss sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen. 

Vor nicht einmal 10 Jahren kürte Prof. Naumann, Sprecher des IDW e.V.-Vorstands, Wirtschaftsprüfer zu "Sparringspartnern des Aufsichtsrats". Wirtschaftsprüfung sei viel mehr als die bloße Prüfung und Feststellung der Ordnungsmäßigkeit des Jahresabschlusses. 

Er warf seinerzeit diese Metapher in die Diskussion, als Michel Barnier den Big4-Prüfern wegen ihrer miserablen Leistungen bei den Bankenprüfungen im Vorfeld der "Finanzkrise" die Regulierungsschlinge um den Hals legen wollte.

Nun kommt es noch besser. - Ich warte jeden Monat mit Spannung auf die Monatszeitschrift meines IDW-Vereins (IDW Life) und lese erstaunt die Titelstory:

  • DER DIRIGENT - Die (neue) Rolle des Wirtschaftsprüfers (Heft 02.2020, S. 68-75)

Über ganze acht Seiten(!) klärt mich zunächst ein jüngerer Kollege von KPMG darüber auf, dass er eine "Transformation der Wirtschaftsprüferrolle" festgestellt habe und den Abschlussprüfer eher in einer Koordinatorenrolle sieht.

Ein anderer Kollege von PKF Hamburg präferiert hier eher die Dirigentenrolle:

  • "Der Wirtschaftsprüfer orchestriert ein interdisziplinäres Team, ...welches identifizierte Auffälligkeiten bearbeitet."

Nach Meinung des IDW-Vorstands erwartet man dort also neuerdings den WP als Dirigenten, der bei den Mandanten für ein hervorragendes Klangerlebnis sorgen muss.

   
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3.

RÖDL UND DAS RANKING

 

In den vergangenen Jahren hat WPwatch umfangreich zu den geschäftlichen Verbandelungen von Rödl und Lünendonk berichtet. Rödls gemeldete (Proforma) Umsatzzahlen wurden ohne weitere Überprüfung in die jährlich erstellte Lünendonk Studie übernommen. Nun ist Rödl aus dem Kreis der engeren Unterstützer (werden in der Studie genannt) der Lünendonk Liste 2019 und wohl auch für die Folgejahre ausgeschieden.

Auch am jährlichen Lünendonk Pressegespräch am 21.07.2019 in Frankfurt am Main nahm Rödl erstmalig nicht teil. Wollen beide Geschäftspartner Gras über die bei wpwatch gemeldeten Unplausibilitäten wachsen lassen? 

Nun verleiht Lünendonk Ebner Stolz den Lünendonk Award 2019. Lünendonk umgarnt damit den schärfsten Wettbewerber der Rödl Gruppe, zu dessen Nachteil die alljährlichen Umsatzmeldungen der Rödl Gruppe in der Vergangenheit ausfielen. Eine Form der Wiedergutmachung? Ebner Stolz wäre ohne die Falschmeldungen der Rödl Gruppe schon lange die von Lünendonk zu meldende Nummer 5 gewesen! 

Rödl weicht auf das Manager Magazin aus, dass für 2018 ein Ranking der Wirtschaftsprüfer durchgeführt hat und Rödl auf Platz 5 führt, nach Deloitte und vor BDO, Mazars und Ebner Stolz. Damit nimmt Rödl  den Platz ein, den man sich schon lange bei Lünendonk erträumte.

In Angebotsschreiben gibt sich Rödl nun großspurig den selbst gegebenen Titel „Größte deutsche Prüfungs- und Beratungsgesellschaft“.

   
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4.

DER DOKTORTITEL AUS BRATISLAVA

 

Ich hatte es bereits am 04.12.2017 bei wpwatch angedeutet, doch offensichtlich wollte man in Nürnberg im Hause Rödl den Knall nicht hören.

Eigentlich soll er ein Sympatieträger der "Marke Rödl" sein. RA Dr. Matthias Weber (oberster Leiter des Personalmarketings), Ansprechpartner für qualifizierte Bewerber, Aushängeschild bei den Rödl-Recruiting-Tagen sowie Mitglied im elitären "Praxis-Beirat" der Uni Düsseldorf.

Seine Promotion aus dem Jahre 2009 an der Comenius Universität Bratislava (Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie) trägt den Titel: "Starke Marken" und wurde im disserta Verlag, Hamburg, als Buch veröffentlicht (A5, 166 Seiten! + 4 Seiten Literaturverzeichnis!).

Im Erzähl-Stil erfährt man zunächst auf den ersten 100 Seiten "Wissenschaftliches" über

  • Markenpersönlichkeitsmodelle,
  • psychologische Wirkungsdimensionen,
  • Markenkommunikation und
  • Markenführung 

bevor es dann ab Kapital 18 (S. 101 ff.) um

  • Professionelles Markenmanagement bei Rödl & Partner - Ursachen und konkrete Durchführung

geht.

Um es kurz zu machen: Dieses "Werk" verstößt gegen wesentliche Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens und ist von zweifelhaftem intellektuellen Niveau. Die Internet-Plattform VroniPlag Wiki hat bislang auf knapp 60% aller Seiten Plagiatsfundstellen dokumentiert. 

Auch wenn man sich im Hause Rödl gerne selber feiert, sollten jedoch auch für die Repräsentanten und Ansprechpartner dieser "Größten deutschen Prüfungs- und Beratungsgesellschaft" die Grundsätze des Berufsrechts und der Berufsethik gelten. Wo bleibt hier die Vorbildfunktion für den Berufsnachwuchs?

Mich erinnert dies übrigens auch an die überraschende IT-Kompetenz im Hause Rödl und die dortige inflationäre Zunahme von "IT-Auditoren" (wpwatch vom 26.02.2018).

   
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5.

PWC UND DIE LUANDA LEAKS

 

Das Zeitalter der Transparenz bringt es mit sich, dass skandalöse finanzielle und soziale Verwerfungen in unserer Gesellschaft oftmals durch Whistleblower an die Medien herangetragen werden. Bei den "Leaks" geht es meist um Korruption, Steuerbetrug oder organisierte Kriminalität. Schaut man sich die Fakten genauer an, so fragt man sich, inwieweit hier die Big4 involviert waren. 

Hier ein Beispiel:

Es wird eng für Isabel dos Santos (46), die reichste Frau Afrikas. Sie wird auch gerne einfach nur "Prinzessin" genannt. Die Tochter des langjährigen Präsidenten von Angola mit einem auf 2 Milliarden Dollar geschätzten Vermögen sieht sich einer ganzen Lawine von journalistischen Enthüllungen über Bereicherung, Korruption und dubiose Geschäftspraktiken ausgesetzt. Ihr Vater war 38 Jahre an der Macht, bevor er 2017 abtrat. Zu dieser Zeit war Isabel noch Chefin des staatlichen angolanischen Ölkonzerns Sonangol. Weiterhin gehörten ihr 42,5 % der Anteile der portugiesischen Geschäftsbank EUROBIC. Die Bank diente ihr als wichtige Gelddrehscheibe. Weitere angolanische Unternehmen sind der Prinzessin ebenfalls zuzurechnen.

2017 zog sie es dann nach dem Rücktritt ihres Vaters vor, nach London zu gehen - wohlwissend, dass Großbritannien mit Luanda kein Auslieferungsabkommen hat.

Wie die portugiesische Polizei zwischenzeitlich bestätigte, wurde der EUROBIC-Direktor, der Isabels Konten betreute, mit schweren Verletzungen am 23.01.2020 in seinem Haus in Lissabon tot aufgefunden.

Das Internationale Komitee von Investigativ-Journalisten (ICIJ) hat mehr als 700.000 Emails, Dokumente und Verträge ausgewertet, die ihm zugespielt wurden. Diese zeigen Details, wie Isabel dos Santos in zwei Jahrzehnten durch die Protektion ihres Vaters zur wichtigsten Geschäftsfrau Angolas und zur mehrfachen Milliardärin aufstieg. Die Generalstaatsanwaltschaft Luandas hat mittlerweile Vermögenswerte und Konten in Angola und Portugal eingefroren. 

Die veröffentlichten Dokumente zeigen etwa, wie sie ihre Beziehungen ausnutzte, um sich zu bereichern. Westliche Beratungsunternehmen wie BCG und McKinsey machten jahrzehntelang hervorragende Geschäfte mit dem dos Santos-Clan und berieten ihn in allen Fragen.

Mit im Boot war aber auch PwC.  Über 20 Jahre lang beriet man in allen Steuerfragen. Immer unter Beachtung berufsständischer und berufsethischer Grundsätze?

Jetzt lesen Sie doch mal weiter ...

   
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6.

DAS EINGESTÄNDNIS VON PWC IN DAVOS

 

Auch Bob Moritz, weltweiter Chef von PwC, hatte im Januar 2020 den Weg ins schweizerische Davos gefunden, um die politische und wirtschaftliche Elite dieser Welt beim Weltwirtschaftsgipfel zu treffen. Im Vorfeld hatte er bereits über die Presse sein vorbereitetes Statement zur Weltwirtschaft vermelden lassen:

  • "Angesichts der anhaltenden Unsicherheit über Handelsspannungen, geopolitische Fragen und die Uneinigkeit über den Umgang mit dem Klimawandel ist der Rückgang des Vertrauens in das Wirtschaftswachstum nicht überraschend."

Er wollte also mit den Großen und Mächtigen dieser Welt besprechen, wie man all diese Aufgaben gemeinsam mit dem weltweiten Alleskönner PwC (gegen entsprechendes Honorar) lösen könnte.

Doch dann kam alles anders:

Bereits beim ersten Presse-Briefing wurde Bob Moritz mit den neuerlichen Enthüllungen über PwC in Angola und Portugal konfrontiert.

PwC war für rund 20 Firmen aus dem Imperium von Isabel dos Santos tätig, machte Audits und entwickelte Steuerstrategien. 

Es ist selten, dass sich ein CEO einer Big4 so deutlich selbstkritisch äußert. Bob Moritz sagte, er sei «schockiert und enttäuscht», was er in den letzten Tagen über die Arbeit von PwC für Isabel dos Santos erfahren habe. Moritz kündigte eine interne Untersuchung an. Danach werde man über personelle Konsequenzen entscheiden. Es könne Versetzungen, Boni-Kürzungen oder sogar Entlassungen geben.

Moritz sagte, für die Reputation sei dies das Schlimmste, was PWC unter seiner Führung je geschehen sei. «Das war unser Fehler», sagte Moritz.

Bei PwC Portugal führten die Luanda Leaks bereits zu einem prominenten Abgang. Der dortige Chef der Steuerabteilung wurde "wegen der Schwere der Anschuldigungen" gefeuert.

So - und jetzt mal wieder Bodenberührung: Glauben Sie tatsächlich, dass Bob nur einen dieser Sätze in Davos (vor seinen potentiellen Auftraggebern aus Wirtschaft und Politik) gesagt hätte, wenn nicht wenige Tage zuvor die Unterlagen von investigativen Journalisten veröffentlicht worden wären?

Alles nur Heuchelei!

   
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7.

DER WITZ MIT DEN "GELDWÄSCHERECHTLICHEN PFLICHTEN"

 

Das Thema Geldwäsche ist seit Jahren ein Hype für die Presse und die Berufskammern der Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Europol schätzt die weltweite Geldwäsche auf 2 Billionen USD, das BKA geht von rd. 120 Mrd. € alleine in Deutschland aus. Das sind 5% des weltweiten BIP!

Die Änderungen durch die 5. Geldwäscherichtlinie der EU wurden zwischenzeitlich im Geldwäschegesetz (GwG) umgesetzt. WP/vBP sind - nach wie vor - im Kreis der Verpflichteten (§ 2 I Nr. 12 GwG). Die WPK ist die zuständige Aufsichtsbehörde (§ 50 Nr. 6 GwG) und hat dementsprechend die Durchführung des Gesetzes zu überwachen. Die Mitwirkungspflichten der Berufsangehörigen ergeben sich aus § 52 GwG.

Die WPK verschickte im Mai 2019 an 125 Kanzleien einen Fragebogen und wollte durch die Beantwortung einen Nachweis über die Einhaltung der Sorgfaltspflichten durch den Berufsstand einholen. Ein Kollege antwortete hierauf der WPK u.a., dass er seine Mandanten seit Jahren persönlich kenne, deshalb keine "Risikoanalyse" mache und auch keine Feststellungen zur Identifizierung treffe (vgl. WPK-Magazin I/2020, S. 16).

Die WPK wertete die Verweigerungshaltung des Kollegen als "Verstoß gegen die Pflichten zur gewissenhaften Berufsausübung". Die Vorstandsabteilung Berufsaufsicht (VoBa) verhängte schlussendlich eine Geldbuße gegen den widerspenstigen Kollegen.

Zunächst darf festgestellt werden, dass von den im Jahr 2018 gegenüber der FIU erstatteten 77.252 Verdachtsanzeigen in Deutschland lediglich 2 aus dem Berufsstand kamen! Für Berufsangehörige, die der gesetzlichen Verschwiegenheit unterliegen, gilt nämlich der Grundsatz: "Verschwiegenheit geht vor Verdachtsmeldung".

Im Übrigen sind es ja wohl die Big4, die bei Bankenprüfungen noch nicht einmal Geldwäsche in zweistelliger Milliardengrößenordnung feststellen (KPMG: Danske Bank/Deutsche Bank oder Deutsche Bank London/ Niederlassung Moskau - PwC Luanda Leaks etc.).

Da die Deutsche Bank wiederholt durch spektakuläre medienwirksame Geldwäschefälle aufgefallen ist, verlor die BaFin die Geduld und verordnete der Bank bis 2021 einen Sonderprüfer.

Was glauben Sie wohl, wer dort als Sonderprüfer nun die Einhaltung der geldwäscherechtlichen Vorschriften prüfen soll? - Na klar KPMG! - So macht man den Bock zum Gärtner.

Eine Frage hab ich noch: Hat der Vorsitzende der VoBa Dr. Gelhausen (Ex-PwC-Chef) zwischenzeitlich vielleicht auch gegen KPMG Bußgelder verhängt? Im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt übrigens sein ehemaliger PwC-Vorstandskollege Prof. Winkeljohann als Kontrollorgan!?

   
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8.

MINISTER SCHEUER UND DAS LINKLATERS-"GUTACHTEN"

 

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) - kurz: "Andy" - muss sich einem Untersuchungsausschuss stellen, der die desaströsen Umstände um die Einführung der Pkw-Maut aufklären soll.

Hierbei geht es u.a. um den Zuschlag des Ministeriums an das Bieterkonsortium Kapsch und CTS Eventim zu einem Zeitpunkt, als der EuGH noch nicht über die Rechtmäßigkeit der Einführung der Pkw-Maut entschieden hatte. Das Bieterkonsortium verklagt nun den Bund auf Schadensersatz in Höhe von 560 Mio.€!

Nachdem der Untersuchungsausschuss bereits diverse gutachterliche Stellungnahmen eingeholt hatte, ergaben die ersten Befragungen von Experten, dass sich das Ministerium bei der Auftragsvergabe wohl über mahnende Stimmen hinweggesetzt hatte. Insgeheim ging es wohl eher um eine blinde Aufrechterhaltung der von der CSU angekündigten Mauteinführung als Wahlkampfschlager für die bayerische Landtagswahl 2018.

Jetzt bewaffnet sich Minister Scheuer zu seiner Entlastung mit einem knapp 90-seitigen Gutachten der Staranwälte von Linklaters, die (erwartungsgemäß) zu dem (gewünschten) Ergebnis kommen, dass es

  • "dem Minister weder verpflichtend noch zumutbar gewesen sei, vor dem Abschluss des Vertrags das entscheidende Urteil des EuGH abzuwarten."

Auf Nachfrage musste der Minister eingestehen, dass das Ministerium für das eingeholte Gutachten einen Stundensatz in Höhe von 410 € vereinbart und insgesamt mehr als 240.000 € an Linklaters gezahlt hatte. Das erinnert doch irgendwie an die seinerzeit von "Kanonen-Uschi" eingeholten Millionen-Gutachten i.S. Reform der Bundeswehr.

Blöd nur, dass für die Einholung dieses "Gefälligkeitsgutachtens" offensichtlich auch diesmal vergaberechtliche Bestimmungen nicht eingehalten wurden.

Linklaters hatte übrigens zuvor 14 Jahre lang das Schiedsverfahren zur LKW-Maut an der Seite des Ministeriums gegen das Betreiber-Konsortium begleitet und dafür mit einer anderen Kanzlei mehr als 200 Mio. € kassiert.

   
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9.

UND ZUM SCHLUSS NOCH EINE WAHRE GUTE-NACHT-GESCHICHTE

 

Accenture (vormals: Andersen Consulting) ist mit rd. 40 Mrd. USD Umsatz und 459.000 Mitarbeitern um ein Vielfaches größer als McKinsey.

Ich hatte bereits mehrfach darüber berichtet, dass 2014 die sogenannten Luxemburg-Leaks bekannt wurden, wonach PwC für internationale Konzerne illegal tax rulings (Steuervorbescheide) erstellte, die zuvor im Minutentakt mit den luxemburgischen Steuerbehörden "ausgehandelt" wurden. Heraus kamen hierbei Steuersätze von bisweilen weniger als 1%. Dies ließ sich PwC fürstlich von den Mandanten honorieren.
Von einem Tag auf den anderen konnte seinerzeit alle Welt die Steuertricksereien von Großkonzernen nachvollziehen.

Dies interessierte natürlich auch die Finanzbehörden. Für die Schweizer Behörden war dabei vor allem Accenture interessant. Der Schweizer Kanton Schaffhausen hatte Accenture in 2001 mit niedrigen Steuersätzen angelockt - ein Coup - wie man glaubte! Accenture verschob seinerzeit vor allem geistiges Eigentum, etwa wertvolle Software-Patente, in die Schweiz.

Es ist ein gängiger Trick in der Welt der Steuervermeider: Statt die Gewinne dort zu versteuern, wo die eigentlichen Geschäfte gemacht werden, verlangt ein Konzernteil, der in einer Steueroase sitzt, von Länderfilialen viel Geld für die Nutzung geistigen Eigentums. Dadurch wiederum kann in Ländern wie Deutschland der zu versteuernde Gewinn kleingerechnet werden. Viel Geld fließt hingegen ab in die Steueroase, in der darauf kaum Steuern erhoben werden.

Für Accenture war nach neun Jahren in der Schweiz jedoch schon wieder Schluss: 2010 zog Accenture das geistige Eigentum wieder aus Schaffhausen ab, um es einer irischen Gesellschaft zu übertragen. Die Details zu diesem Transfer blieben bisher unbekannt. 

Bis zu den Luxemburg Leaks, wo ein fünfseitiges Dokument auftauchte, in dem Erstaunliches zu lesen war: Als Accenture aus Schaffhausen wegzog, hatte das Unternehmen den Wert seines geistigen Eigentums gegenüber den Schweizer Behörden mit 1,2 Mrd. USD angegeben. In Irland hatten sie den Wert mit 7 Mrd. USD veranschlagt.

Dazu muss man wissen, dass Firmen ihre Werte möglichst hoch ansetzen, wenn sie sich neu ansiedeln. Das erlaubt ihnen höhere Abschreibungen in den Folgejahren. Und das wiederum verkleinert den steuerbaren Gewinn. "Tief raus, hoch rein", lautet der Grundsatz beim steuervermeidenden Verschieben von Konzernvermögen.

Aber eine Differenz von unvorstellbaren 5,8 Mrd. USD? Das war selbst den Schweizer Behörden dann doch zu viel. 

2016 leitete die Eidgenössische Steuerverwaltung deshalb Ermittlungen gegen Accenture ein. Es gab Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen.

Und jetzt kommt auch schon das Happy End. Im Juni 2017 schlossen Accenture und die Schweizer Behörden einen Deal: Man zahlte 200 Mio. SFR und im Gegenzug wurde das Verfahren eingestellt.

Und da die ganzen Elitisten und Schlaumeier von Accenture, McKinseys und den Big4 nie aussterben, werden wir auch weiterhin von ihnen um den Schlaf gebracht - soweit uns die Whistleblower zuerst einmal die wahren Geschichten erzählen.

Gute Nacht!

   
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10.

EINE GUTE ZEIT FÜR SIE!!

 

Ihnen allen wünsche ich eine gute Zeit!

Kollegiale Grüße aus Köln

Ihr

Dirk Hildebrandt

Herausgeber (ViSdP):

WP StB Dipl.-Kfm. Dirk Hildebrandt
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